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Champions League
Bremen nach der 0:3-Pleite gegen Athen
Ende der heilen Welt
Werder Bremen. Der Bundesligist von der Weser stand in den vergangenen Jahren für attraktiven Fußball und für eine besonnene, strategisch vorgehende Vereinsführung. Theater, Aufregung und Chaos war anderswo. Doch nach dem 0:3 in der Champions League ist es mit der Ruhe vorbei. Der Ton wird rauher.
Himmel hilf! Werder-Manager Klaus Allofs
"Enttäuschung ist noch zu wenig. Ich spüre Wut. Im Grunde müssen wir uns bei allen Zuschauern im Stadion und am Fernseher entschuldigen", begann Werder-Manager Klaus Allofs seine Ausführungen, während das Bremer Publikum, sofern es den Schauplatz des Debakels nicht schon verlassen hatte, das Team mit wütenden Pfiffen verabschiedete. Und auch Allofs mochte sich anders als sonst nicht mehr schützend vor das kickende Personal stellen. "Einige Spieler müssen sich fragen lassen, was in ihren Köpfen vorgeht", schimpfte der Bremer Manager. "Ich habe schon einige Spiele gesehen, in denen wir uns schwer getan haben, aber ich kann mich an keines erinnern, dass wir so ohne Gegenwehr und ohne Mumm beendet haben. Da war überhaupt kein Aufbäumen. Das ist das Schlimmste, was man einem Sportler vorwerfen kann."
Trügerisches Zeichen der Besserung
So deutlich ist Allofs noch nie geworden. Doch wundern darf einen das nicht. Denn die Bremer sind schon nach einem guten Drittel der Saison an einem Punkt angelangt, an dem sie sämtliche Saisonziele zu verspielen drohen. Das Erreichen des Achtelfinals in der Champions League ist nach dem 0:3 gegen Athen nur noch durch "ein kleines Wunder" (Allofs) zu schaffen, in der Bundesliga ist Werder bereits neun Punkte von der Tabellenspitze entfernt und dümpelt im Mittelfeld herum. Das 5:1 am vergangenen Wochenende im Ligaspiel gegen Hertha BSC in der Bundesliga, entpuppte sich sich als trügerisches Zeichen der Besserung. "Ich dachte wir wären auf einem guten Weg", sagte Werder-Kapitän Frank Baumann am Dienstagabend (04.11.08). "Aber ich bin kein Psychologe und kenne dieses Team wohl nicht gut genug."
Zweifel an der Qualität
Stotternder Motor: Bremens Diego (vorne) gegen Athens Gilberto Silva
So langsam reift auch bei den Verantwortlichen des Klubs die Erkenntnis, dass es sich um ein tiefergehendes Problem handelt und Teile der Mannschaft den Ansprüchen nicht genügen. "Potenzial ist da, aber Qualität ist das, was man daraus macht", philosophierte Allofs. Gegen Athen machten die Bremer Profis nichts, aber auch gar nichts daraus. Bei den ersten beiden Gegentoren wirkte das Werders Defensivverhalten bestenfalls halbherzig, und das nicht zum ersten Mal. 23 Gegentore in der Bundesliga, so viele wie bei keinem anderen Team, sind wohl kein Zufall. Gegen Athen wurde zudem die ungesunde Abhängigkeit von den Geniestreichen des Spielmachers Diego deutlich. Gegen die Hertha noch brilliant Regie führend, reichte es den Griechen, den Brasilianer in Manndeckung zu nehmen. Das Bremer Angriffsspiel wirkte dadurch wie ein Motor, bei dem ein Zylinder ausgefallen ist, es stotterte und ruckelte und erlahmte schließlich ganz.
Manager Allofs kündigte angesichts des schwachen Spiels der Mannschaft ganz grundlegende Konsequenzen an. "Wir werden kurzfristig an unseren Fehlern arbeiten, aber uns mittel- und langfristig noch stärker Gedanken machen, ob das die richtige Zusammenstellung ist, mit der man Erfolg haben kann. Wenn die Spieler einige Dinge in absehbarer Zeit nicht verstehen wollen, dann müssen wir uns von Spielern trennen."
Das Ende der heilen Werder-Welt bedeutet auch für Trainer Thomas Schaaf, dass ihm erstmals der Wind ins Gesicht bläst. Erste Kritiker wagen sich langsam aus der Deckung und so musste Allofs erstmals auch Fragen zur Position des Coaches beantworten. Noch aber sieht der Bremer Manager keine Veranlassung, die Trainerfrage in seine Überlegungen einzubeziehen: "Ich weiß, wie Thomas arbeitet und bin von ihm absolut überzeugt."
most/dpa/sid | Stand: 05.11.2008, 10:57
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