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06.09.2010 | 03.33 Uhr

Allgemein

Amerikanische National-Handballer lernen in Deutschland

Ein Olympia-Traum in der Oberliga

Von Arne Lichtenberg

Handball ist in den USA völlig unbekannt. Meist kommt es eher zu Verwechslungen, denn Handball heißt in den Staaten ein Spiel, das dem Squash ähnelt. Die USA sind ein Handball-Niemandsland, haben aber trotzdem ein Nationalteam. Mark Ortega, Kapitän der US-Handballer, will unbedingt mit den USA zu Olympia. Dafür lernt er in Deutschland - in der Oberliga.

Mark Ortega (li.) und Mariusz Wartalowicz; Rechte: WDR/Lichtenberg Mark Ortega (li.) und Sportdirektor Mariusz Wartalowicz versuchen, den US-Handball nach vorne zu bringen.

Mark Ortega hat eine weite und ungewöhnliche Reise unternommen, um sein großes Ziel zu verwirklichen: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Denn leider hat sich der 31jährige keine Sportart ausgesucht, in der die USA führend in der Welt sind. Ortega versucht es ganz untypisch beim Handball. An der Universität spielte er zwar American Football, doch schon früh wuchs in ihm der Wunsch, an Olympischen Spielen teilzunehmen.

Einmal bei Olympia dabei sein

"Ich habe einfach nachgeschaut, welches die Olympischen Sportarten sind und wo ich den USA helfen könnte", erzählt Ortega schmunzelnd. "Es zeigte sich, dass Handball ein klein bisschen Unterstützung nötig hat." Ortega wartete nicht lange und nur gute zwei Jahre später stand er in der US-Handball-Nationalmannschaft. Mittlerweile ist er deren Kapitän. Da der Handballsport in den Staaten eher ein Schattendasein fristet, kam als Ausbildungsort nur der Gang nach Europa in Frage.

Über einen losen E-Mail-Kontakt landete er zuerst in Spanien, dann in Norwegen: "Es war furchtbar, dort gab es im Winter nur drei Stunden Tageslicht", erzählt er schaudernd. Mit dem Nationalteam weilte er schließlich in einem Trainingscamp in Deutschland und schloss sich dem SC Pulheim in der Nähe von Köln an. Nicht die große Handball-Bühne, nur die viertklassige Oberliga.

In Pulheim umsorgt

Die US-Handball-Nationalmannschaft; Rechte: WDR/Lichtenberg Das Ziel für die US-Boys heißt Rio 2016.

Aber er fühlt sich wohl, der Verein hat ihn herzlich aufgenommen, er verdient ein bisschen Geld als Trainer in der Leichtathletik-Abteilung des Vereins und wohnt mit seinem Nationalmannschaftskollegen Keith Fine, der beim TSV Dormagen II in der dritten Liga das Tor hütet, in einer Wohngemeinschaft. Sportlich lief es zu Beginn des Jahres nur mäßig. Der Trainer steckte ihn in die zweite Mannschaft und Ortega fand sich in der Kreisliga wieder. "Er ist sehr stark in der Abwehr, aber hat enorme Defizite in der Offensive", so Trainer Kelvin Tacke. Auch für die Oberliga ist das eigentlich zu wenig.

Die wichtigen Strippen im US-Handball zieht ohnehin ein Deutscher im Hintergrund: Horst-Dieter Esch, Unternehmer und Präsident des US-Handballverbandes. Esch will den Sport in den Staaten populärer machen, eine Profiliga soll entstehen. Kontakte zur deutschen Handball-Liga bestehen schon, auch nach Polen und Kroatien. Die amerikanischen Talente sollen bei europäischen Vereinen spielen und trainieren, und vor allem besser werden. "Die Qualität und die Anzahl der Spiele in Europa ist natürlich viel höher, als sie in den USA zurzeit ist", stellt Ortega heraus.

Konkurrenzkampf schüren

Die Leistungsdichte im US-Team soll so gesteigert und mehr Konkurrenz erzeugt werden, denn die belebt bekanntlich das Geschäft. Das Gastspiel der deutschen Mannschaft am 17. Juli in Chicago gegen Polen soll der Auftakt dieser Kooperation werden. Die Abneigung der deutschen Klubs für das Promotionspiel kann Ortega hingegen kaum verstehen. Das eine Spiel werde sie schon nicht umbringen, gerade für die USA "ist jegliche Art von Handball im Land nur förderlich", sagt er.

Ortega und seinen Kollegen bleibt vorerst nichts übrig, als Spielpraxis in der deutschen Handballprovinz für ihr US-Team zu sammeln. Denn für die Olympia-Qualifikation müssen sie die Panamerikanischen Spiele 2011 in Mexiko gewinnen. Vor der Teilnahme an den Spielen steht aber erst einmal ein Playoff-Duell gegen Kanada. In Mexiko wären dann Brasilien und Argentinien aus dem Weg zu räumen, beides keine Handball-Leichtgewichte.

Junge Spieler mit Potenzial

Von daher geht der Blick der Amerikaner eher in Richtung Olympia 2016 in Rio de Janeiro. Die Spieler, die jetzt gesichtet werden, sollen zwischen 17 und 22 Jahren sein. Für Ortega wäre das wohl zu spät. Aber es gibt dann wohl eine neue Aufgabe, er soll der Hauptkoordinator für die US-Handballer in Deutschland werden. Seine Kontakte wären dann wichtig, um das Projekt Olympia 2016 zu verwirklichen.

Stand: 16.07.2010, 08:00

 

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