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21.11.2009 | 02.36 Uhr

Bundesliga

Der schwedische Ausnahmespieler in seiner letzten Saison

THW-Star Lövgren auf Abschiedstour

Von Mathias Deppisch

Stefan Lövgren wird am Samstag (19.12.08, 14.45 Uhr) vermutlich das letzte Mal zum Nord-Derby bei der SG Flensburg-Handewitt antreten. Die Liga nimmt Abschied vom Regisseur des THW Kiel, der über Jahre das Spiel des Serienmeisters prägte.

Als Spieler des THW Kiel hat man es nicht immer leicht. Vor allem, wenn man zum Derby in der Campus-Halle aufläuft, der Heimspielstätte der SG Flensburg-Handewitt. Die Gäste erwartet ein gellendes Pfeifkonzert, das bei jedem Ballkontakt in ohrenbetäubende Sopranhöhen ausartet.

Bei Stefan Lövgren könnte das am Samstag anders sein. Wenn sich die Teams nicht noch in der Champions League treffen, geht der Spielmacher und Kapitän des THW Kiel zum letzten Mal durch die "Hölle Nord", wie die Spielstätte der Flensburger genannt wird. Und es würde nicht verwundern, wenn der Schwede in seiner letzten Bundesliga-Saison sogar in Flensburg mit einem warmen Applaus empfangen, begleitet und schließlich verabschiedet werden würde.

International fast alles gewonnen

Stefan Lövgren mit dem Champions-League-Pokal; Rechte: dpa

Champions-League-Sieg 2007

Zu groß ist der Respekt vor diesem tadellosen Sportsmann, der im internationalen Handball bis auf Olympia alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Mit dem THW holte er die 2007 die Champions-League, mit der schwedischen Nationalmannschaft wurde er Welt- und Europameister. Fünf Jahre war Lövgren Schwedens Mannschaftskapitän, bestritt 268 Länderspiele, warf 1138 Tore.

Zum THW kam Lövgren 1999 nach einem verkorksten Jahr beim TV Niederwürzbach. "Beim Angebot des THW konnte ich nicht nein sagen. Ich habe den Wechsel nie bereut", sagt der passionierte Golfer, der nach zehn Jahren in Kiel im kommenden Sommer nach Schweden zurückkehrt. In Uddevalla nördlich von Göteborg wird Lövgren an einer Schule als Nachwuchstrainer arbeiten.

Von schweren Verletzungen verschont

Doch bevor es soweit ist, will Lövgren mit dem THW noch einmal auf Titeljagd gehen. Seine siebte Meisterschaft hat er fest im Visier und auch in der Königsklasse stehen die Chancen auf Platz eins durchaus gut. Das Verblüffende: Stefan Lövgren ist trotz seiner 37 Jahre und der Terminhatz der Handballer immer noch die Leitfigur des THW Kiel. "Man merkt ihm sein Alter nicht an", urteilte jüngst sein Trainer Alfred Gislasson. So erzielte der Rückraumspieler am 4. Spieltag unglaubliche 18 Tore im Spiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen.

Von schweren Verletzungen blieb Lövgren in seiner Karriere verschont. "Man muss viel und hart trainieren und auch mal auf seinen Körper hören", so Lövgren, der "vor allem den Alltag in der Bundesliga und das Einlaufen in der heimischen Halle" vermissen wird.

Menschlich eine Ausnahmerscheinung

Was zeichnet den Handballer Lövgren aus? Der Schnellste war er noch nie, auch seine Wurfkraft liegt nicht über dem Durchschnitt. Aber seine Übersicht, seine Fähigkeit, binnen Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen, machen ihn immer noch zu einem der besten Spieler weltweit. Der THW Kiel wird es schwer haben, einen derart kompletten Aufbauspieler zu ersetzen.

Hinzu kommt, dass Lövgren auch menschlich eine Ausnahmeerscheinung ist. Nicht umsonst sieht ihn sein Mannschaftskollege Nikola Karabatic, immerhin Welthandballer 2007, als sein Vorbild an. Lövgren gilt im internationalen Starensemble des THW als derjenige, der seine Mitspieler durch seine bloße Anwesenheit motivieren kann wie kein Zweiter. Neue Spieler integriert er durch seine zuvorkommende und verbindliche Art scheinbar mühelos. Auch Pressevertretern gegenüber zeigt der Spitzensportler keinerlei Starallüren. Es gibt wohl keinen beliebteren Spieler in der Bundesliga. Egal ob bei Schiedsrichtern, Spielern oder Fans - sogar bei einigen aus Flensburg.

Stand: 19.12.2008, 08:00

 

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