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International
Eröffnungsspiel nach dem Anschlag
Das Chaos beim Afrika-Cup geht weiter
Von Olaf Jansen
Trotz des Anschlags auf die togolesische Nationalmannschaft rollt beim Afrika-Cup der Ball. Die Abreise des Teams hat den Spielplan durcheinander gebracht. Doch Chaos gibt es an allen Ecken und Enden.
Angst um die Sicherheit in Luanda
Und plötzlich explodierten auch noch die Toiletten. Die Eröffnungsfeier im Stadion "11. November" lief noch, da versagte die Kanalisation der brandneuen Arena. Einem dumpfen Knall im Untergeschoss folgte ein fieser Gestank, und in allen Örtlichkeiten bahnte sich in einem unschönen Strahl tiefdunkles Abwasser durch Waschbecken und Toilettenkeramik den Weg in die Gänge. Wer sich in der Nähe aufhielt, bemühte sich um raschen Abstand, doch auch das war nicht ganz so einfach. Zwei der von den chinesischen Bauherren installierten Aufzüge der Arena versagten ebenso gerade ihren Dienst.
Mit heißer Nadel
Beim Afrika-Cup in Angola rollt endlich der Ball – doch so richtig reibungslos will auch jetzt noch nicht alles funktionieren. Man merkt an allen Ecken und Enden – die Veranstaltung in einem Land, in dem bis vor sieben Jahren noch ein heftiger Bürgerkrieg tobte, ist mit "heißer Nadel gestrickt". Während der über 25 Jahre währenden Kämpfe zwischen Militär und rebellischer Bevölkerung wurde Angolas komplette Infrastruktur zerstört. Straßen, Zugstrecken, Brücken, Wirtschaftsgebäude – alles war in Schutt und Asche gelegt.
Bauarbeiten bis kurz vor der Eröffnungsfeier
Da muss es sicherlich als äußerst optimistische Entscheidung des Afrikanischen Fußballverbandes CAF gewertet werden, sein größtes Sportereignis in ein Land zu vergeben, dass sich so gerade eben in den Anfängen des Wiederaufbaus befindet. Es ragen in der Hauptstadt Luanda zwar unzählige Baukräne in den Himmel und an allen Straßenecken rattern und rumpeln die Bagger und Mischmaschinen der hauptsächlich chinesischen Investoren – doch so ein Wiederaufbau braucht halt seine Zeit. Da kann es auch schon mal auf jede Minute ankommen.
Als sich die akkreditierten Journalisten vor dem Eröffnungsspiel jedenfalls durch den Mega-Stau der einzigen Stadion-Zufahrtsstraße gekämpft hatten und durchgeschwitzt endlich die Tore der Arena passieren wollten, mussten sie sich noch ein wenig gedulden. Am Presse-Zugang musste ein halbes Dutzend chinesischer Bauarbeiter mit Flex und Schubkarren erst noch wichtige Restarbeiten am Fußweg erledigen, bevor die Journaille passieren konnte. Das alles rund 70 Minuten vor Beginn der Eröffnungsfeier.
Gedenkminute für Anschlagsopfer aus Togo
Nein, es rollt noch nicht alles rund beim Afrika-Cup. Aber im Vergleich zu den beträchtlichen Sicherheitsmängeln, die der Cup bislang offenbarte, sind solcherlei Pannen in der Infrastruktur natürlich eher nebensächlich. Auch am Rande des Eröffnungsspiels, das mit seinem spektakulären sportlichen Geschehen beim 4:4 zwischen Angola und Mali letztlich sogar begeistern konnte, blieb der blutige Anschlag auf Togos Nationalteam natürlich beherrschendes Thema. Auch die Art und Weise, wie die Veranstalter nach wie vor mit diesem Fall umgehen. Nach Tagen, die von Informations-Chaos und gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt waren, hielten die Organisatoren vor dem Eröffnungsspiel zumindest eine Gedenkminute für die drei Todesopfer des Terroranschlags ab. Angolas Staatspräsident Josè Eduardo dos Santos drückte in seiner Eröffnungsrede das Mitgefühl der Angolaner für die Familien der Opfer aus, und CAF-Präsident Issa Hayatou beteuerte die Anteilnahme der afrikanischen Fußballfamilie.
Viele offenen Fragen
Was die Abreise der togoischen Nationalmannschaft aus Angola aber für das Turnier bedeutete, darüber wurden erneut keinerlei Angaben gemacht. Ist etwas dran an den Gerüchten, dass auch Ghana und die Elfenbeinküste ebenfalls mit einem Turnier-Boykott liebäugeln? Stimmt es, dass der Fußballweltverband FIFA, dessen Präsident Sepp Blatter sich im übrigen nicht in Angola blicken ließ, schweren Druck auf die Veranstalter ausübt und gegebenenfalls die Abstellungspflicht der europäischen Profis aussetzen will? Und was bedeutet Togos Absage letztlich für den Spielmodus? Von der CAF gab es zu solcherlei Fragen am Tag der Eröffnung keinerlei Antworten. Sie wären nach dem bisher erlebten Chaos der Veranstaltung allerdings auch eine echte Überraschung gewesen.
Stand: 11.01.2010, 08:30
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