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23.02.2012 | 03.05 Uhr

Bundesliga

Schalke 04 und Werder Bremen im Vergleich

Das Geheimnis, ein Spitzenteam zu sein

Von Jörg Strohschein

Während der FC Schalke 04 seine spielerische Balance gefunden hat, ist Werder Bremen vor allem auswärts auf der Suche nach einem variablen Spielkonzept. Eine Analyse.

Schalke-Spieler jubeln (l.), Werder-Profis trauern. ; Rechte: dpa Schalke-Spieler jubeln (l.), Werder-Profis trauern.

Klaas-Jan Huntelaar hatte einen grimmigen Blick aufgesetzt und wirkte noch immer ziemlich verärgert. "Ich wollte nicht ausgewechselt werden. Ich wollte noch ein Tor schießen", sagte der Angreifer des FC Schalke 04, obwohl er bereits einen Treffer zum spektakulären 5:0 über Werden Bremen beigetragen hatte. Diese Reaktion sagte viel aus über die derzeitige Verfassung seiner Mannschaft.

Die Spieler der Königsblauen befinden sich derzeit in einer Hochphase, es scheint ihnen so gut wie alles gelingen zu wollen. Da ist es offenbar nur schwer zu akzeptieren, nicht bis zum Abpfiff Teil der Gemeinschaft zu sein. Werder Bremen musste ertragen, wie die Schalker sie mit ihrer Spielfreude und ihrem Engagement geradezu überrollten. "Das war eine indiskutable Leistung von uns", räumte Werder-Trainer Thomas Schaaf ein.

Die Schalker haben sich mit diesem Erfolg in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert. Und das Geheimnis ihres Erfolges liegt in der Ordnung auf dem Platz, die sich seit der Verpflichtung von Trainer Huub Stevens deutlich verbessert hat. Sorgte die Mannschaft unter dem wegen eines Burnouts zurückgetretenen Ralf Rangnick noch für ein unübersichtliches, beinahe anarchisches Spektakel mit vielen Toren auf beiden Seiten, hat sich unter Stevens eine nüchterne Sachlichkeit eingestellt.

Sämtliche Spieler sind darin zur intensiven Defensivarbeit angehalten, aber es gibt auch genügend Freiraum für offensive Freigeister wie den dreifachen Torschützen Raúl oder Huntelaar. Die Schalker verfügen hinter dem FC Bayern über den zweitbesten Angriff der Liga (38 Tore).

Hinten kompakt, vorne treffsicher

"Wir stehen sehr kompakt in der Defensive und sind in der Lage, einen Treffer mehr zu schießen als der Gegner", nennt Verteidiger Christian Fuchs die Gründe für den Aufwärtstrend, der auch mit Zahlen zu belegen ist. Seit Stevens verantwortlich ist, hat sich die Balance zwischen Offensivkraft und Abwehrarbeit auf ein gesundes Maß eingependelt. In elf Partien hat Stevens' Mannschaft im Durchschnitt zwei Treffer erzielt und 0,9 Gegentreffer hinnehmen müssen. In den sechs Partien unter Rangnick (3 Siege, 3 Niederlagen) hatten die Königsblauen zwar durchschnittlich 2,5 Treffer erzielt, allerdings auch rechnerisch zwei Treffer pro Partie hinnehmen müssen.

"Er hat verstanden seiner Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken", sagt Schalkes Manager Horst Heldt über den Holländer. "Und er hat Jermaine Jones integriert, der seine Sache ausgezeichnet macht." Jones ist eine Art Schlüsselspieler der Schalker, der als defensiver von zumeist zwei Sechsern nicht nur Balleroberer im Mittelfeld ist. Zudem verkörpert er eine Art kämpferische Versicherung für seine Vorderleute. Nicht allein die Bremer hatten Jones' oft kompromisslosen Zweikampfverhalten nichts entgegenzusetzen.

Diese erhöhte Stabilität im Schalker Spiel nutzen die mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten ausgestatteten Angreifer Huntelaar (14 Tore) und Raúl (9) in großer Regelmäßigkeit und wie gegen Werder zuweilen mit spektakulären Treffern. Acht Siege, ein Remis und nur zwei Niederlagen sind die bisherige Bilanz unter Stevens.

Imitation einer Spitzenmannschaft

Die Bremer dagegen sind vor allem in Auswärtspartien eine Imitation einer Spitzenmannschaft. In den vergangenen drei Auswärtspartien hat Werder ein Torverhältnis von 1:14 aufzuweisen. Der Tabellenfünfte hat gegen die vier Teams im Tableau vor sich (FC Bayern, Borussia Dortmund, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach) jeweils verloren. "Für die Top-Mannschaften sind wir nicht gut genug. Der Unterschied zwischen Heim-und Auswärtsspielen ist einfach zu groß", mäkelt Manager Klaus Allofs.

Die Bremer wollen auch auf fremden Plätzen - wie auch auf Schalke - so spielerisch dominant und offensiv-freudig auftreten, wie sie das auch im Weserstadion oft zeigen. Doch anders als in den Vorjahren fehlt ihnen dafür die nötige Ball- und Passsicherheit, die sie einst mit Spielern wie Johan Micoud, Diego oder Torsten Frings ausgezeichnet hatte. Und gelingt ihr Vorhaben nicht, gibt es offenbar kein defensives Alternativsystem - und die Mannschaft läuft gegen konterstarke Gegner, wie es die Schalker und die restlichen Topteams der Liga allesamt sind, geradezu wehrlos in ihr Verderben.

Abhängigkeit von Pizarro

Thomas Schaaf; Rechte: dpa Lupe groß

Werder-Trainer Thomas Schaaf

Zudem macht den Bremern die Abhängigkeit von Angreifer Claudio Pizarro zu schaffen. Die Schalker hatten kaum Mühe, das zumeist durch die Mitte initiierte Bremer Aufbauspiel zu neutralisieren und den Peruaner aus der Gefahrenzone fernzuhalten. Auch wirkten die Außenverteidiger Lukas Schmitz und Sebastian Prödl gegen die Schalker Offensivkraft überfordert. Ohnehin ist die Defensive das größte Problemfeld der Hanseaten. 34 Gegentreffer bedeuten nach 17 Spielen die viertschlechteste Abwehr der Bundesliga. Ein Umstand, der keine Spitzenposition zulässt.

"Uns hat bisher keiner auf der Rechnung, das kann auch so bleiben", sagte Horst Heldt lächelnd. Beim Schalker Manager können solche Sätze als charmante Koketterie eingestuft werden. Denn die Königsblauen dürften mit ihrer soliden, mit Überraschungseffekten gepaarten Spielweise bis zum Saisonende der Spitzengruppe angehören. Die Bremer würden solch einen Satz zurzeit dagegen mit sehr ernster Miene sagen.

Stand: 18.12.2011, 13:05

 

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