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09.02.2010 | 15.24 Uhr

Bundesliga

Nationalkeeper starb im Alter von 32 Jahren

Fußball-Deutschland trauert um Robert Enke

Fußball-Deutschland trauert um Robert Enke. Der 32-Jährige wurde am Dienstagabend (10.11.09) auf einem Bahnübergang nordwestlich von Hannover von einem Zug erfasst und tödlich verletzt. Die Polizei fand einen Abschiedsbrief, es gebe demnach keinen Zweifel mehr, dass Enke sich das Leben genommen hat.

Robert Enke; Rechte: imago Starb im Alter von 32 Jahren: Robert Enke

"Es war Selbstmord", sagte Enke-Freund und Berater Jörg Neblung, "über weitere Hintergründe möchte ich heute nicht sprechen." Martin Kind war von der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aus Frankfurt/Main zurückgekehrt, am Flughafen bekam er den schockierenden Anruf. "Das ist ganz furchtbar. Man rechnet mit vielem, aber nicht mit so etwas", sagte Kind. "Meine Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Familie." "Er hinterlässt eine große Lücke, nicht nur in Hannover, sondern auch in Fußball-Deutschland", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke. "Wir stehen alle unter Schock und sind noch nicht in der Lage, die Dinge zu kommentieren."

Polizei fand Abschiedsbrief

Die Polizei gab bei einer Pressekonferenz in einer Bahnhofsgaststätte in Eilvese erste Informationen zum Unfall- Geschehen. Demnach habe Enke sein Auto am Dienstagabend etwa zehn Meter von den Gleisen entfernt abgestellt, berichtete der Sprecher der Polizeidirektion Hannover, Stefan Wittke.

Der 32-jährige Enke habe sein Portemonnaie auf dem Beifahrersitz des nicht verschlossenen Wagens liegenlassen. Anschließend muss Enke mehrere 100 Meter an den Gleisen entlang gegangen sein, bevor er gegen 18.25 Uhr von dem aus Bremen in Richtung Hannover fahrenden Regionalzug RE 4427 erfasst wurde.

In einer ersten Befragung gab der Zugführer zu Protokoll, dass er eine Person auf den Gleisen habe stehen sehen. Er und ein weiterer im Führerhaus anwesender Lokführer hätten sofort eine Notbremsung eingeleitet, berichtete Wittke über das Unglück. An der Unglücksstelle fahre der Zug ungebremst mit hohem Tempo. Weitere Augenzeugen gebe es für das Unglück nicht. Es sei kein Ort, an dem man normalerweise die Gleise überquere. Die Polizei fand einen Abschiedsbrief. Die Ermittlungen sollen im Laufe des Tages abgeschlossen werden, so Wittke. Man müsse von einem Selbstmord ausgehen. Es gebe nichts, was dagegen spreche, meinte Wittke weiter.

Der Kriminaldauerdienst kümmerte sich am Dienstagabend um Enkes Ehefrau, die nach dem Unglück zum Unfallort gekommen war. Der verheiratete Fußballprofi und seine Frau hatten vor drei Jahren ihre Tochter Lara im Alter von zwei Jahren verloren, die an einem angeborenen Herzfehler litt und im Krankenhaus starb.

DFB berät über Länderspiel-Absage

Enke hatte wegen einer Erkrankung, die als Bakterien-Infektion des Darmes angegeben wurde, vier Länderspiele verpasst. Er war auch nicht für die beiden Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste am 14. und 18. November eingeladen worden. Löw hatte dem Hannoveraner aber deutlich signalisiert, dass er weiter ein Favorit auf die Nummer eins bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika sei.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erfuhr erst unmittelbar nach der Rückkehr vom ersten Training in Bonn von dem Unglück. Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff informierten die Spieler und Betreuer am Dienstagabend in Bonn. "Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff.

"Robert Enke war ein wunderbarer Mensch, der auch harte Schicksalsschläge verdauen musste", äußerte DFB-Chef Dr. Theo Zwanziger.

Auf dem Weg zum Stammtorhüter beim DFB

Nach der EM und dem Rücktritt von Jens Lehmann war Enke bald Stammtorhüter der DFB-Auswahl geworden. Sein erstes Länderspiel bestritt Enke vor zwei Jahren beim 0:1 gegen Dänemark. In seinen weiteren sieben Länderspielen feierte er mit der DFB-Elf fünf Siege und spielte zweimal unentschieden. Sein letztes von nur acht Länderspielen bestritt er am 12. August diesen Jahres beim 2:0-Sieg in Baku gegen Aserbaidschan.

Bereits beim Confed Cup 1999 hatte er zum DFB-Kader gehört, blieb aber ohne Einsatz. Insgesamt hütete er in sechs von elf Länderspielen in der Saison 2008/09 das Tor. Löw hatte sich allerdings nicht ausdrücklich für Enke als neue Nummer eins ausgesprochen, so dass sich dieser auch weiterhin dem Konkurrenzkampf gegenüber Rene Adler, Tim Wiese und Manuel Neuer stellen sollte.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zeigte sich tief betroffen vom Tod Robert Enkes. "Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war. Wir trauern um ihn und unser Mitgefühl ist bei seiner Frau, seiner Familie, seinen Angehörigen und vielen Freunden", sagte Wulff nach einer Mitteilung der Staatskanzlei.

ARD, sid, dpa | Stand: 11.11.2009, 12:35

Kommentare 1 bis 5 von 569

  • a schrieb am 22.11.2009 10.30 Uhr: Es ist doch erstaunlich 568 Kommentare binnen weniger Tage, von überwiegend ach so traurigen und betroffenene Menschen/Fans. Kaum ist die letzte Möglichkeit, seine Sensationslust auszuleben vergangen, schon halten sich Migefühl und Mitteilungsbedürfnis offensichtlich ganz stark in Grenzen. Es gibt sicher schon neue interessante Nachrichten, an denen man sich weiden kann. Bravo!

  • Marianne Wilting schrieb am 19.11.2009 22.14 Uhr: Herzliches Beileid für seine Frau. Selbst kann ich gut verstehen, dass Ihr Mann schwere Depression hat. Selbst trauere ich mein Mann noch fast 5 Jahren, der er an bösen Krankheit mit 47 Jahren starb, der ich für meine 2 Kinder versorgen muss. Bist jetzt ist es nicht einfach für mich, weil niemand bis jetzt für mich da ist und bin ich ab jetzt für niemand da ausser mein Sohn da. Sonst geht es mir besser und habe leider noch Depression. Ich halte es weiter durch. Ich möchte dass Sie stark weden, liebe Frau Encke. Viele Grüße Marianne Wilting

  • Elke Frank schrieb am 18.11.2009 22.41 Uhr: In unserer Gesellschaft muss umgdacht werden. Der Tod von Robert Enke sollte zu denken geben. Es bringt nichts, wenn man alles schönredet. Jetzt muss offen geredet werden. Und es muss ein Psychiater in jedem Profifussballverein engagiert werden. Damit kann man solchen Dingen, wie sie auf tragische Weise passiert sind, vorbeugen. Für mich war Robert Enke ein Vorzeigeathlet, einer der sich nicht schämte wie jeder andere Bürger zu leben u. Er war ein Mensch wie wir alle. Das hat ihn ausgezeichnet. Hoffentlich verpuffen die ganzen Ansätze nicht, die man evtl. gehen möchte. Es ist für mich genauso menschlich, wenn jemande offen zugeben kann, dass es ihm nicht gut geht. Robert Enke hatte Angst, ausgegrenzt zu werden. Dassa ihm das Gleiche widerfährt wie Sebastian Deisler. Leider sind wir heute nur noch eine Ellenbogengesellschaft, das ist traurig genug. Es ist nicht nur im Profisport, es ist im "normalen" Arbeitsleben ganz genauso. Kranke finden keinen Job. Weil wir es nicht wollen.

  • abi schrieb am 17.11.2009 21.37 Uhr: ich hoffe enke frau überlegt dir schokirende nachricht sogr ich als junge habe sehr viele stunden getrauert ........

  • a schrieb am 16.11.2009 17.49 Uhr: @björn Na dann sind wir uns im Grunde ja einig. ;) Ihnen auch alles Gute. Die Sache mit gelöschten Beiträgen ist mir übrigens auch nicht fremd, was auch immer das soll. Allen aufrichtig Trauernden und wahrhaft Betroffenen wünsche ich all die Kraft, die sie brauchen um diesen Leidensweg durchzustehen und all die Zeit/Ruhe die ihnen zusteht das Erlebte zu verarbeiten.

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