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15.03.2010 | 09.36 Uhr

Nationalmannschaft

DFB-Spitzen wollen wieder an einem Strang ziehen

Nur die WM zählt

Friedensgipfel in Frankfurt, der Machtkampf beim Deutschen Fußball-Bund ist zu den Akten gelegt. DFB-Präsident Theo Zwanziger auf der einen sowie Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff auf der anderen Seite haben ihren Streit offiziell für beendet erklärt und wollen für den Erfolg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Zukunft wieder an einem Strang ziehen.

"Wir haben eine gemeinsame Linie gefunden bis zur WM. Alle diese Dinge dürfen uns nicht bis zur WM begleiten. Wir sind uns alle einig, dass unser gesamtes Interesse der Vorbereitung auf die WM ausgerichtet sein soll. Es wird keine Zugabe geben", erklärte Joachim Löw. "Es gab gute Gespräche mit dem Präsidenten. Man konnte nicht mehr von Eiszeit reden. Wir sollten jetzt die Debatten unbedingt beenden", fügte Teammanager Oliver Bierhoff an.

DFB-Präsident Theo Zwanziger setzt auch in Zukunft voll auf den Bundestrainer Joachim Löw: "Der Erfolg dieser Mannschaft ist nur mit dem Trainer machbar. Die Mannschaft braucht diesen Trainer. Die Vergangenheit war ausgezeichnet. Viele haben ein vertrauensvolles, vielfach auch ein freundschaftliches Verhältnis. Das ist belastet gewesen in den letzten 14 Tagen, weil es Meinungsverschiedenheiten gegeben hat."

Verhältnis beschädigt

Zwanziger räumte aber immerhin ein, dass das freundschaftliche Verhältnis gelitten habe. "Wir sind alle nur Menschen. Nach den Vorkommnissen der vergangenen Tage kann morgen nicht wieder alles so wie gestern sein. Die Vergangenheit war ausgezeichnet, aber dieses gute Verhältnis ist in den vergangenen Tagen beschädigt worden. Die Balance war in Unordnug geraten, das Vertrauenverhältnis war angekratzt. Nun müssen wir an dem Vertrauenverhältnis arbeiten", sagte der Verbandschef und kündigte an: "Ich werden meinen Teil dazu beitragen."

Dies versprachen auch Löw und vor allem Bierhoff, der wegen seiner Verhandlungsführung stark in die Kritik und vor allem beim Präsidenten in Ungnade gefallen war. "Ich bedauere es sehr, dass es zu so einer Situation gekommen ist. Mir ist deutlich geworden, dass die Art und Weise unserer Präsentation beim Präsidenten und auch beim Generalsekretär der falsche Weg war. Ich habe mich vor allem bei Dr. Zwanziger entschuldigt, dass ich seine Gefühle verletzt habe, das tut mir leid. Aber nach den Gesprächen mit Dr. Zwanziger und Wolfgang Niersbach bin ich mir sicher, dass wir wieder harmonisch zusammenarbeiten können", sagte der frühere DFB-Kapitän. Bierhoff verwies aber auch noch einmal darauf, dass die in die Öffentlichkeit kolportierten Forderungen vor allem hinsichtlich seiner Person "nicht korrekt dargestellt worden sind und teilweise sogar ganz falsch sind".

Niersbach selbstkritisch

Eine Mitschuld am Chaos der vergangenen Tage gab sich auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. "Keine Frage, wir hatten Stress. Ich kreide mir an, dass ich es versäumt habe, nach dem 14. Januar den Weg der Kommunikation zu suchen. Das Ganze hat sich dann so entwickelt wir es alle nicht wollten", sagte der frühere Pressesprecher und meinte selbstironisch: "Was waren wir für Hornochsen, dass wir eine solche Diskussion in der Öffentlichkeit zugelassen haben." Für den DFB-General ist nach dem reinigendem Gewitter aber auch klar: "Deckel drauf, die Chose ist vorbei."

Lanze für Löw

Zwanziger brach zudem eine Lanze für Löw, über dessen Vertragsverlängerung trotz aller Wertschätzung aber, wie Ende vergangener Woche beschlossen, erst nach der WM verhandelt werde. "Dieser Erfolg bei der WM, so schwer er auch wird, ist nur mit diesem Trainer zu machen. Präsident, Generalsekretär und Manager sind austauschbar, der Trainer aber nicht." Der Präsident, der eigene Fehler eingestand und vor allem das 48-Stunden-Ultimatum vergangene Woche an Löw im Nachhinein als "sehr unglücklich" bezeichnete, will Löw und sein Team Richtung WM nun weiter vorbehaltlos unterstützen. "Das sind wir Millionen deutschen Fans schuldig. Darüber müssen Meinungsverschiedenheiten über Vertragsfragen zurückstehen." Darüberhinaus betonte Zwanziger, dass es nie seine Absicht war, Löw und auch Bierhoff gegenüber respektlos zu sein.

Die Distanz zu Bierhoff, den Zwanziger beim DFB installiert hatte, war aber trotz aller Annährung nach wie vor spürbar. "Ich habe ihn immer gewollt, auch in dieser Position gewollt. Wir brauchten auf dieser Basis früher nie Gespräche. Als ich dann sah, was auf uns zukommt, war ich erschrocken." Löw machte noch einmal deutlich, dass er auch in Zukunft mit Bierhoff zusammenarbeiten wolle. Klar sei aber, dass man erst nach dem Turnier in Südafrika über die Zukunft reden werde. Zugleich versicherte er: "Für mich ist es kein Problem, ohne einen neuen Vertrag in die WM zu gehen. Ich freue mich auf das Turnier und kann versprechen, dass unsere Mannschaft topvorbereitet zur WM fahren und dort eine gute Rolle spielen wird."

sid/dpa | Stand: 09.02.2010, 16:11

 

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