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09.02.2010 | 04.34 Uhr

Bundesliga

"Wir fahren nach München, um zu gewinnen"

Heynckes will Bayer-Höhenflug fortsetzen

Eigentlich wollte Jupp Heynckes nur seinem Freund Uli Hoeneß einen Gefallen tun, als er am 27. April diesen Jahres, fünf Spieltage vor Ende der Saison 2008/09, aus dem Vorruhestand auf die Trainerbank des FC Bayern München zurückkehrte. An mehr als ein fünfwöchiges Intermezzo als Nothelfer dachte der 64-Jährige damals nicht.

Doch als Nachfolger des vorzeitig gechassten Jürgen Klinsmann sicherte Heynckes dem Rekordmeister mit vier Siegen und einem Unentschieden im Endspurt nicht nur die Vizemeisterschaft und damit die direkte Champions-League-Teilnahme, sondern fand auch den Spaß am Fußball wieder. "Da ist plötzlich mein Motor wieder auf Temperatur gekommen. Ich habe wieder Gefallen am Trainerjob gefunden", gibt Heynckes zu.

Am Samstag (21.11.09), knapp fünfeinhalb Monate nach dem Ende seines Bayern- Gastspiels, wird Heynckes wieder am Spielfeldrand in der Münchner Arena Platz nehmen – als Trainer von Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen. Gut möglich, dass sich FCB-Manager Hoeneß insgeheim wünscht, sein Freund säße noch immer auf der Bayern-Bank und würde den Rekordmeister zu den Erfolgen führen, die er seit Beginn der Spielzeit mit Leverkusen feiert.

Bayern in der Krise - Hoeneß kritistert van Gaal

Doch als Hoeneß und die Bayern-Führung Heynckes als "Retter" an die Säbener Straße holten, hatte sie sich schon für Louis van Gaal als künftigen Chefcoach entschieden – auf Empfehlung von Heynckes. Während der nun mit Bayer in der Liga den Ton angibt, hinken die Bayern nicht nur mit sechs Punkten dem derzeitigen Tabellenführer aus dem Rheinland hinterher, sondern trotz millionenschwerer Neuverpflichtungen erneut auch ihren eigenen Ansprüchen. In der Champions League droht gar das vorzeitig Aus.

"Wir brauchen jetzt irgendwann den Befreiungsschlag", forderte Hoeneß vor der Partie gegen Leverkusen und schlug kritische Töne wie nie zuvor in dieser Saison an. "Louis van Gaal ist der Meinung, dass er alles selbst regeln muss", kritisierte der Manager den Führungsstil des Niederländers und untergrub sogar die fachliche Autorität des ehemaligen Champions-League-Gewinners.

Zwischen Heynckes und Bayer stimmt die Chemie

"Wir haben mit van Gaal vor dem Robben-Transfer klar besprochen, dass man mit diesen Spielern auch 4-4-2 spielen kann. Wir wollen 4-4-2 spielen", forderte Hoeneß und verweigerte ein eindeutiges Treuebekenntnis für den 58-jährigen Coach. Im Gegenteil: Bis zu Winterpause gebe es noch fünf Bundesliga- und zwei Champions-League-Spiele, die müsse man abwarten: "Ich kann nicht immer sagen: Es ist alles super, wenn wir Achter sind."

Tabellenführung statt Rückstand und Harmonie statt Unruhe kennzeichnen dagegen die Lage bei Bayer. "In Leverkusen harmonisieren alle Abteilungen", lobte Heynckes die Bedingungen bei seinem neuen Arbeitgeber Und auch die Spieler wüssten: "Es geht nur über das Kollektiv. Und über Kommunikation." Heynckes erlebt bei Bayer seinen zweiten Frühling und wirkt dabei gelassener und souveräner als in früheren Jahren.

Bayer mit neuem Heynckes-Stil auf Erfolgskurs

Dabei galt der Welt- und Europameister nach seinen nicht gerade erfolgreichen Trainer-Gastspielen bei Schalke 04 (Juni 2003 bis September 2004) und Borussia Mönchengaldbach (Juli 2006 bis Januar 2007) bereits als Auslaufmodell. Die Methoden des Coaches, der Real Madrid 1998 zum Champions-League-Triumph führte, galten als veraltet. Doch in Leverkusen findet Heynckes den richtigen Ton im Ungang mit der jungen Mannschaft. "Gerade die jungen Spieler haben vor Jupp Heynckes einen ganz natürlichen Respekt", sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Erfolgreich hat der Coach die Spielweise der Werkself verändert. Statt Hurra-Fußball um jeden Preis wie unter Bruno Labbadia in der vergangenen Spielzeit zeigt Bayer abgeklärtes Offensivspiel. Leverkusen wirkt gefestigt und läuft nicht mehr ins offene Messer. Siebenmal spielte die Heynckes-Elf in dieser Saison in der Bundesliga schon zu Null. Das Fußball-Spektakel kam dabei aber auch nicht zu kurz. Zuletzt zeigte sein Team beim 4:0 gegen Eintracht Frankfurt eine Gala-Vorstellung. Dementsprechend selbstbewusst reist Leverkusen zum Rekordmeister. "Wir fahren nach München, um zu gewinnen", betonte Heynckes.

sid/dpa | Stand: 20.11.2009, 08:22

 

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