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23.02.2012 | 03.02 Uhr

Handball EM 2012

Serbiens Handballer träumen vom Erfolg bei der Heim-EM

Mit Ilic zurück ins Licht

Von Frank van der Velden

Bei der Handball-EM im eigenen Land will Serbien an die großen Erfolge Jugoslawiens anknüpfen und die Sportart aus dem Schattendasein führen. Dem Kieler Momir Ilic fällt dabei eine tragende Rolle zu.

Serbiens Handballer Momir Ilic; Rechte: dpa Serbiens Handballer Momir Ilic

Es gab Zeiten, da waren Jugoslawiens Handballer das Maß aller Dinge. 1984 holte das Land bei den Olympischen Spielen Gold, zwei Jahre später den WM-Titel. Serbien, als größter Teilstaat Jugoslawiens Rechtsnachfolger, darf sich diese großen Triumphe noch auf die Fahnen schreiben.

Doch ansonsten ist den Serben nicht viel geblieben aus dieser Ära. Der vorerst letzte Erfolg datiert aus dem Jahr 2001, als das Team noch unter dem Namen Jugoslawien im Verbund mit Montenegro bei der WM in Frankreich Bronze holte. Längst hat Kroatien, der zweite starke Verband aus dem ehemaligen Jugoslawien, den Serben den Rang abgelaufen. Vor allem die jüngsten Ergebnisse waren ernüchternd. Bei der EM 2010 landete Serbien nur auf Platz 13, ein Jahr später reichte es bei der WM in Schweden nur zu Platz zehn.

"Wir stehen unter großem Druck"

Bei der EM im eigenen Land (15. bis 29. Januar) will Serbien nun wieder für Furore sorgen. "Die Vorfreude ist riesengroß. Wir sind sehr stolz, das Turnier ausrichten zu dürfen", sagt Momir Ilic vom THW Kiel. "Doch ebenso groß ist die Erwartungshaltung. Wir stehen unter großem Druck", sagt der Rückraumspieler. Der Grund: Die Fans erwarten eine Medaille. Ilic ist einer der Topstars im Team von Trainer Veselin Vukovic. Der Rechtshänder soll die Mannschaft führen. "Dem Druck bin ich gewachsen, ich hoffe, die Erwartungen erfüllen zu können", sagt der Kieler.

Die EM ist eine große Chance für den Handball in Serbien, denn im einst handball-begeisterten Land fristet die Sportart mittlerweile ein Schattendasein. Die heimische Liga gilt als schwach, den Klubs fehlt es vor allem an Geld. Weil es nichts zu verdienen gibt, heuern junge Talente bei ausländischen Vereinen an. So ziehen die Ballwerfer kaum noch Zuschauer und Sponsoren an. Auch in Serbien dreht vieles um den Fußball, Sportart Nummer eins ist jedoch Basketball. Und der Platz dahinter ist stark umkämpft. Auch Wasserballer und Volleyballer zählen zur Weltspitze, so ist Handball ein Sport unter vielen.

Das Ziel: Nachhaltigkeit

Die Belgrad-Arena; Rechte: dpa Lupe groß

Final-Ort: Die Belgrad-Arena

Sogar die serbische Regierung will diesen Abwärtstrend stoppen und hat kräftig investiert. Die neue Arena in Novi Sad wurde mit staatlichen Mitteln finanziert, genau wie die Modernisierung der anderen Hallen in Belgrad, Vrsac und Nis. Das soll für Nachhaltigkeit sorgen. Eine perfekt organisierte EM und serbische Siege, so hofft man, wecken das Interesse der Medien, Sponsoren und Fans auch wieder für die heimische Liga. Das wäre vielleicht der Startschuss in eine bessere Zukunft. Ein gutes Abschneiden bedeutet zudem auch die Teilnahme am Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in London.

Auch Momir Ilic kennt die Probleme des serbischen Handballs - und deren Auswirkungen auf das Nationalteam. So verdienen die Spieler nahezu alle im Ausland ihr Geld, was Trainer Vukovic die Arbeit nicht gerade leicht macht. "Wir haben eine sehr hohe Qualität, doch wir haben vor allem individuelle Klasse und sind kein Kollektiv", sagt Ilic. Prunkstück des Teams ist der Rückraum, in dem neben Ilic auch Nenad Vuckovic vom MT Melsungen, Zarko Sesum von den Rhein-Neckar-Löwen und Momir Rnic von Frisch Auf Göppingen spielen. Zweiter Topstar im Kader ist Marko Vujin vom ungarischen Klub MKB Veszprém, der in der kommenden Saison Mannschaftskollege von Ilic beim THW Kiel wird.

"Wir sind bereit"

Ilic ist dennoch zuversichtlich. "Ich denke, wir haben gute Chancen", sagt der Kieler. Dabei setzt er auch auf die Fans. Schließlich hätten sich die EM- und WM-Gastgeber der vergangenen Turniere immer gut geschlagen. "Wir haben mit Polen, Dänemark und der Slowakei allerdings eine schwere Vorrunden-Gruppe", erklärt der 30-Jährige.

Sofern Serbien die Gruppe A übersteht, könnte es in der Hauptrunde zu einem Duell mit Deutschland kommen. "Abgesehen von vielleicht Frankreich und Kroatien können wir mit jedem mithalten", sagt er selbstbewusst: "Wir mussten lange Zeit auf große Erfolge verzichten, jetzt sind wir bereit."

Stand: 12.01.2012, 08:00

 

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