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18.03.2010 | 17.43 Uhr

Bundesliga

DFL-Mitgliederversammlung

Die Investoren bleiben draußen

Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, wünscht sich schon seit langem die Abschaffung der 50+1-Regel. Denn die verbaut potenziellen Investoren derzeit den Einstieg als Mehrheitseigner bei einem Bundesligisten. Doch am Dienstag (10.11.09) hat Martin Kind eine Niederlage einstecken müssen. Die Deutsche Fußball-Liga hat sich auf ihrer Mitgliederversammlung in Frankfurt für den Erhalt der Regelung ausgesprochen.

Der Antrag von Kind wurde bei nur einer Ja-Stimme abgeschmettert. Auch der Antrag des Zweitligisten FSV Frankfurt, einen Kompromiss-Vorschlag zu erarbeiten, wurde bei nur zwei Ja-Stimmen abgelehnt. Möglicherweise geht der Streit um die 50+1-Regel aber in die Verlängerung. Kind hatte im Vorfeld der Mitgliederversammlung angekündigt, im Falle einer Niederlage vor das Schiedsgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) oder vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu gehen.

Kind hätte für seine gewünschte Satzungsänderung eine Zwei- Drittel-Mehrheit benötigt. Doch die Haltung der 36 Erst- und Zweitligaclubs war eindeutig. Auch in Zukunft soll die bestehende 50+1-Regel verhindern, dass Investoren wie zum Beispiel in England mehr als 50 Prozent der Klub-Anteile erwerben können. Kind kämpft schon seit Jahren für eine Modifizierung und erhofft sich von einer Öffnung für externe Geldgeber mehr Chancengleichheit. Seiner Ansicht nach ist die Regelung bei von Großsponsoren unterstützten Klubs wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim ohnehin "praktisch außer Kraft gesetzt".

Englische Verhältnisse abgelehnt

Die meisten Bundesliga-Klubs lehnen englische Verhältnisse mit einer Mehrheitsbeteiligung finanzkräftiger Investoren bislang ab. "Wir wollen nicht, dass der deutsche Fußball aus Russland oder Asien kontrolliert wird", sagt stellvertretend Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund.

Kind versteht die Sorge nicht. "Die Traditionsmarken im Fußball müssen bestehen bleiben, auch wenn ein Investor die Mehrheit übernimmt. Ein Red Bull 96 soll es nicht geben", erklärte der 65 Jahre alte Unternehmer.

"Unabhängigkeit ist das höchste Gut"

Roman Abramowitsch; Rechte: dpa Lupe groß

Ein Chef, wie ihn sich kein deutscher Klub wünscht: Roman Abramowitsch.

Die meisten Klubs stehen der Initiative von Kind skeptisch gegenüber. Schalkes Vorstandsmitglied Peter Peters erklärte: "Die Unabhängigkeit eines Klubs ist sein höchstes Gut. Wird diese Unabhängigkeit aufgegeben, kann man diesen Schritt nicht mehr rückgängig machen - und die daraus entstehenden Folgen für den Verein sind langfristig nicht absehbar."

Im Wissen um eine breite Ablehnung erarbeitete Kind bereits ein Konsensmodell. Das soll vielen Gegnern die Angst vor Verhältnissen wie beim englischen TopKlub FC Chelsea nehmen, der von der Gunst des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch abhängig ist. Dieser Kompromiss sieht vor, dass Investoren sich zu einer Haltedauer von zehn Jahren verpflichten, ihren Wohnsitz seit mindestens drei Jahren in Deutschland haben und ihre Anteile im Falle einer Insolvenz kostenlos an den Verein zurückführen.

Die Suche nach einem Kompromiss ist sinnvoll. Schließlich drohte Kind in den vergangenen Monaten wiederholt mit einer Klage. "Nach meiner Einschätzung würden wir den Prozess vor einem öffentlichen Gericht gewinnen. Aber am Ende gäbe es nur Verlierer", sagte er.

Supercup wird wieder eingeführt

Bei seiner Mitgliederversammlung hat die DFL darüber hinaus nach 14 Jahren die Wiedereinführung des Supercups für das WM-Jahr 2010 beschlossen. Das Votum zur Wiedereinführung des prestigeträchtigen Duells zwischen dem Deutschen Meister und dem DFB-Pokalsieger auf Vorschlag des Ligavorstandes fiel einstimmig. "Die Fans können sich auf ein sportlich hochwertiges Gipfeltreffen freuen", erklärte Ligapräsident Reinhard Rauball. Ort und Zeitpunkt des Supercups stehen noch nicht fest. Letztmals hatte es 1996 den Vergleich zwischen Meister und Pokalsieger gegeben. Damals setzte sich Borussia Dortmund in Mannheim mit 4:3 im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Kaiserslautern durch.

dpa | Stand: 10.11.2009, 16:20

 

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