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09.02.2010 | 17.59 Uhr

Allgemein

Wettskandal im Jahr 2005

Chronologie im Fall Robert Hoyzer

Der Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer erschütterte im Jahr 2005 den deutschen Fußball. sportschau.de dokumentiert nochmals die damaligen Ereignisse.

Sergej Barbarez (li.), Robert Hoyzer; Rechte: dpa Sergej Barbarez (li.) und Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer

19. Januar 2005: Vier Schiedsrichter informieren den DFB über Ungereimtheiten bei von Robert Hoyzer geleiteten Spielen. Der DFB beginnt gegen Hoyzer zu ermitteln.

21. Januar 2005: Im Gespräch mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses, bestreitet Hoyzer die Manipulations-Vorwürfe.

22. Januar 2005: Der DFB gibt bekannt, dass der Kontrollausschuss gegen Hoyzer ermittelt. Der Manipulations-Verdacht bezieht sich unter anderem auf das DFB-Pokal-Spiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV.

23. Januar 2005: Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht erstmals von Betrug.

24. Januar 2005: Der Hamburger SV legt Protest gegen die Wertung des Pokalspiels beim SC Paderborn ein.

24. Januar 2005: Die Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen gegen Hoyzer auf, das DFB-Präsidium tritt zu einer Krisensitzung zusammen.

26. Januar 2005: Der DFB erstattet Anzeige gegen Hoyzer. Thomas von Heesen bringt Schiedsrichter Dominik Marks in die Schusslinie. Beim Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren von Arminia Bielefeld bei Hertha BSC Berlin soll unter der Leitung von Marks zu auffälligen Entscheidungen gekommen sein. Marks bestreitet die Vorwürfe.

27. Januar 2005: Hoyzer gibt in einer schriftlichen Erklärung die gegen ihn erhobenen Manipulations-Vorwürfe zu. Zudem sagt er, dass in die Affäre noch viele andere Leute verstrickt seien.

28. Januar 2005: Vier Personen werden als mutmaßliche Drahtzieher des Wettbetrugs festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Berlin vernimmt Hoyzer. Nach Aussagen seines Anwalts belastet er dabei weitere Schiedsrichter und auch Spieler. Hoyzer gesteht 67.000 Euro für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben.

29. Januar 2005: Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigt, dass sie Haftbefehl gegen drei mutmaßliche kroatische Wett-Betrüger erlassen hat.

30. Januar 2005: Nach Hinweisen auf eine Verwicklung von Referee Jürgen Jansen in den Skandal setzte der DFB den Unparteiischen für Bundesligaspiel zwischen Meister Werder Bremen und Hansa Rostock wieder ab.

31. Januar 2005: Der DFB setzt eine "Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen" ein, die den Betrugs-Skandal aufklären soll. Paderborn bestätigt, dass Kapitän Thijs Waterink vor dem Pokalspiel gegen den HSV 10.000 Euro von einem Unbekannten erhalten habe. Paderborns Präsident Wilfried Finke beschuldigt HSV-Spieler, an der Manipulation beteiligt gewesen zu sein. Torhüter Ignjac Kresic vom Regionalligisten Dynamo Dresden bestätigt, dass die Mannschaft im Juni 2003 nach einem Sieg 15.000 Euro Prämie von einem unbekannten Sponsor erhalten habe.

2. Februar 2005: Die Berliner Staatsanwaltschaft führt bundesweit Hausdurchsuchungen durch. In 10 Bundesländern an 32 verschiedenen Durchsuchungsorten wird bei 19 Beschuldigten Beweismittel gesichert.

4. Februar 2005: Schiedsrichter Jürgen Jansen beteuert auf einer Pressekonferenz in Passau seine Unschuld.

6. Februar 2005: Torwart Georg Koch vom Zweitliga-Tabellenführer MSV Duisburg bestätigt, dass ihm 20.000 Euro geboten worden seien, um eine Zweitligabegegnung zu verschieben.

8. Februar 2005: Hoyzer bestätigt in einer Talkshow öffentlich, vier Spiele verpfiffen und dafür 67.000 Euro sowie einen Plasma-Bildschirm von kroatischen Hintermännern erhalten zu haben.

10. Februar 2005:
Das DFB-Sportgericht verhängt gegen Hoyzer eine Vorsperre. Hoyzer hatte in einer DFB-Anhörung eingestanden, mehrfach nach Verabredung mit Kunden von Wettbüros Spiele des DFB-Pokals, der 2. Bundesliga und der Regionalliga manipuliert zu haben.

11. Februar 2005: Für eine Entschädigung von rund zwei Millionen Euro verzichtet der Hamburger SV auf eine Wiederholung des von Hoyzer manipulierten Pokal-Spiels beim Drittligisten SC Paderborn (2:4).

12. Februar 2005: Hoyzer muss in Berlin nach einem bereits zwei Tage zuvor erlassenen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Nach 13 Tagen kommt er wieder auf freien Fuß.

14. Februar 2005: Schiedsrichter Torsten Koop wird vom DFB nicht mehr eingesetzt. Er hatte den Verband über einen Anwerbungsversuch von Hoyzer nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt.

15. Februar 2005: Das von Hoyzer manipulierte Zweitligaspiel zwischen Wacker Burghausen und LR Ahlen (0:1) vom 22. Oktober 2004 muss wiederholt werden. Der DFB verhängt gegen Zweitliga-Schiedsrichter Dominik Marks eine Vorsperre.

25. Februar 2005: Hoyzer wird aus der Untersuchungshaft in Berlin-Moabit entlassen. Der Haftbefehl, in dem ihm in acht Fällen mittäterschaftlicher Betrug angelastet werden, bleibt bestehen.

3. März 2005: Das mutmaßlich von Marks manipulierte Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren von Hertha BSC Berlin und den Amateuren von Arminia Bielefeld (2:1) vom 14. August des vergangenen Jahres muss wiederholt werden.

10. März 2005: Die Staatsanwaltschaft Berlin erlässt Haftbefehl gegen Marks und lässt diesen vor dessen Berliner Wohnung festnehmen.

11. März 2005: Steffen Karl vom Regionalligisten Chemnitzer FC wird als erster Fußball-Profi festgenommen. Gegen Karl besteht der Tatverdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten Verbrechensabrede sowie der versuchten Nötigung.

7. April 2005: Thijs Waterink wird als erster Spieler im Zuge des Wettskandals gesperrt. Der Niederländer wurde vom Sportgericht wegen "eines unsportlichen Verhaltens in Tateinheit mit passiver Bestechung" mit einem Spielverbot bis einschließlich 31. Juli 2005 belegt.

12. April 2005: Hoyzer tritt zum 31. März aus seinem Verein Hertha BSC aus und unterliegt damit nicht mehr der DFB-Sportgerichtsbarkeit.

28. April 2005: Der DFB beschließt auf seinem Bundestag in Mainz ein Wettverbot für Spieler, Trainer, Funktionsträger sowie Unparteiische.

29. April 2005: Hoyzer wird vom DFB-Sportgericht auf Lebenszeit aus dem DFB ausgeschlossen.

18. Mai 2005: Ante Sapina räumt die Vorwürfe gegen ihn ein.

20. Mai 2005: Der DFB-Kontrollausschuss erhebt Anklage gegen Referee Dominik Marks. Er soll wie Hoyzer auf Lebenszeit gesperrt werden.

25. Juni 2005: Die Berliner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Hoyzer und Marks, die Brüder Ante, Filip und Milan Sapina sowie Ex-Profi Karl. In der 289-seitigen Anklageschrift werden mehr als 20 Spiele aufgelistet, die manipuliert worden sein sollen.

27. August 2005: Der Dresdner Schiedsrichter-Betreuer Wieland Ziller wird für fünf Monate gesperrt. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter hatte im November 2004 eine Summe von mindestens 25.000 Euro von Ante Sapina erhalten und den Eindruck erweckt, das Geld an den vermeintlich manipulationsbereiten Jansen weiterzuleiten. Ziller hatte jedoch das gesamte Geld für sich behalten.

18. Oktober 2005: Das Berliner Landgericht eröffnet das Hauptverfahren gegen die Gebrüder Sapina, Hoyzer, Marks und Karl.

27. Oktober 2005: Hoyzer bestätigt zu Beginn seiner Einlassungen im Großen und Ganzen die in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfe und gibt ein Geständnis ab.

8. November 2005: Der angeklagte Ex-Profi Karl streitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab. Sein Verfahren wird abgetrennt behandelt und vor dem Berliner Landgericht fortgesetzt.

10. November 2005: Der ehemalige Schiedsrichter Marks bestreitet jeglichen Vorwurf der Spiel-Manipulation. Der Ex-Referee gibt jedoch zu, 36.000 Euro von "Drahtzieher" Ante S. erhalten zu haben.

17. November 2005: Das Berliner Landgericht verurteilt Hoyzer zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft ohne Bewährung. Sein früherer Kollege Dominik Marks erhält ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Der mutmaßliche Drahtzieher Ante Sapina wird zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Seine Brüder Milan und Filip erhalten Bewährungsstrafen: Milan ein Jahr und vier Monate, Filip ein Jahr.

28. November 2006: Im Revisionsprozess fordert Bundesanwalt Hartmut Schneider vor dem Bundesgerichtshof überraschend einen Freispruch. Der Jurist beantragte vor dem 5. Strafsenat in Leipzig, das Urteil des Landgerichts Berlin vom November 2005 aufzuheben. Es sei von "bemerkenswerter Oberflächlichkeit", kritisierte Schneider, dessen Antrag in der Fußball-Welt für Empörung sorgt.

8. Dezember 2005: Karl wird wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

28. November 2006: Der Bundesgerichtshof vertagt bei der Hauptverhandlung im Revisionsverfahren die Urteilsverkündung. Vor dem 5. Strafsenat im Leipzig plädieren sowohl Oberstaatsanwalt Hartmut Schneider als auch die Verteidiger auf Freispruch. DFB-Boss Theo Zwanziger fühlte sich "beschämt und vom Staat im Stich gelassen".

15. Dezember 2006: Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil des Berliner Landgerichts: Robert Hoyzer muss ins Gefängnis, ebenso Ante Sapina.

4. Mai 2007: In einem Schreiben an den DFB erklären Hoyzers Anwälte, dass die gegenüber den Skandal-Referee geltend gemachten Ansprüche in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro unbegründet seien.

18. Mai 2007: Hoyzer tritt seine Haftstrafe im Berliner Männer-Gefängnis Hakenfelde an.

9. Januar 2008: Vor der 2. Zivilkammer des Landgerichts Berlin beginnt für Hoyzer, der persönlich nicht anwesend ist, der vom DFB angestrengte Schadensersatz-Prozess.

12. Februar 2008: Erstes Gespräch zu einer außergerichtlichen Einigung beim DFB in Frankfurt. Hoyzer wird durch seinen Anwalt Thomas Hermes vertreten.

4. April 2008: Der DFB einigt sich mit Hoyzer außergerichtlich. Hoyzer erkennt den Schadensersatzbetrag in Höhe von 750.000 Euro an.

18. Juli 2008: Nach 14 Monaten Haft wird Hoyzer wegen guter Führung nach der Hälfte seiner Strafe aus dem Gefängnis entlassen. Bereits einen Tag zuvor war auch Ante Sapina entlassen worden.

dpa/sid | Stand: 20.11.2009, 07:50

 

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