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09.09.2010 | 18.41 Uhr

Bundesliga

Aufschwung beim TV Großwallstadt

Mit dem Aufzug zum Training

Von Michael Ostermann

Wenn man es richtig versteht, ist Michael Biegler auch wegen des Aufzugs Trainer beim TV Großwallstadt geworden. Jedenfalls ist das einer der ersten Gründe, die er nennt, wenn man den 48-Jährigen fragt, warum es ihn dorthin verschlagen hat.

Großwallstadts Trainer Michael Biegler ; Rechte: Imago "Ich habe gar nichts gemacht." Großwallstadts neuer Trainer Michael Biegler

"Ich sitze jetzt hier im dritten Stock und kann mit dem Aufzug runter in die Halle zum Training fahren", erklärt Biegler. Der Aufzug ist natürlich nur ein Symbol. Ein Symbol für die Strukturen, die der Trainer vorgefunden hat, als er Anfang des Jahres den Posten des Chefcoaches übernahm. Im Juli des vergangenen Jahres haben sie in Großwallstadt ein modernes 11.400 Quadratmeter großes Handball-Leistungszentrum eingeweiht, dessen Bau mehr als zehn Millionen Euro gekostet hat. Zwei Trainings-Hallen stehen zur Verfügung, ein Jugendinternat, ein Hotel, ein medizinisches Zentrum sind hier untergebracht. "Hier sind richtig gute Trainingsbedingungen entstanden", schwärmt Biegler. Und natürlich sind diese Bedingungen der eigentliche Grund dafür, dass Biegler nun den Traditionsklub trainiert.

Vorzeitiger Wechsel

Er tut das mit Erfolg. Drei Spiele hat die Mannschaft unter seiner Regie bislang in der Bundesliga absolviert, alle drei Partien wurden gewonnen. Eine makellose Bilanz, aber Biegler will daran gar keinen Anteil gehabt haben. "Ich habe gar nichts gemacht", sagt er. "Ich bin auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, und es wäre Tinneff gewesen, wenn ich die Hand rausgehalten, stop gerufen und gesagt hätte, wir fahren jetzt in eine andere Richtung." Tatsächlich hat der Aufschwung des TV Großwallstadt schon in der Hinrunde begonnen, die der Tabellenzwölfte der vergangenen Saison auf Rang sieben mit Tuchfühlung nach weiter oben beendete.

Für die erfolgreiche Zwischenbilanz waren Trainer Peter David und Team-Manager Uli Wolf verantwortlich. Dass David dennoch zu Beginn der Rückrunde zurück ins zweite Glied rücken musste und Biegler zum Chefcoach wurde, ist deshalb auf den ersten Blick ungewöhnlich, war aber nur der vorgezogene Vollzug einer ohnehin geplanten Personalrochade. Schon am 1. April 2009 hatte Biegler sich mit den Verantwortlichen des TVG auf einen Vertrag ab Sommer 2010 geeinigt. Als sich Bieglers Engagement beim SC Magdeburg im dortigen Dauerzwist zunehmend schwieriger gestaltete, wurde ein vorzeitiger Wechsel möglich. "Wir waren froh, dass wir ihn schon jetzt bekommen konnten ", sagt der Vorstandsvorsitzende der TV Großwallstadt AG, Georg Ballmann. "Er ist ein sehr konsequenter Trainer, der Wert auf Disziplin legt und eine klare Linie verfolgt."

Schwerpunkt Nachwuchsarbeit

Biegler blickt auf 25 Jahre Erfahrung als Handball-Trainer zurück. Er war unter anderem Co-Trainer der Handballnationalmannschaft unter Arno Ehret, assistierte Heiner Brand als Coach beim VfL Gummersbach und arbeitete als Cheftrainer in Hameln, Wilhelmshaven und zuletzt in Magdeburg. All diese Erfahrungen soll er nun einbringen. "Ich bin geholt worden, um das Optimale aus der Mannschaft herauszuholen", sagt Biegler. Doch das ist längst nicht alles. Er soll auch die konzeptionelle Arbeit von der Jugend bis zu den Profis mitgestalten. Denn das schmucke Leistungszentrum soll dem Bundesligakader in Zukunft junge, talentierte Spieler zuführen. "Wir haben bislang das Konzept gehabt, junge deutsche Spieler zu verpflichten, jetzt setzen wir einen Schritt früher an", erklärt Vorstandschef Ballmann. "Das Leistungszentrum ist die Basis für die Zukunft.

Es ist die Überlebensstrategie eines Klubs, der finanziell nicht auf Rosen gebetet ist. Im Frühjahr 2009 konnte der Klub die Gehälter seiner Spieler nicht immer pünktlich zahlen. "Die Situation ist auch jetzt nicht einfach, aber sie ist nicht existenzbedrohend", sagt Ballmann. Der sportliche Aufschwung kommt auch diesem Grund nicht ungelegen. Der TVG schnuppert an den Europapokalplätzen, was Geld bedeuten würde. "Wir haben Verträge mit unseren Sponsoren, die uns zusätliche Einnahmen bringen für jedes zusätzliche Spiel im DHB-Pokal oder international", sagt Ballmann. "Deswegen wäre eine Teilnahme für uns nicht nur ein enormer Imagegewinn, sondern auch wirtschaftlich interessant."

Duell auf Augenhöhe

Am Donnerstag (05.03.10) könnte das Team einen weiteren Schritt in diese Richtung machen. Dann empfängt der TV Großwallstadt die punktgleichen Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim. Ein Duell zweier Tabellennachbarn, dennoch gehen die Gastgeber als Außenseiter in die Partie. "Vom Potenzial her stehen die auf einer Stufe mit dem HSV Hamburg und dem THW Kiel", sagt Trainer Biegler, der vor allem auf eine stabile Abwehr um den Isländer Sverre Jakobson, Bronzemedaillengewinner bei der EM im Januar, und den starken schwedischen Torhüter Mattias Anderson bauen kann. "Es wird spannend zu sehen, wie weit die Mannschaft tatsächlich ist", sagt Biegler.

Dass sie gegen die Löwen überhaupt ein Duell auf Augenhöhe führen können, empfinden sie in Großwallstadt bereits als Verdienst für eine bislang rundum gelungene Saison, in der das erklärte Ziel ein einstelliger Tabellenplatz ist. Doch schließt zumindest Vorstandschef Ballmann kaum noch etwas aus. "Ich traue", sagt er, "der Mannschaft fast alles zu."

Stand: 03.03.2010, 11:02

 

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2. Füchse Berlin 2 4:0
3. Gummersbach 2 4:0
4. Großwallstadt 2 4:0
5. Rh.-Neckar L. 2 4:0
  ...    
16. Balingen-W. 2 0:4
17. Ahlen-Hamm 2 0:4
18. Friesenheim 3 0:6

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