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21.11.2009 | 01.35 Uhr

Allgemein

Das Urteil im Fall Webster und die Folgen

"Sehr schlechter Tag für die Vereine"

Von Marcus Bark

Der Weltfußball-Verband schlägt Alarm. "Weitreichende und verheerende Folgen für den gesamten Fußball" sieht die FIFA in einem Urteil des internationalen Sportgerichtshofes CAS vom 30. Januar 2008. Kritik kommt auch aus der Bundesliga. So sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Das war ein sehr schlechter Tag für die Vereine." Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will sich wehren.

Auslöser des Rechtsstreits war der schottische Profi Andrew Webster. Er kündigte 2006 bei seinem Klub Heart of Midlothian und wechselte nach England zu Wigan Athletic, obwohl sein Vertrag noch ein Jahr gültig war und die Hearts ihn behalten wollten. Webster berief sich bei der Kündigung auf Artikel 17 eines FIFA-Reglements zu Transfers. Dieser Artikel wurde auf Druck der Europäischen Union (EU) in das Reglement aufgenommen. Er besagt, dass eine Partei den Vertrag nach Ablauf einer Schutzzeit gegen Zahlung einer Entschädigung kündigen und ins Ausland wechseln darf, ohne sportliche Sanktionen, also eine Sperre, fürchten zu müssen. Die Schutzzeit ist auf drei Jahre für Spieler festgesetzt, die bei Vertragsabschluss jünger als 28 Jahre sind. Für die älteren Kicker ist sie zwölf Monate kürzer.

Da Webster innerhalb der Schutzzeit gekündigt hatte, schlug eine Schlichtungskommission der FIFA im April 2007 vor, dass Webster 625.000 britische Pfund (etwa 840.000 Euro) an die Hearts zahlt, die den Marktwert des Profis aber wesentlich höher taxierten.

Vorfahrt für freie Wahl des Arbeitsplatzes

Webster, vermutlich auch ermutigt durch das legendäre Bosman-Urteil aus dem Jahr 1996 (ablösefreie Wechsel innerhalb Europas nach Vertragsende möglich), und auch die Hearts lehnten den Vergleich ab. So kam der Fall an den Obersten Sportgerichtshof CAS, der entschied, dass Webster nur 200.000 Euro an die Hearts zahlen müsse. Die Summe entspricht einem Jahresgehalt Websters und dürfte damit Maßstab bei allen weiteren Fällen sein. Folgen des Urteils dürften sein: Spieler werden unter den genannten Voraussetzungen für interessierte Vereine günstiger. Das Geld, das der Käufer dadurch einspart, dürfte auf den Konten der Profis und Berater landen.

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge klagte: "Ich bedauere dieses Urteil sehr, weil damit wieder einmal die Position und die Planungssicherheit der Klubs geschwächt werden." Heribert Bruchhagen hätte sich gewünscht, dass der CAS die "Besonderheiten des Sports" berücksichtigt, aber das Gericht habe wieder die freie Wahl des Arbeitsplatzes als primär schützendes Gut angesehen. Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht sagte im Gespräch mit sport.ARD.de: "Das trifft die Vereine sehr hart."

"Sehr blauäugig"

Bayer Leverkusens Boss Wolfgang Holzhäuser zeigte kein Verständnis für das Wehklagen von FIFA-Präsident Joseph Blatter, der das Urteil als einen "Pyrrhussieg für Spieler und Spielervermittler" ansieht, "die mit einer vorzeitigen Vertragsauflösung liebäugeln". Holzhäuser sagte zu sport.ARD.de: "das Urteil ist die logische Konsequenz aus Artikel 17." Die FIFA habe sich somit die Suppe selbst eingebrockt.

Holzhäuser und Bruchhagen kündigten an, sich mit dem Urteil arrangieren zu wollen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Möglicherweise wolle er "bestehende Verträge neu abschließen", sagte Bruchhagen. Außerdem könnten festgeschriebene Ablösesummen helfen, den zu erwartenden Schaden zu mindern. Als drittes Instrument schlug der Frankfurter Boss vor, die Gehälter erst mit fortschreitender Vertragslaufzeit steigen zu lassen. Die Anregung eines Kollegen, "künftig keine Handgelder" mehr zu zahlen, bewertet er als "sehr blauäugig". Berater und Spieler würden dabei kaum mitspielen.

DFL fordert arbeitsrechtliche Klärung

Die DFL will das Urteil der CAS nicht hinnehmen. "Die Entscheidung ist mit den Grundsätzen des deutschen Arbeitsrechts nicht vereinbar. Wir bleiben daher bei unserem Prinzip: Solange es keine arbeitsrechtliche Klärung gibt, wird die DFL keine internationale Freigabe erteilen", sagte Geschäftsführer Holger Hieronymus. Letztlich wird sich die Liga aber kaum dem Druck der EU beugen können. Hans-Joachim Watzke seufzte: "Es kommt nie etwas Gescheites heraus, wenn die EU dirigistisch in den Fußball einzugreifen versucht."

mit dpa/sid | Stand: 01.02.2008, 14:52

 

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