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06.09.2010 | 03.32 Uhr

Formel 1

Barrichello wehrt sich gegen Formel-1-Siege nach Regieanweisung

"Dann verzichte ich lieber"

Rubens Barrichello, ehemaliger Kollege und "Teamorder-Opfer" von Michael Schumacher, hat in einer bemerkenswerten Stellungnahme die Moral in der gesamten Formel 1 angeprangert.

Rubens Barrichello; Rechte: dpa Lieber verlieren, als den "Bad Guy" zu spielen: Rubens Barrichello plädiert für Moral in der Formel 1.

"Wenn ich ein 'bad guy' sein muss, um Weltmeister zu werden, dann verzichte ich lieber auf den WM-Titel. So ein Weltmeister will ich nicht sein. So hat mich mein Vater erzogen, und so erziehe ich meine Kinder", sagte der Brasilianer am Donnerstag in Budapest und erntete damit während der offiziellen Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Ungarn spontanen Beifall der Journalisten.

Anweisung von Jean Todt

Barrichello, der derzeit wie Nico Hülkenberg (Emmerich) bei Williams fährt, hatte seinen damaligen Teamkollegen Schumacher 2002 in Österreich nach dem legendären Kommando von Jean Todt ("Let Michael pass for the Championship") vorbeiziehen lassen müssen. Wenn man ihm den Weg so freimachen würde, würde er ablehnen, versicherte Barrichello.

"Fahrer müssen gegeneinander fahren"

"Ich habe so etwas noch nie getan. Und dass solche Dinge vorkommen, ist der Grund, warum ich öfter das Team gewechselt habe", sagte der 38-Jährige: "Die Fahrer müssen gegeneinander fahren, alle, das ist der Sinn des Rennsports. Und wenn mir dann am Ende ein Punkt zum WM-Titel fehlt, dann ist das eben so."

Mitleid hat der erfahrenste Pilot im Feld mit seinem Landsmann Felipe Massa, der am Sonntag in einer ähnlichen Situation den Sieg an Fernando Alonso abtreten musste. "Es tut mir sehr leid für ihn. Felipe ist ein Freund und ich hätte ihm gewünscht, dass er diese Erfahrung nicht machen muss", sagte der Brasilianer: "Er fühlt sich genauso, wie ich mich viele Male gefühlt habe."

Vettel und Schumacher nachdenklich

Dass die Teamorder von Hockenheim nicht gerade eine Werbemaßnahme für die Formel 1 war, schwant inzwischen auch Sebastian Vettel und sogar Michael Schumacher. "Was in Hockenheim passiert ist, sieht nicht gut aus für uns alle und für den gesamten Sport", sagte Vettel am Donnerstag (29.07.10) in Budapest: "Dass so etwas passiert, ist keine Überraschung, denn das hat es in den letzten Jahren immer wieder gegeben. Aber die Art, wie es passiert ist, war ungewöhnlich."

Rekord-Champion Schumacher pflichtete ihm bei. "Ich muss Sebastian Recht geben", sagte der siebenmalige Weltmeister, gab aber nicht seinem Ex-Team Ferrari, sondern dem Verbot der Teamorder die Schuld: "Die Art und Weise, wie die Dinge aufgrund der Regel umgesetzt werden, schadet uns allen." Eine Lösung habe er mittlerweile im Kopf, will sie aber erst mit den maßgeblichen Stellen besprechen: "Es bringt nichts, wenn jetzt 1000 Ideen in die Öffentlichkeit posaunt werden."

sid | Stand: 29.07.2010, 16:15

 

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