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Wettskandal im Fußball
DFB und DFL bestreiten Versäumnisse
Mit einer Arbeitsgruppe wollen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Auswirkungen des Wettskandals im internationalen Fußball begegnen. Das Frühwarnsystem, das nach dem Hoyzer-Skandal 2005 eingerichtet worden sei, funktioniere, betonten DFB-Präsident Theo Zwanziger und Liga-Chef Christian Seifert.
"Ein Sportverband ist absolut überfordert, organisierte Kriminalität mit internationalem Charakter zu bekämpfen. Das kann man nur mit Unterstützung der Staatsanwaltschaft erreichen", sagte Zwanziger. Seifert ergänzte: "Kein Verband der Welt, kein Frühwarnsystem der Welt kann organisierte Kriminalität, die Spiele manipulieren will, zu 100 Prozent aufdecken." Sowohl der Verband als auch die Liga haben schriftlich bei der Oberstaatsanwaltschaft Bochum Akteneinsicht beantragt. Sowohl Seifert als auch Zwanziger sagten der ermittelnden Behörde ihre hundertprozentige Unterstützung zu. In neun europäischen Ländern stehen 200 Spiele unter Manipulationsverdacht, darunter auch 32 Begegnungen in Deutschland.
"Auffällige Partien gemeldet"
Das Frühwarnsystem hat beim neuen Wettskandal im europäischen Fußball offenbar in einigen Fällen funktioniert. "Wir haben in den letzten Monaten einige auffällige Partien gehabt", sagte Carsten Koerl von der zuständigen Firma Sportradar am Montag in Frankfurt/Main: "Einige der Spiele, die wir als auffällig markiert haben, sind Gegenstand der Ermittlungen." In Deutschland, wo nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft unter anderem vier Zweitliga-Spiele unter Manipulationsverdacht stehen, habe es dagegen keine Auffälligkeiten gegeben. Sportradar arbeitet im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mit über 300 Wettanbietern weltweit zusammen, um Unregelmäßigkeiten aufzudecken. DFB-Präsident Zwanziger warnte davor, Spieler, Offizielle oder Schiedsrichter vorzeitig zu verurteilen, bevor es eine klare Beweislage gebe.
Laut Zwanziger hat der DFB Ex-Nationalspieler Mario Basler im laufenden DFB-Pokal aufgefordert, nicht auf die Spiele seines Vereins Eintracht Trier zu wetten. Man habe mit dem früheren Profi von Werder Bremen und Bayern München Kontakt aufgenommen, damit es nicht zu Dingen komme, die gegen die Statuten des Verbandes verstießen. Trainer Basler, der in der Vergangenheit für einen Wettanbieter geworben hatte, hatte im Vorfeld eines Pokalspiels seines Clubs gesagt, er würde auf seine Mannschaft wetten. Die Sache sei im beiderseitigen Einvernehmen geklärt worden, sagte Zwanziger. Sie zeige aber auch, wie ernst der Verband mit der Problematik umgehe. Im Mustervertrag des DFB, der auch für die Regionalligen gilt, ist ein Wettverbot für Spieler und Trainer verankert.
UEFA bittet zum Rapport
Der europäische Fußball-Union UEFA hat unterdessen die in den Wettskandal verwickelten Nationalverbände zum Rapport bestellt: Am Mittwoch (25.11.09) treffen sich am UEFA-Sitz in Nyon neun Länder zu einem Krisentreffen, darunter Deutschland. Von 11.00 Uhr an wollen die Verbände über die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft sprechen. "Die UEFA wird uns neun Generalsekretäre am Mittwoch als Dachverband informieren, was ihr an Informationen vorliegt", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.
Auch die Politik will rasch nach Möglichkeiten zur Eindämmung des ausufernden Fußball-Wettmarkts suchen. "Das wird sicher ein Thema in einer Sitzung des Sportausschusses", sagte die designierte Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD). Besonders die Live-Wetten seien fragwürdig. "Die Manipulationsmöglichkeiten sind um ein Vielfaches höher, wenn man auf die nächste gelbe oder rote Karte wetten kann, da ist es sicher nicht so schwer, Verabredungen zu treffen. Das hat mit dem eigentlichen Sport nichts mehr zu tun, das ist völlig ausgeufert", sagte Freitag.
Neuer Skandal in Italien
Auch der italienische Fußball wird von einem Wettskandal erschüttert. Am Montagmorgen (23.11.09) nahm die italienische Polizei den Präsidenten des Fußball-Drittligisten Potenza SC, Giuseppe Postiglione, sowie acht weitere Verdächtige fest. Einer der Inhaftierten soll nach Angaben italienischer Medien ein bekannter Mafioso sein. Ein Bezug zu den Drahtziehern im europäischen Wettskandal zeichnete sich am Montagmorgen nicht ab. Die Staatsanwaltschaft wirft den Festgenommenen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Wettbetrug vor. "Die Vorwürfe basieren auf Fakten", betonte der leitende Staatsanwalt in der süditalienischen Stadt Potenza, Giovanni Colangelo. "Wir haben klare Beweise gefunden, wonach es Drohungen und Einflussnahmen gegeben hat, um Spielergebnisse zu manipulieren", erklärte Colangelo.
Spieler in der Schweiz suspendiert
Im Zuge des Wettskandals hat der Schweizer Zweitligist FC Gossau seinen Mittelfeldspieler Mario Bigoni suspendiert. Nach einem Bericht des Boulevardblatts Blick soll der 25-Jährige dem Klubpräsidenten Roland Gnägi Unregelmäßigkeiten gestanden haben. Bigoni soll bereits von der Polizei vernommen worden sein. Es geht um die 0:4-Heimniederlage am 24. Mai gegen Locarno. "Einer seiner Mitspieler habe ihn angegangen mit den Worten: Du, da ist Geld zu verdienen", wird Gnägi zitiert: "Bigoni sagte mir aber nicht, ob er auf das Angebot eingegangen sei."
Insgesamt seien von der Wettmafia für eine Manipulation des Spiels 31.000 Franken (20.500 Euro) an Gossau-Spieler gezahlt worden. Zuvor hatte bereits der FC Thun seinen Stürmer Pape Omar Faye suspendiert. Der Senegalese war ebenfalls von der Polizei vernommen worden, es soll um das Spiel vom 26. April in Yverdon (1:5) gegangen sein. Wie der Klub am Montag (23.11.2009) mitteilte soll auch das Direktduell der beiden Klubs am 17. April 2009 (4:3 für Gossau) Gegenstand der polizeilichen Ermittlung sein. Nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft stehen in der Schweiz 22 Spiele der zweiten Liga und sechs Vorbereitungsspiele unter Manipulationsverdacht.
sid/dpa | Stand: 23.11.2009, 15:35
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