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23.02.2012 | 03.01 Uhr

Bundesliga

Marko Marins Karriere steckt fest

Viele Haken, kein Halt

Von Frank Hellmann

Die Karriere von Marko Marin steckt fest. Einst als der dribbelnde Erlöser des deutschen Fußballs gefeiert, kommt der 22-Jährige beim SV Werder Bremen nicht voran. Und daran sind nicht nur die Verletzungen schuld. Für den Irrwisch gibt es im System der Norddeutschen vor dem Spiel am Samstag (28.01.12/15.30 Uhr) zu Hause gegen Bayer Leverkusen nicht die passende Position. Ein Wechsel scheint bald nicht mehr ausgeschlossen.

Marko Marin; Rechte: dpa Marko Marins Karriere steckt fest.

Wer bei trübem Winterwetter in der norddeutschen Tiefebene einsam seine Runden dreht, ist gut beraten, sich entsprechend zu kleiden. Bei den Profis des SV Werder, die nicht am Trainingsbetrieb mit der Mannschaft teilnehmen, sondern auf dem weitläufigen Areal am Osterdeich sich im Trimmtrab verdingen, sind deshalb wärmende Wollmützen ein gerne gefragtes Utensil. Auch bei Marko Marin. Denn mehr als Lauftraining ist dieser Tage wegen seiner Leistenproblemen für den 22-Jährigen nicht möglich. Zu Wochenbeginn hat er deshalb einen Spezialisten in Berlin konsultiert. Heraus kam, "dass ich nicht operiert werden muss und schon bald wieder mit der Mannschaft trainieren kann", berichtete Marin. Aber selbst wenn er wirklich gesund wäre, hätte er kaum Chancen auf einen Stammplatz für das Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen (Samstag 15.30 Uhr).

Unerschütterlicher Optimismus

Der nur 1,69 Meter große Offensivmann, der am liebsten Lionel Messi spielen sieht, galt vor zweieinhalb Jahren noch als dribbelnder Erlöser des deutschen Fußballs – mittlerweile taugt er nicht mal mehr als Bundesliga-Stammkraft. Die EM-Teilnahme ist für den 16-fachen Nationalspieler so weit weg wie Marin mit seiner Einschätzung, wo denn Bremen am Saisonende landen würde. Auf Platz eins, schrieb er ins Werder-Saisonheft. Dieser unerschütterliche Optimismus zeichnet Marin aus. Weil er erst kurz vor Silvester wieder mit Bundestrainer Joachim Löw telefonierte, erneuerte der Techniker im Trainingslager im türkischen Belek in einer Fragerunde seine EM-Ambitionen: "Es liegt an mir, wie erfolgreich ich jetzt die Rückrunde spiele. Wenn man nicht gut spielt, verringern sich die Chancen." Und wenn man gar nicht spielt, gehen sie gegen Null.

Systemfrage

Denn: Nach allen Eindrücken der Vorbereitung plant Schaaf auf der Spielmacherposition statt wie in der Vorrunde mit Marin nun mit Fünf-Millionen-Einkauf Mehmet Ekici. Der Bonus der aktuellen Nummer zehn scheint aufgebraucht. Zu oft blieb Marin hängen und dann stehen, schlug ziellose Pässe oder zeigte sinnlose Tricks. Von elf Einsätzen absolvierte er nur zwei über die volle Distanz; kein Tor und drei Torvorlagen sind für einen filigranen Feingeist seiner Qualität viel zu wenig. Bei der Ursachenforschung, was mit dem Haken schlagenden Irrwisch, der jedem Gegner eigentlich Knoten in die Beine spielen kann, schiefläuft, stellt sich unweigerlich die Systemfrage.

Denn für Schaaf ist ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute quasi in Stein gemeißelt. Und der Chefcoach sieht Marin weder als klassischen Stürmer noch als adäquate Option für die Halbpositionen. Ergo bleibt nur die Rolle als Regisseur. Doch das ist deutlich erkennbar nicht seine Position, und zu Jahresanfang hat der im Alter von zwei Jahren mit den Eltern aus Bosanska Gradika im heutigen Bosnien-Herzegowina nach Frankfurt geflüchtete Fußballer das auch klar artikuliert. "Jeder weiß, dass ich Außenstürmer war, als ich nach Bremen kam. Ich will jetzt nicht dem Trainer ins System reinreden, auch wenn klar ist, dass ich meine besten Spiele auf einer anderen Position gemacht habe."

In Südafrika deutete sich der Formverfall an

Thomas Schaaf; Rechte: dpa Lupe groß

Thomas Schaaf

In der Tat: Kaum hatten die Hanseaten die Rekordablöse von 8,2 Millionen Euro im Sommer 2009 an Borussia Mönchengladbach gezahlt, änderte Schaaf fast für eine halbes Jahr seine Grundformation in ein 4-2-3-1: Marin spielte mit Mesut Özil und Aaron Hunt auf einer Linie, stieß über die rechte und linke Flanke vor und zeigte teils überragende Leistungen. Schaaf insistierte damals: "Es wäre fatal, wenn man seine Qualität nicht nutzen würde." Marin erschien als neue Attraktion im Weserstadion – ohne Einschränkungen sicherte er sich auch das Ticket zur WM 2010.

Doch was sich in Südafrika bei einem unglücklichen Teilzeiteinsatz beim 0:1 gegen Serbien andeutete, setzte sich nach dem Turnier an der Weser fort: wenig Effektivität, kaum Erfolg. Max Eberl, der Gladbacher Sportchef, erklärt, dass ein Spieler mit Marins Qualitäten "seine Ziele immer wieder verfolgen muss – die Bestätigung guter Leistungen macht einen Spitzenspieler aus." Klaus Allofs, der Bremer Vorstandschef, mag den Stab nicht brechen: "Marko hatte zuletzt viele Verletzungen und muss seinen Rhythmus finden. Und er hat schon bewiesen, dass er nicht nur auf der Linie spielen kann."

Wechsel ein Thema

Interessant, dass die offensive Allzweckwaffe immer dort als Gerücht umherschwirrt, wo er im Europapokal teils furiose Szenen hatte: in Italien oder England. Zuletzt hieß es, Inter Mailand und Tottenham Hotspurs, frühere Werder-Gegner in der Champions League, hätten Interesse. Marins Berater Fali Ramadani dementierte jeweils umgehend. Und auch der Spieler stellte klar: "Ich habe momentan nicht vor zu wechseln." Ganz ausgeschlossen werden kann ein Weggang in dieser Transferperiode nicht; bei verlockenden Angeboten ist sein Arbeitgeber aufgrund des notwendigen Sparkurses im Grunde immer gesprächsbereit. Und klar ist auch: Geht es mit Marin in der Rückrunde nicht voran, wird ein Wechsel im Sommer automatisch ein Thema, da sein Arbeitspapier ohnehin 2013 ausläuft und 2012 letztmals Ablöse zu erzielen ist.

Stand: 27.01.2012, 08:10

 

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