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International
Die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste
Fußball eint das geteilte Land
Die Elfenbeinküste ist ein zerrüttetes Land. Nach einem Bürgerkrieg ist das Land in Nord und Süd geteilt. Einigkeit herrscht in dem westafrikanischen Land nur in der Begeisterung für die Fußball-Nationalmannschaft. Die steht in der Blüte ihrer Zeit und hat sich vor dem Freundschaftsspiel gegen Deutschland am Mittwoch (18.11.09) zum zweiten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Doch auf dem mit Stars gespickten Team lasten nun große Erwartungen.
Wer im Oktober 2005 einen Drogba wollte, bekam ihn auch. In den Kneipen der Fünf-Millionen-Stadt Abidjan wurde auf die Bestellung eines "Drogbas" eine Liter-Flasche Starkbier serviert. Die Euphorie kannte keine Grenzen an der Elfenbeinküste, die Mannschaft hatte sich gerade zum ersten Mal in ihrer Geschichte für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Es war ein kurzer Moment der Einigkeit in einem geteilten Land. Denn Fußball ist in dem westafrikanischen Staat eines der wenigen Dinge, die das Land noch eint.
Die ehemalige französische Kolonie wurde 1960 unabhängig. Auf eine wirtschaftliche Krise durch den Verfall der Kakaopreise folgte ein Militärputsch, an dessen Ende ein fünf Jahre dauernder Bürgerkrieg stand. Der ist vor zwei Jahren zwar offiziell beendet worden, doch das Land ist in zwei Hälften geteilt. Rebellen halten den Norden unter Kontrolle, im Süden haben die Regierungstruppen die Macht, Blauhelme der Vereinten Nationen stehen zwischen den Fronten. Ende November sind erneut Unruhen und Spannungen zu befürchten, wenn die seit 2005 geplante und immer wieder verschobene Präsidentschaftswahl über die Bühne gehen soll. Mitten in die innenpolitischen Konflikte fallen die bislang größten Erfolge der Nationalmannschaft.
Stammgäste in der Champions League
Beim Fußball vergessen die Ivorer für ein paar Minuten die Krise, die ihr Land in zwei Teile riss. Didier Drogba ist der größte Name in einer Mannschaft, die mit großen Stars gespickt ist. Kein Spieler verdient sein Geld in der Heimat, ausnahmslos stehen sie bei Vereinen aus Europa unter Vertrag. Emmanuel Eboué spielt bei Arsenal, Kolo Touré bei Manchester City, Yoyo Touré beim FC Barcelona. Salomon Kalou ist bei Chelsea Mannschaftskollege von Didier Drogba - allesamt sind sie Stammgäste in der Champions League. Und mit Arthur Boka vom VfB Stuttgart und Guy Demel vom Hamburger SV sind auch zwei Bundesligaspieler dabei.
Die "Elefanten" waren schon bei der WM 2006 die am meisten gefürchtete Mannschaft des schwarzen Kontinents. Die afrikanischen Platzhirsche Nigeria, Kamerun oder Ägypten fehlten in Deutschland, dagegen feierten Angola, Togo und eben die Elfenbeinküste ihre Premieren beim Weltturnier. Dass die ivorische Mannschaft trotz der Etikettierung als "Geheimfavorit" keine größere Rolle spielte, lag auch am Lospech. In der wohl spielstärksten Gruppe des Turniers mit Argentinien, den Niederlanden und Serbien war in der Vorrunde Schluss.
Ein Makel haftet der Mannschaft an
Das erneute Schicksal des verhinderten Geheimfavoriten will sich die Elfenbeinküste bei ihrem zweiten Versuch unbedingt ersparen. Die Mannschaft ist im Vergleich zu 2006 gereift. Viele Spieler holten sich in den vergangenen vier Jahren in Europas Top-Ligen den Feinschliff. Die Elfenbeinküste qualifizierte sich unter dem bosnischen Trainer Vahid Halihodzic souverän und ungeschlagen mit fünf Siegen aus sechs Spielen, und nicht wie vor vier Jahren auf den letzten Drücker.
Aber noch haftet dem Team ein Makel an. Denn gewonnen hat die Goldene Generation der Elfenbeinküste noch nichts. Bei den beiden jüngsten Afrika-Meisterschaften sprangen nur ein zweiter und ein vierter Platz heraus. Wie Nigeria bei der WM 1998 in Frankreich steht die Mannschaft in der Blüte ihrer Zeit - und damit auch unter der Erwartung, endlich als erste afrikanische Mannschaft die Weltmeisterschaft zu gewinnen.
nch | Stand: 16.11.2009, 13:34
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