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18.03.2010 | 21.10 Uhr

Bundesliga

Lahms brisantes Interview, Tonis Halbzeitflucht

Viel Bayern-Wirbel nur abseits des Platzes

Auf dem Spielfeld sorgte der FC Bayern gegen Schalke 04 für wenig Wirbel. Den gab es allerdings reichlich um die Partie herum. Die "Glanzlichter" dabei setzten Philipp Lahm und Luca Toni.

Philipp Lahm; Rechte: ddp Lupe groß

Legte den Finger in die Bayern-Wunden: Philipp Lahm

In ungewöhnlich scharfer Form war Lahm vor dem Spiel gegen Schalke in einem Zeitungsinterview die Vereinsspitze angegangen. Luca Toni verließ nach seiner Auswechslung zur Pause fluchtartig das Stadion. Manager Uli Hoeneß drohte beiden anschließend Konsequenzen an. Und auch sportlich liegt bei Bayern München weiterhin vieles im Argen. Die Herbstkrise beim deutschen Fußball-Rekordmeister nimmt immer schärfere Formen an. Auch der Druck auf den umstrittenen Trainer Louis van Gaal wird durch das magere 1:1 (1:1) gegen Schalke zunehmend größer.

Hoeneß droht: Das wird Lahm bedauern

Die Münchener stehen nicht nur in der Champions League vor dem Aus, sondern hinken auch in der Bundesliga den hohen eigenen Ansprüchen weit hinterher. Vor dem Duell am 22. November gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen liegen die Bayern nun schon sechs Punkte hinter der Werkself zurück. Doch die sportlichen Probleme und die Diskussionen um van Gaal wurden durch die Aktionen von Lahm und Toni überlagert. "Er ist über das Ziel hinausgeschossen. Sie können sich sicher sein, dass er das Interview noch bedauern wird. Er hat eindeutig gegen die Regeln verstoßen", sagte ein verärgerter Hoeneß in Richtung Lahm und dessen Berater Roman Grill.

Für die kommende Woche kündigte der Manager ein unangenehmes Gespräch an. Aber auch Toni stehen Konsequenzen ins Haus. "Das war nicht in Ordnung, wir haben das registriert", meinte Hoeneß. Van Gaal wurde schon etwas deutlicher: "Das ist nicht gut für die Mannschaft und auch nicht für Luca Toni." Der Weltmeister war in der Pause ausgewechselt worden und hatte daraufhin umgehend die Arena verlassen.

Kein Händchen mehr für Transfers?

Vor der Partie hatte Lahm für reichlich Aufregung gesorgt, als er die verfehlte Einkaufspolitik der Bayern öffentlich kritisierte. "Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses System. So etwas gibt es bei uns nicht. Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind. In der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich", hatte Lahm der Süddeutschen Zeitung gesagt.

Millionen-Sturm ohne Durchschlagskraft

Fußball gespielt wurde in München übrigens auch: Und das zum wiederholten Male in der Amtszeit von van Gaal nicht überzeugend. Doch Kritik am niederländischen Coach gab es von der Vereinsführung erneut nicht. "In fünf bis sechs Wochen ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir uns zusammensetzen und eine Bilanz ziehen. Die Position von Louis van Gaal haben wir in der Öffentlichkeit nie diskutiert und werden das auch in der Zukunft nicht tun", sagte Hoeneß. 69.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena sahen zwar über weite Strecken überlegene Bayern, aber auch, woran es seit Wochen hapert: Ohne Franck Ribery entwickelten die Münchener kaum Ideen, dem Millionen-Sturm fehlt die Durchschlagskraft. Bezeichnenderweise ging der FC Bayern durch Abwehrchef Daniel van Buyten (31.) in Führung, die der 18 Jahre alte Debütant Joel Matip aber kurz vor der Pause (43.) egalisierte und so beim Rekordmeister für lange Gesichter sorgte.

Trost von Ex-Bayern-Trainer Magath

"Es ist frustrierend, wenn man kein Tor macht. Es fehlten immer zwei, drei oder fünf Zentimeter. Das muss sich ändern", monierte van Gaal. Und er fügte an: "Ich verstehe deshalb die Kritik. Ich bin auch unzufrieden." Man habe gesehen, dass der Druck auf die Mannschaft momentan "sehr hoch" sei. "Uns fehlt das Glück", sagte Hoeneß. Wenigstens kamen tröstende Worte von Bayerns Ex-Trainer Magath, der 2005 und 2006 mit den Münchenern das Double gewonnen hatte. "Bayern ist immer noch das Maß aller Dinge. Sie sind trotz aller Probleme vorne dabei, da müssen sie sich vorstellen, was passiert, wenn die noch besser spielen", meinte der Schalker Trainer nach dem 1:1, mit dem er bei seiner Rückkehr nach München gut leben konnte.

Er sei mit dem Ergebnis, aber auch mit dem Auftritt seiner Truppe sehr zufrieden. Zufrieden dürfte er aber auch mit sich selbst gewesen sein. In Matip zauberte er erneut ein Talent aus dem Hut und wurde für seinen Mut auch belohnt. "Er hat voll überzeugt", lobte Magath den Liga-Debütanten.

Van Buytens Rüffel

Mit 22 Punkten ist Schalke, das auswärts weiterhin ungeschlagen ist, nach wie vor vorne dabei. "Wenn wir uns am Ende der Vorrunde immer noch im oberen Drittel aufhalten, ist das mehr als ich erwartet habe", kommentierte Magath die Tabellensituation. Hoeneß glaubt indes offenbar immer noch an die Herbstmeisterschaft. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin der Meinung, dass das nicht auszuschließen ist", sagte er. Dazu müsse man aber "endlich konstant spielen", meinte Kapitän van Bommel. Zudem forderte van Buyten seine Kollegen Lahm und Toni auf, in Zukunft Ruhe zu geben: "Wir müssen für den FC Bayern zusammenhalten, nur so werden wir wieder nach oben kommen. Wenn jeder seinen eigenen Weg geht, wird das nicht klappen."

sid | Stand: 07.11.2009, 23:20

 

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