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18.03.2010 | 13.21 Uhr

Bundesliga

In Nordbaden sitzt das neue Schwergewicht der Bundesliga

Die Titel-Jagd der Handball-Löwen beginnt

Von Jens Mickler

Wer den Alltag der Rhein-Neckar Löwen erleben will, der passiert erst einmal eine nordbadische Kleinstadtidylle. Kronau, 6.000 Einwohnerstädtchen, nur wenige Kilometer von der A5 Frankfurt - Karlsruhe entfernt. Am Ortseingang wehen schon die Fahnen eines Supermarktes, dann geht es weiter auf der Hauptstraße durch das Städchen mit Kirche, Bäckerei links, Volksbank rechts und der Metzgerei mit dem schönen Namen "Kerle" hinter der nächsten Kurve.

Blick in das Trainingszentrum in Kronau; Rechte: ARD/Mickler Lupe groß

Blick in das Trainingszentrum in Kronau

Erst am Ortsrand wird es außergewöhnlich. Dort hinter dem Schulzentrum glitzern die Aluminium-Fassaden eines großen kastenförmigen Gebäudes in der Sonne. Was aussieht, wie eine moderne Fabrikhalle, ist das neue Trainingszentrum der Rhein-Neckar Löwen, das vor knapp einem Jahr eingeweiht wurde. Die helle Holzvertäfelung innen, der Hallenboden, die Geländer - alles glänzt noch, als wäre es gestern gewesen. Direkt nebenan entsteht ein weiterer Neubau: das künftige Handball-Internat des Klubs. Finanziert werden die Projekte jeweils mit den Millionen der Stiftung von SAP-Gründer Dietmar Hopp, der auch Fußball-Zweitligist TSG Hoffenheim und Eishockey-Bundesligist Adler Mannheim fördert.

Perfekte Bedingungen

Die Spieler sind begeistert von ihrem Trainingspalast, der in der oberen Etage noch einen Kraftraum sowie einen Videoraum beherbergt. "Wenn man die Sporthalle hier sieht, sind das hier perfekte Bedingungen. Das Drumherum wird uns sehr leicht gemacht, jetzt liegt es an uns Spielern, was wir daraus machen", sagt Torwart Henning Fritz, einer der Helden des Handball-Wintermärchens, der zur neuen Saison mit Christian Schwarzer und Oliver Roggisch nach Nordbaden wechselte.

Nicht die echten Handball-Fans

Weltmeister Oliver Roggisch; Rechte: ARD/Mickler Lupe groß

Oliver Roggisch vor der Arena

Die Weltmeister sind die neuen Zugpferde des Klubs, der am Mittwoch (29.08.07) mit dem Gastspiel beim VfL Gummersbach in die neue Saison startet. Das WM-Trio soll die Löwen nicht nur sportlich nach vorne bringen, sondern auch die Halle füllen. 14.000 Zuschauer fasst die SAP -Arena in Mannheim, seit vergangener Saison Heimspielstätte der Rhein-Neckar Löwen, rund 40 Kilometer von Kronau und Östringen entfernt. Bei 8.350 Zuschauern lag der Schnitt in der vergangenen Saison. In diesem Jahr werden 9.500 angepeilt. Defensivspezialist Oliver Roggisch sieht das als Herausforderung. "Man hat in Mannheim nicht, wie in anderen Städten diesen echten Handball-Fans, der zu jedem Heimspiel kommt. Hier sind oft viele Handball-Touristen, die sich mal ein Spiel anschauen wollen. Nächstes Mal sind es wieder andere Leute", sagt Roggisch.

Die Weltmeister im Mittelpunkt

Dass die Weltmeister nun bei den Rhein-Neckar Löwen einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen, haben die Mitspieler längst akzeptiert. "Kein Schwarzer, kein Fritz, kein Roggisch", teilt Michael Haaß, immerhin auch Nationalspieler, abwehrend-schmunzelnd mit als er beim Verlassen der Kabine die beiden wartenden Journalisten passiert.

Um die neuen Ziele zu erreichen wurde noch nie soviel in die Löwen investiert wie vor dieser Saison. Der Etat liegt bei 5,7 Millionen und damit nur geringfügig hinter dem der Branchengrößen wie THW Kiel und HSV Hamburg. Die Geschäftsstelle zog von Östringen in neue Räume nach Mannheim um und wurde um drei hauptamtliche Mitarbeiter erweitert. In Thorsten Storm wechselte zudem ein namhafter Manager von der SG Flensburg-Handewitt nach Mannheim. Storms Masterplan sieht vor, dass die Rhein-Neckar Löwen in drei Jahren um die Deutsche Meisterschaft mitspielen und zur europäischen Spitze aufschließen.

Einen von drei Titeln

In dieser Saison dürfen Fritz, Schwarzer und Co. Titel holen, müssen sie aber nicht. Noch benötigt die Mannschaft Zeit, meint WM-Held Henning Fritz. "Wir sind eine neu zusammengewürfelte Mannschaft und wissen noch gar nicht, wo unsere Leistungskraft ist", erklärt Fritz. Auch Christian Schwarzer setzt auf den Faktor Zeit, ein Titel darf es aber schon sein. "In der Bundesliga muss man schauen, dass man 34 Spieltage konstant gute Leistungen bringt, da ist die Frage, ob wir schon soweit sind. Aber ich sehe unsere Chancen sehr gut im DHB -Pokal und im Europapokal der Pokalsieger. Einen dieser drei Titel wollen wir holen."

Die Alten müssen schlucken

Mannschaftsbetreuer Conrad Hoffmann; Rechte: ARD/Mickler

Conrad Hoffmann in der Wäschekammer

Titel hin, Titel her. Nicht überall wird der Weg begrüßt, den die Rhein-Neckar Löwen einschlagen. In der Wäschekammer des neuen Trainingszentrums in Kronau arbeitet Conrad Hoffmann. Seit 26 Jahren betreut er die Mannschafts, lange Jahre davon beim TSV Östringen, neben der TSG Kronau der Stammverein. Der fortschreitende Umzug nach Mannheim und die Tilgung der Namen Östringen und Kronau aus dem Vereinsnamen seit dieser Spielzeit, macht den alten TSGern und TSVern zu schaffen. "Die haben schwer zu schlucken", sagt Conrad Hoffmann. Die WM-Helden Roggisch, Fritz und Schwarzer treten nun auch an, um diese Fans wieder zu gewinnen. Vielleicht wäre das genauso viel Wert wie der eine oder andere Titel.

Stand: 29.08.2007, 08:00

 

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