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09.02.2010 | 16.56 Uhr

Allgemein

Neue Einzelheiten im Wettskandal

Das wichtige fünfte Tor

Von Marcus Bark

Im neuen Manipulationsskandal besteht bei mindestens 200 Fußballspielen der Verdacht, dass es zu Betrugsversuchen gekommen ist. Sportschau.de liegt eine Liste mit offenbar betroffenen Partien vor.

Der 26. April 2009, weniger als 800 Menschen verlieren sich im Stade Municipal. Bei der Partie zwischen Yverdon-Sport und dem FC Thun in der zweiten Schweizer Liga läuft die Nachspielzeit, als Kaled Gourmi einen Treffer erzielt. Es ist das 5:1 für den Gastgeber, der schon lange als Sieger feststand. Es ist aber mehr als ein Tor für die Statistik. Es ist ein Tor, das bares Geld einbringt. So vermuten es jedenfalls die Ermittlungsbehörden im neuen Manipulationsskandal. Im Gespräch mit sportschau.de gewährte der Rechtsanwalt eines am Donnerstag (19.11.09) festgenommenen Beschuldigten nähere Einblicke in den neuen Manipulationsskandal. Er präsentiert eine Liste verdächtiger Spiele, die Teil des Durchsuchungsbeschlusses der Staatsanwaltschaft im Falle seines Mandaten Deniz C. sind.

Burkard Benecken aus Marl vertritt Deniz C. aus Herten (nahe Gelsenkirchen), der derzeit in Wuppertal in Untersuchungshaft sitzt. Deniz C. soll sich zusammen mit fünf anderen Personen aus dem Ruhrgebiet zu einer Tätergruppe zusammen geschlossen und sich des gewerbsmäßigen Bandenbetruges schuldig gemacht haben. "Wenn wir die Akten haben, werden wir versuchen, alle Vorwürfe zu entkräften", sagt der Anwalt. Zur Sache, da bittet er um Verständnis, wolle er erst später etwas sagen. Dennoch hat er interessante Details parat. Denn die genannte Liste führt Spiele auf, bei denen der konkrete Verdacht auf Manipulation besteht. In der Partie zwischen Yverdon und Thun sollen 15.000 Euro an Spieler der Gastmannschaft geflossen sein. Wunsch der vermeintlichen Betrüger: Thun solle mit vier Toren Unterschied verlieren. Da kann es dann schon entscheidend sein, ob ein Klub 1:4 oder durch einen Treffer in der Nachspielzeit mit 1:5 verliert.

Nicht alles stimmig

Noch eine weitere Partie aus der zweiten Schweizer Liga steht unter Verdacht. Es geht um die Partie zwischen dem FC Gossau und dem FC Locarno am 24. Mai 2009. Hier sollen 20.000 Euro an Spieler der Heimmannschaft bezahlt worden sein, damit diese "eine Niederlage mit zwei Tore" erleiden. "Das traf ein", sagte Benecken, was allerdings nicht stimmt. Locarno, damals Vorletzter, gewann beim Letzten in Gossau mit 4:0. Entweder misslang die Manipulation, oder es musste eine Niederlage mit mindestens zwei Toren Differenz sein. Laut Benecken ging es bei dem Spiel vor 300 Zuschauern um 149.400 Euro Einsatz.

Die Staatsanwaltschaft Bochum gab am Donnerstag bekannt, dass es bei mindestens 17 Spielen der zweiten belgischen Liga Verdachtsmomente gibt. Zwei davon sind bei Anwalt Benecken aktenkundig. Beide Male ist der damals abgeschlagene Tabellenletzte Union Royale Namur beteiligt. So am 14. März in der Partie bei Olympic Charleroi und eine Woche später gegen Oud-Heverlee Leuven. Details zu den beiden Spielen gab Benecken nicht preis.

Bitte hoch verlieren

In den Schriftstücken, die seinen Mandanten Deniz C. belasten, finden sich laut Benecken zwei Partien aus der Türkei. Unter Verdacht stehen das Pokalspiel zwischen Trabzonspor und Antalyaspor im Januar 2009 und die Partie zwischen Ankaraspor und Bursaspor (1. Liga) im April. Im gleichen Monat wurde auch die Begegnung zwischen Drava Ptuj und Nafta Lendava in der höchsten slowenischen Liga ausgetragen, in der namentlich ein Spieler beschuldigt werde, 5.000 Euro kassiert zu haben, so Benecken.

Als letztes Spiel auf seiner Liste hat er die Begegnung zwischen NK Zadar und Hajduk Split am 26. April 2009 in der 1. kroatischen Liga. "Aufgabe" der Heimmannschaft soll gewesen sein, "hoch zu verlieren". Die Partie endete 3:0 für Split. Ein Spieler von Zadar sah die Rote Karte.

Stand: 21.11.2009, 17:05

 

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