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14.03.2010 | 19.08 Uhr

Leichtathletik

Vor der Leichtathletik-WM

Deutsche Sprinter misstrauen Bolt & Co.

In zwei Wochen startet die Leichtathletik-WM in Berlin. Und jetzt schon läuft der dreifache Olympiasieger Usain Bolt allen davon. Trotz schlechter Bedingungen lief er die 100 Meter in diesem Jahr schon in 9,78 Sekunden, gerade mal eine Zehntelsekunde über Weltrekord. Grund genug für die deutschen Sprinter Tobias Unger und Alexander Kosenkow, die Leistungen des Olympiasiegers und seiner jamaikanischen Sprintkollegen zu hinterfragen.

"Wenn man sieht, wie spielerisch diese Leute 100 Meter unter zehn Sekunden laufen, besteht schon der Verdacht, dass das unmenschlich ist", sagte der Wattenscheider Kosenkow dem Internetportal derwesten.de. "Klar, dass ich das hinterfrage."
Bei Dopingproben waren fünf jamaikanische Sprinter positiv getestet worden. Darunter zwei Trainingspartner von Usain Bolt. Der befürchtet dadurch einen Imageschaden ungeahnten Ausmaßes. "Jetzt wird alles hinterfragt, was von Jamaika kommt", sagte der Superstar nach Bekanntwerden der Testergebnisse.

Unger überrascht und schockiert

Tobias Unger; Rechte: dpa

Tobias Unger: Sieger über 100 Meter bei der Leichtathletik-DM in Ulm

Tobias Unger erreichte die Nachricht im Trainingslager in Kienbaum. Der schnellste Sprinter Deutschlands äußerte sich besorgt: "Das Erstaunliche: Es sind viele aufgeflogen, alle mit dem gleichen Mittel. Das muss ein richtiges System sein." Unger befürchtet allerdings, dass die Dopingsünder keine weitreichenden Konsequenzen fürchten müssen. "Wenn fünf auf einmal erwischt werden, haben sich die Kontrollen zunächst mal gelohnt. Es wird allerdings gemunkelt, dass alle davon kommen. Entweder ist es eine verbotene Substanz, und man wird zwei Jahre gesperrt. Oder man kann das ganze auch gleich sein lassen", sagte er gegenüber der Südwestpresse.

Tatsächlich kommen die jamaikanischen Athleten wohl mit einer Verwarnung davon. Davon geht auch der Leiter des Doping-Labors in Kreischa, Detlef Thieme, aus. "Da droht nicht viel", sagte er. Doch selbst bei milder Strafe wäre der Imageschaden immens.

Jamaika schon lange unter Verdacht

Die fünf Sprinter waren in der A-Probe positiv auf ein Stimulanz getestet worden, bei dem es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der Methylxanthine handeln soll. Die sind auch in vielen Erkältungsmitteln zu finden.

Der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke reagierte wenig überrascht auf die Doping-Fälle: "In Jamaika steppt der Bär, das ist doch schon lange bekannt", sagte er. "Es ist klar, dass man was findet, wenn man genau hinschaut."

Die jüngsten Erfolge von Jamaikas Sprintern sind jedenfalls beeindruckend und nahezu unglaublich. Fünf von sechs Goldmedaillen gewannen sie bei Olympia in Peking. Bolt lief dabei allein drei Weltrekorde.

Unger rechnet sich wenig Chancen aus

Die blaue Bahn im Berliner Olympia-Stadion, wo in diesem Jahr die Leichtathletik-WM ausgetragen wird, gehört nicht zu den schnellsten. Trotzdem ist sich Tobias Unger in Bezug auf Bolt sicher: "Das wird ihn bei seiner aktuellen Verfassung nicht stören. Ich traue ihm zu, dass er bei der WM eine Weltrekordzeit unter 9,60 Sekunden hinlegt.

Unger hat sich für die 100 Meter qualifiziert. In Berlin will er seine Bestzeit von 10,16 Sekunden steigern. In seiner eigentlichen Paradedisziplin, 200 Meter, wird Unger nach viel Verletzungspech nicht starten. "Mit einer 20,30, die ich drauf hätte, wenn alles ohne Verletzungen abgegangen wäre in dieser Saison, könnte es fürs WM-Halbfinale reichen. Über 100 Meter ist das utopisch. Diese Strecke ist für mich, als wäre ich bei der Tour de France Bergspezialist, müsste aber im Zeitfahren glänzen", sagte der deutsche Rekordhalter über 200 Meter.

Alexander Kosenkow hofft noch auf einen Startplatz über 200 Meter in Berlin. Für die WM-Staffel ist er bereits nominiert.

dpa/sid | Stand: 31.07.2009, 14:59

 

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