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18.03.2010 | 04.57 Uhr

Allgemein

Amateurvereine wollen nicht in die Regionalliga

Die Angst vor dem Aufstieg

Ein neuer Trend macht sich breit im Amateurfußball: Die Angst vor dem Aufstieg. Weil sie die finanziellen Anforderungen nicht stemmen können, lehnen viele Vereine vor allem den Wechsel in die Regionalliga ab. Das Magazin "sport inside" beleuchtet am Abend dieses Phänomen.

Torsten Bernhardt stand im Mai diesen Jahres ein schwieriger Gang bevor. Der Fußball-Spartenleiter des Bremer Oberligaklubs Brinkumer SV musste der Mannschaft des Vereins eine bittere Nachricht überbringen: "Jungs, das mit dem Aufstieg in die Regionalliga wird leider doch nichts." Es war nun wirklich nicht so, dass das Team des Brinkumer SV sportlich zu schwach für die vierte Liga gewesen wäre. Die Mannschaft aus dem 15 Kilometer nördlich Bremens gelegenen kleinen Ortes hatte die "Bremen-Liga" im Saisonverlauf völlig dominiert. Keine Niederlage, nur drei Unentschieden - alle anderen Spiele hatte der BSV gewonnen.

Der danach eigentlich logische Sprung in die Regionalliga scheiterte schlicht am Geld. "Als wir die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes für eine Teilnahme an der Regionalliga erhielten, war uns im Verein schnell klar: Das schaffen wir nicht. Das können wir als kleiner Verein auf keinen Fall stemmen", sagt Torsten Bernhardt. Das größte Problem: Die Ausstattung des Stadions. Es fehlt eine Flutlichtanlage, es fehlt ein abgetrennter Gästeblock, es fehlen die für die Regionalliga vom DFB vorgeschriebenen zehn Presseplätze mit ISDN-Anschluss. "Bisher hat die Ausstattung unseres Stadions immer gereicht. Warum sollte es für die Regionalliga plötzlich nicht mehr reichen?" fragt sich Bernhardt. Für ihn ähneln die teuren DFB-Auflagen einem Ausschlusskriterium kleiner Vereine: "Das, was der DFB da verlangt, kann kein kleiner Amateurverein bieten. Es kommt faktisch einem Ausschluss kleiner Klubs in den höheren Ligen gleich."

DFB-Auflagen sind nicht bezahlbar

Momentan liegen die Brinkumer in der Liga wieder auf Rang drei. Sollte das Team wieder Meister werden, müsste man erneut auf einen möglichen Aufstieg verzichten. Auch, weil der Verein nicht bereit ist, eine weitere DFB-Auflage zu erfüllen: Die nach zwei festangestellten Mitarbeitern. "Der DFB verlangt, dass Regionalliga-Vereine mindestens einen Manager und einen Jugend-Manager fest anstellen. Aber im Ernst: Selbst wenn wir das Geld dafür hätten - wer kündigt schon einen festen Job, um hier für möglicherweise nur ein einziges Jahr Regionalliga-Manager zu werden? Das macht doch keiner", ereifert sich Torsten Bernhardt.

Beim zuständigen DFB-Direktor Helmut Sandrock herrscht derweil Gelassenheit: "Wir sind überhaupt nicht unglücklich, dass Vereine, die sich sportlich qualifizieren an der ein oder anderen Stelle nicht in die nächste Liga aufsteigen wollen. Das hat es immer gegeben und wird es immer geben." Der DFB scheint da allzu gelassen mit einem offensichtlichen Trend umzugehen. Denn die Angst vor der Regionalliga ist längst ein bundesweites Phänomen: Auch aus Schleswig-Holstein wollte zuletzt kein Team aufsteigen. In Hessen verzichtete neben Meister SC Waldgirmes auch ein Traditionsverein wie Viktoria Aschaffenburg auf Liga vier. In Baden-Württemberg zog der FSV Oggersheim seinen Antrag zurück. Auch der FC Schönberg, Meister in Mecklenburg-Vorpommern, verweigerte den Aufstieg.

Goslar spielt nun doch weiter

Dieser Tage entging der DFB nur knapp dem Super-Gau. Regionalliga-Aufsteiger Goslarer SC zog seine Mannschaft nach nur sechs Spieltagen zurück. Grund: Die Stadt hielt sich nicht an finanzielle Zusagen zum Stadion-Ausbau. Der wiederum ist DFB-Auflage. Nur vorübergehend spielt Goslar in Braunschweig. Erst als der DFB mit Regressforderungen drohte, machte Goslar die Rolle rückwärts, spielt vorerst weiter. Helmut Sandrock: "Wir sind nicht für die Wirtschaftlichkeit der Vereine zuständig. Das kommt häufig so rüber, dass wir in die Vereinslandschaft hinein für die Budgets verantwortlich sind - das ist nicht so."

Ein wenig kritischer sehen das aber mittlerweile die Mitarbeiter in den DFB-unterstellten einzelnen Landesverbänden. Jürgen Stebani, Spielausschuss-Vorsitzender des Norddeutschen Fußball-Verbandes sorgt sich um die grundsätzliche Verbindung zwischen den Profi- und Amateurklubs: "Im Norden hat sich die Zahl derer, die aufsteigen wollen, reduziert. Das ist einfach so. Ob es den Amateurfußball kaputt macht weiß ich nicht. Aber wir kriegen eine Trendschärfe zwischen Amateurfußball und Profifußball, die so nicht gewollt ist. Das soll - und davon lebt auch der Fußball - ein durchlässiges System sein."

oja | Stand: 26.10.2009, 08:30

 

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