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06.09.2010 | 03.42 Uhr

Bundesliga

Aufsteiger Reus hat keine Angst vor der zweiten Saison

"Einfach keinen Kopf machen"

Von Christian Hornung

"Für den Marco wird es natürlich schwerer. Jetzt kennen ihn alle." Das sagt Gladbach-Trainer Michael Frontzeck über Marco Reus, seinen großen Aufsteiger der Vorsaison. Der Dribbelkünstler selbst sieht dem Stress gelassen entgegen.

Marco Reus; Rechte: dpa Tor gegen Bayern - so wurde Marco Reus in Gladbach zum Fan-Liebling.

Er hätte sich nicht gewählt, zumindest nicht in die Top-Drei. Doch die Profis der Spielergewerkschaft VDV entschieden sich anders. Sie kürten Marco Reus, 21, zum zweitbesten Aufsteiger hinter WM-Torschützenkönig Thomas Müller. Vor Toni Kroos, vor Holger Badstuber. "Die hätte ich vor mich gesetzt", gibt Reus zu. "Aber macht nichts, ich fühle mich sehr geehrt, eine große Auszeichnung." Lob bekam der Offensivallrounder in der vergangenen Saison des öfteren zu hören. In einer mittelmäßigen Mannschaft ragte er mit seinem frechen, unerschrockenen Sturm-und-Drang-Fußball heraus. Auf Anhieb wurde er gemeinsam mit seinem Abwehr-Kollegen Roel Brouwers bester Borussen-Torschütze, traf achtmal. Das schafften seine Stürmerkollegen Rob Friend, Raul Bobadilla oder Karim Matmour gerademal zu dritt.

Wettschießen auf den Presse-Container

Und es waren nicht irgendwelche Tore. Reus traf in Köln, Reus traf gegen die Bayern, besser geht es nicht, um in Mönchengladbach Publikumsliebling zu werden. Aber kann er das bestätigen? Wird der Druck in seiner zweiten Bundesliga-Saison nicht zu groß? "Ich mach mir da keinen Kopf", erklärt er im Gespräch mit sportschau.de. "Ich trainiere einfach weiter hart und gebe Vollgas. Warum soll es schwerer werden? Ich lerne doch auch dazu." So wie er spricht, so spielt er auch. Unbekümmert, unbeeindruckt. Er zaubert gern mit dem Ball, fordert im Training ständig die Kollegen zum Wett-Tricksen heraus. Mit Roman Neustädter schnibbelt er sich die Kugel mit der Hacke zu, Bodenberührung verboten. Mit Raul Bobadilla visiert er nach den Einheiten manchmal die offenen Fenster im Presse-Container über dem Trainingsplatz an. Fast immer gewinnt Reus.

Debüt gegen Dänemark?

Die Gladbacher Fans fürchten schon, dass auch er bald den Weg gehen wird, den zuletzt die Top-Talente Marcell Jansen oder Marko Marin gingen. Zu anderen, finanzstärkeren Klubs. Doch auch darauf angesprochen, strahlt Reus Gelassenheit aus: "Ich bin in Gladbach wunschlos glücklich. Warum soll ich woanders hingehen?" Vielleicht denkt er anders darüber, wenn sein Marktwert demnächst durch das Attribut "A-Nationalspieler" steigt. Fast wäre das vor der Weltmeisterschaft schon der Fall gewesen, als Joachim Löw ihn ins Aufgebot gegen Malta berief. Doch im letzten Bundesligaspiel gegen Leverkusen zog sich Reus eine Zerrung zu und musste schweren Herzens absagen. "Das war unendlich bitter, ich hatte mich so gefreut", sagt er. "Aber natürlich bleibt es mein Ziel, das jetzt in der kommenden Saison zu schaffen."

Spaß beim Zugucken

Die WM hat seine Lust darauf noch vergrößert. Verfolgt hat er die Spiele wie viele seiner Landsleute. "Wir haben mit meinen Borussen-Kumpels Roman Neustädter und Tony Jantschke auf dem Balkon den Grill angeworfen", erzählt Reus. "Es hat Spaß gemacht, unseren Jungs in Südafrika zuzugucken. Wäre schon klasse, wenn ich da mal dabei sein könnte." Gut möglich, dass das sogar unmittelbar bevorsteht. Am 11. August spielt Deutschland in Kopenhagen das in der Liga so heftig diskutierte Test-Länderspiel gegen Dänemark. Löw wird möglicherweise die Stammspieler seiner WM-Mannschaft noch schonen, weil sie erst spät ins Training eingestiegen sind. Reus gehört mit den Dortmundern Mats Hummels und Kevin Großkreutz sowie dem Schalker Benedikt Höwedes zu den ersten Nachrückkandidaten. Aber auch, wenn das nicht klappt, hat er sich für die kommenden Saison viel vorgenommen. "Wir wollen nicht mehr so viele Punkte unnötig vergeben wie in der Vorsaison", sagt er. "Und wir wollen nach einer Balleroberung viel schneller in die Spitze spielen und konsequenter abschließen." Klingt wie gemalt für einen Hochgeschwindigkeits-Dribbler wie Marco Reus.

Stand: 29.07.2010, 08:00

 

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