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15.03.2010 | 21.53 Uhr

Allgemein

Reaktionen auf den Wettskandal

"Man kann sich nie ganz sicher sein"

Mit Erschütterung, Entsetzen und Wut haben Funktionäre des deutschen Profifußballs auf den neuen Wettskandal reagiert.

Jörg Schmadtke; Rechte: dpa Lupe groß

Mehr als erstaunt: Jörg Schmadtke

Reinhard Rauball (Ligaverbandspräsident): "Auch wenn der deutsche Profi-Fußball nur partiell betroffen ist, werden Ligaverband und DFL die Aufklärungsarbeit vollumfänglich unterstützen. Wir sind dem Fan schuldig, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um einen sauberen Wettbewerb zu gewährleisten. Zunächst gilt jedoch auch hier die Unschuldsvermutung. Aber klar ist: Wir können nicht dulden, dass auch nur ein einziges Spiel manipuliert ist."

Theo Zwanziger (DFB-Präsident): "Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen. Da es sich um strafrechtlich relevante Taten handeln könnte, ist die Staatsanwaltschaft Bochum Herr des Verfahrens. Wir sind ihr sehr dankbar für ihre engagierte Arbeit, und sie genießt unser volles Vertrauen. Die Gerichte sind für uns eine Hilfe im Kampf um einen sauberen Wettbewerb. Es ist gut, wenn sie konsequent durchgreifen."

Jörg Schmadtke (Manager Hannover 96): "Ich habe gedacht, dass die Vorsichtsmaßnahmen nach dem Fall Hoyzer greifen, und bin mehr als erstaunt, dass es wieder passiert ist. Ich hätte vorher immer ausgeschlossen, dass so was im deutschen Fußball möglich ist. Aber man kann sich offensichtlich nie sicher sein."

Uli Hoeneß (Manager FC Bayern München): "Solange das in der 5., 6., 7., oder 8. Liga passiert, betrifft mich das als Mensch überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, das muss brutal geahndet werden. Ich glaube nicht, dass das mit dem Profi-Fußball im Allgemeinen etwas zu tun hat."

Ralf Rangnick (Trainer 1899 Hoffenheim): "Nachdem es vor fünf Jahren bereits einen (Wettskandal) gegeben hat, ist es klar, dass das nicht gut für das Image des Fußballs ist. Es sollte uns allerdings auch nicht zu sehr überraschen. Fußball ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und es gibt Dinge, wie sie bei Siemens oder der Deutschen Post passiert sind. Überall wo viel Geld im Spiel ist, besteht die Gefahr, dass diese Dinge passieren. Lassen sie uns erst einmal abwarten, was da wirklich alles dahinter steckt."

Jan Schindelmeiser (Manager 1899 Hoffenheim): "Es ist unglaublich. Man kommt sich vor, wie in einem Parallel-Universum. Natürlich ist man froh, dass die Bundesliga davon nicht betroffen ist, doch das macht die Sache nicht besser. Es müssen jetzt alle Beteiligten intensiv an der Aufklärung mitwirken. Die Schuldigen müssen knallhart bestraft werden. Da hilft nur ein Abschreckungs-Szenario."

Klaus Allofs (Geschäftsführer Werder Bremen): "Ich befürchte, dass jetzt wieder alles in einen Topf geworfen wird, obwohl das in der ersten Liga kein Thema ist. In den unteren Ligen geht es um weniger Geld, da ist der Anreiz vielleicht auch größer. Aber grundsätzlich denke ich: Wo man das Glück beeinflussen kann, wird man es versuchen, das ist auch in anderen Lebensbereichen so."

Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen): "Mir gefällt es
nicht, wenn man heute die Zeitung aufschlägt und schon Bilder von Spielern sieht, die dort angeprangert werden. Ich habe auch die Hoffnung auf den Glauben, dass da nichts dran ist."

Felix Magath (Trainer und Manager Schalke 04): "Man muss sehen, was bei den Ermittlungen rauskommt, ob auch tatsächlich manipuliert wurde - und wenn, dann müssen natürlich harte Strafen her, das ist gar keine Frage."

Hajo Sommers (Präsident Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen): "Es war ein Irrglaube, davon auszugehen, dass Wettmanipulationen aufhören, nur weil vor einigen Jahren mal zwei Betrüger verhaftet worden sind. Solange gewettet werden kann und es geldgeile Menschen gibt, wird weiter versucht, auf diese Art zu betrügen."

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): "Es ist schwer, sich gegen solche Praktiken zur Wehr zu setzen. Aber wir sind überzeugt davon, dass wir als Verein nicht betroffen sind. Nach dem Hoyzer-Skandal haben wir in alle Arbeitsverträge eine Klausel eingebaut, dass die Spieler verpflichtet sind, etwaige betrügerische Angebote an mich oder Rudi Völler zu melden."

Wolfgang Feldner (deutscher Experte für Sportwetten beim Weltfußballverband FIFA): "Spielmanipulationen aufgrund von
Sportwetten sind eine der größten Bedrohungen für den Fußball - vergleichbar gefährlich wie das Doping."

Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): "Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Ein Bundesligaspiel zu manipulieren, ist schlichtweg undenkbar."

Bernd Schuster (Ex-Trainer und TV-Experte): "Das Schlimmste sind die Zweifel, die jetzt aufkommen, gegenüber Schiedsrichtern und Spielern. Ich hoffe, und das ist jetzt angesagt, das jetzt richtig aufgeklärt wird. Ich denke, das man jetzt Zeichen setzen muss und hart durchgreift."

Jürgen Marbach (Geschäftsführer VfL Wolfsburg): "Dieser Betrüger müssen drakonisch bestraft, ausgemerzt werden, weil es sonst unseren Sport kaputt macht. Wir haben volle Stadien, die Zuschauer wollen ehrlichen und fairen Sport sehen. Wenn das moralisch in Zweifel gerät, kann uns alles ganz schnell kaputt gehen."

Andreas Bornemann (Sportdirektor Alemannia Aachen): "Das macht einen natürlich betroffen. Es ist ja erst ein paar Jahre her, dass wir diese Problematik hatten. Danach wurde damals auch von den Wettanbietern glaubhaft gemacht, dass durch Frühwarnsysteme die Gefahr deutlich reduziert sei. Es ist aber anscheinend immer so, dass dort wo kriminelle Energie unterwegs ist, auch die Gefahr der Manipulation besteht."

Dirk Dufner (Sportdirektor SC Freiburg): "Wenn sich die Dimensionen so bestätigen, sind sie natürlich immens. Das ist mit Sicherheit eine hoch alarmierende Entwicklung. Das Positive ist, dass man es aufdeckt. Das Warnsystem funktioniert also. Wenn der Fan wirklich das Gefühl hätte: Egal welches Spiel ich anschaue, es ist doch manipuliert, dann hätte das fatale Auswirkungen. Aber das würde ich für Deutschland mal ausschließen. Der Fußball muss sich insgesamt dagegen (gegen Wettmanipulationen) wehren."

Bernd Hölzenbein (Weltmeister von 1974): "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Deutschland einen Spieler der ersten oder zweiten Bundesliga gibt, der ein Spiel manipuliert und damit seine Karriere aufs Spiel setzt."

Trainer Claus-Dieter Wollitz (Trainer von Energie Cottbus und in der vergangenen Saison Coach bei Zweitligist VfL Osnabrück): "Ich hoffe immer auf das Gute im Menschen. Das gilt auch für diesen Fall."

Lothar Gans (Sportdirektor VfL Osnabrück): "Ich halte die Situation für so traurig, dass man sie gar nicht in Worte fassen kann. Zu den Verdächtigungen rund um den VfL will ich mich nicht äußern. Wir werden das intern besprechen."

sid/dpa | Stand: 22.11.2009, 16:17

 

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