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02.09.2010 | 18.38 Uhr

Champions League

Nach dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League

Der FC Bayern - cooler als cool

Von Tom Mustroph

Der FC Bayern ist wieder auf dem besten Weg zur alten Arroganz. Zweimal waren sie am Dienstag (09.03.10) virtuell schon aus der Champions League ausgeschieden. 2:0 und 3:1 führte der AC Florenz im Achtelfinal-Rückspiel - unter eisigen Bedingungen.

Arjen Robben feiert nach dem Spiel; Rechte: AFP Arjen Robben feiert nach dem Spiel.

Doch als noch kälter als der eisige Wind im Stadion Artemio Franchi präsentierten sich die Bayernspieler. Zumindest nach getaner Arbeit. Wirkten sie auf dem Platz noch sehr verfroren und von einer soliden Leistung auch aufgrund der Witterungsbedingungen weit entfernt, so strotzten sie in der Mixed Zone vor Selbstbewusstsein. "Florenz hat gut gespielt, selbst wenn man bedenkt, dass ihnen die Bedingungen geholfen haben", gab gnädig Mittelfeldspieler Thomas Müller bekannt.

Van Bommel ohne Zweifel

Sein Kapitän Mark van Bommel ging noch einen Schritt weiter. "Ich habe nie geglaubt, dass wir hier ausscheiden werden", meinte der Niederländer. Was man bei den beiden Anschlusstreffern von ihm und Arjen Robben von der Tribüne aus für Glück, Zufall und natürlich auch die notwendige Portion Schusstechnik und Entschlossenheit halten konnte, war in van Bommels Augen nichts als ein normales und auch erwartbares Stück Arbeit. "Wir hatten eine gute Ausgangsposition. Durch das 2:1 im Hinspiel musste Florenz zwei Tore vorlegen. Deshalb war nach dem 2:0 noch gar nichts vorbei", belehrte er Journalisten, die davon sprachen, dass die Bayern zwei Mal bereits klinisch tot waren. Bei einem 1:1 als Vorleistung wäre dies anders gewesen. "Da hätten sie den Strafraum zugestellt und wir wären zu keiner Schussgelegenheit gekommen", wies van Bommel auf die Grundlage seines Urvertrauens fürs Weiterkommen hin.

Alte Herrlichkeit ohne Brillianz

Ob dieses Vertrauen tatsächlich vorhanden war oder ob der robuste Niederländer nur nachträglich eine Show für die Mikrofone ablieferte, ist unerheblich. Fakt ist, dass die Bayern sich wieder jener alten Herrlichkeit von genau ausreichenden Minimalerfolgen nähern. Die zeichnet sich nicht unbedingt durch spielerische Brillianz aus, sie führt in der Endabrechnung aber dazu, dass die Roten aus München stets oben stehen. Momentan jedenfalls scheint wieder alles möglich.

Ribéry glaubt an die Mannschaft

Louis van Gaal und Thomas Müller; Rechte: ap Lupe groß

Pures Selbstvertrauen: Louis van Gaal

"Wir können mit dieser Mannschaft noch viel erreichen", prognostizierte Franck Ribéry. Der Franzose machte nach dem Spiel den Eindruck, es noch länger in München aushalten zu wollen. Er sieht die Aussichten auf internationale Titel gewachsen. Dass noch nicht alle Konkurrenten das optimistische Selbstbild der Bayern teilen, zeigte der Trainer des AC Florenz. Die Voraussage van Gaals, dass seine Bayern mindestens ein Tor erzielen werden, hatte Cesare Prandelli mit der spitzen Bemerkung "glücklich ist der, der so etwas schon vorher weiß" abgewehrt.

Van Gaal färbt ab

Die Ereignisse freilich gaben dem von Selbstzweifeln unberührten van Gaal recht. Sein Charakter beginnt auf die Spieler abzufärben und sich mit dem alten Überlegenheitsgefühl an der Säbener Straße zu einer neuen, imposanten mentalen Panzerung zu verbinden. Dass nach oben noch Luft ist, konnte man aber darin bemerken, dass sich Spieler und Managment mit der eher nicht eingeplanten Niederlage geräuschlos anfreunden konnten. "Wir können damit leben, dass wir verloren haben", sagte Manager Christian Nerlinger. "Unser Ziel war es, ins Viertelfinale zu kommen - das haben wir geschafft", meinte genügsam Philipp Lahm.

Erst wenn sich die Bayern es wieder leisten, sich auch über Niederlagen zu ärgern, sind sie wieder auf dem Niveau der erfolgreichen Hitzfeld-Jahre. Momentan muss die verbale Muskel-Show noch die Mängel in der Innenverteidigung und beim Spielaufbau verdecken. Arroganz war schon immer eine Waffe.

Stand: 10.03.2010, 09:11

 

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