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06.09.2010 | 03.16 Uhr

Champions League

Der Champions-League-Triumph des THW Kiel

15 Minuten für die Handball-Ewigkeit

Von Jens Mickler

In der ruhmreichen Vergangenheit des THW Kiel hat es viele große Titel gegeben. 15 Deutsche Meisterschaften, etliche Europacup-Triumphe und nationale Pokalsiege stehen zu Buche. Seit Sonntag (30.05.2010), seit dem denkwürdigen 36:34-Endspielsieg über den FC Barcelona, sind die Kieler zum zweiten Mal nach 2007 Champions-League-Sieger. Ein Erfolg, der einen ganz besonderen Stellenwert in der Klubgeschichte einnehmen wird.

Es war ein Bild zum Mitfühlen. Auf einer eiligst aufgebauten Bühne in der Mitte der Kölner Arena tanzten, feixten und lachten die Spieler des THW Kiel, nachdem ihnen soeben die Champions-League-Trophäe überreicht worden war. Sie bespritzten sich mit Champagner, vom Hallendach regnete es goldenen Konfetti und aus den Lautsprechern dröhnte der Evergreen "We are the Champions", während auf den Rängen die Kieler Anhänger vor Freude tobten.

Zeitgleich verließen die Spieler des FC Barcelona etwas abseits den Ort des großen THW-Triumphes. Ihre Köpfe hingen nach unten. Der Blick in die Gesichter sprach Bände, als sie jenseits einer Leine in Richtung Kabine "abgeführt" wurden. Sie müssen sich in diesem Moment ein wenig wie Deppen vorgekommen sein. Der FC Barcelona hatte den Sieg über den THW Kiel nämlich eigentlich schon sicher, um ihn sich dann aber doch noch aus der Hand nehmen zu lassen.

Gislason zeigt Mitgefühl

Vor allem Kiels Trainer Alfred Gislason zeigte Mitgefühl mit den Spaniern. "Ich kann mich gar nicht so richtig freuen, denn ich weiß, wie es dem FC Barcelona jetzt geht. Wir hatten vor einem Jahr ebenfalls den Triumph vor Augen und standen am Ende doch mit leeren Händen da", sagte Gislason im Augenblick des großen Sieges und erinnerte sich noch einmal an die unglückliche Finalniederlage aus dem Vorjahr im gleichen Wettbewerb gegen Ciudad Real.

Doch wie konnte der THW Kiel dieses scheinbar schon verlorene Finale noch drehen? Wie konnte die Mannschaft noch einmal zurückkommen, nachdem sie Mitte der zweiten Halbzeit bereits mit sechs Toren (19:25) hinten lag? Der Deutsche Meister wirkte ausgepumpt, kraftlos und unkonzentriert. Alles sprach für Barcelona. Die Spanier hatten den vermeintlich besser besetzten Kader. Sie hatten das wesentlich leichtere Halbfinalspiel am Vortag, dazu noch drei Stunden mehr Pause, und sie wirkten viel entschlosser und ruhiger. "Wir sind überhaupt nicht auf Betriebstemperatur gekommen", erklärte Trainer Gislason. Doch wer geglaubt hatte, die Energieleistung vom Vortag im Halbfinale gegen Ciudad Real sei nicht zu überbieten, sah sich getäuscht.

Durch den Schnee

Kiel besaß einen großen Kampfgeist in den letzten 15 Minuten. Der THW hatte Thierry Omeyer im Tor und eine Rekordkulisse von 19.400 Fans im Rücken, die die Mannschaft förmlich zum Sieg trieb. So kam der THW tatsächlich zurück, hatte beim 29:29 in der 52. Minute durch einen direkt verwandelten Freiwurf von Christian Zeitz zum ersten Mal ausgeglichen und legte Tor um Tor vor. Die Halle kochte. "Wir haben auch gut gearbeitet in der Vorbereitung. Wir sind in Kiel im Januar durch den Schnee gelaufen, das zahlte sich aus", merkte Gislason an.

Natürlich hatte einmal mehr der einzigartige Thierry Omeyer großen Anteil am Erfolg. Wie tags zuvor lieferte der wohl beste Keeper der Welt einen schwachen ersten Durchgang und schaffte es dann, im zweiten Abschnitt die gegnerischen Werfer mit seinen Paraden zu entnerven. "Es war ein unglaublicher Sieg in einer Halle mit einer unglaublichen Stimmung",fasste der Franzose den Triumph zusammen.

Die Trümpfe aus der zweiten Reihe

Daniel Narcisse, am Ziel seiner Träume; Rechte: dpa Lupe groß

Daniel Narcisse, am Ziel seiner Träume

Aber Omeyer war nicht der einzige Held der außergewöhnlichen Schlussphase des THW. Auch Rückraumschütze Christian Zeitz zählte dazu, der anfangs Pech hatte mit Pfostenwürfen und dann in den entscheidenden Momenten traf. Und es waren auf einmal die Spieler der zweiten Reihe, die in der Schlussphase zur Stelle waren. So Igor Anic, der Kreisläufer, der den entkräfteten Kapitän Marcus Ahlm in den Schlussminuten glänzend vertrat. So Hendrik Lundström, der auf Linksaußen die Iberer ein ums andere Mal narrte. So auch Björge Lund, der den ziemlich ausgezerrten Filip Jicha einwandfrei im Angriff vertrat. Und nicht zu vergessen Torwart-Oldie Peter Gentzel, der beim Stande von 34:32 einen Siebenmeter hielt.

Das nächste schwere Spiel

"Dass wir in der Schlussphase noch diese Möglichkeiten hatten, hat uns sehr geholfen", meinte Gislason. So wird dieser 30. Mai in Köln in die Geschichte des THW eingehen. Die ganz große Sieges-Sause aber verbat Trainer Gisalson sich und seiner Mannschaft. Denn schon am Mittwoch (02.06.10) läuft der frisch gebackene Champions-League-Sieger wieder auf, dann in eigener Halle. Der Gegner heißt dann nicht Ciudad Real oder FC Barcelona, sondern HBW Balingen-Weilstetten. Im vorletzten Spieltag der Bundesliga geht es darum, den knappen Vorsprung um die Deutsche Meisterschaft zu verteigen. "Das wird ein richtig schweres Spiel", sagt Alfred Gislason.

Stand: 31.05.2010, 08:30

 

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16. Balingen-W. 2 0:4
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