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10.02.2012 | 11.20 Uhr

11. Juni bis 11. Juli FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 TM

Andere Teams

Spanien verdient Weltmeister

Minimalisten mit Geduld zum WM-Titel

Von Ernst Eisenbichler

Ballsicher, technisch versiert, traumhaft kombinierend. Wie kein anderes Team beherrschten die Spanier bei dieser WM die Gegner. Zum Sieg reicht in der Regel ein Treffer - und unendliche Geduld: Wenn es sein muss, fällt das entscheidende Tor in der 116. Minute.

Spanische Spieler mit dem WM-Pokal; Rechte: dpa Die begehrteste Fußball-Trophäe für den erfolgreichsten Fußball

Auftaktniederlage gegen die Schweiz - geschenkt. Spaniens Meistertrainer Vicente Del Bosque überprüfte kurz das System und setzte zum Neustart an. Es folgten Siege gegen Honduras und Chile. Der Europameister war zwar noch nicht auf der Höhe seiner Spielkunst, aber es reichte zum Gruppensieg.

Zelebrierter Fußball

Im Achtelfinale gegen Nachbar Portugal zeigten die Spanier dann, wie sie gedachten, den Titel einzufahren. Wer einen Spielrausch zweier ballverliebter Nationen erwartete, war im falschen Film. Der Zuschauer wohnte einem Taktikgipfel von zwei strategisch ausgerichteten Teams bei. In dieser Partie demonstrierten die Spanier erstmals so richtig das, wofür sie mittlerweile berühmt sind: Sie "zelebrierten" ihr System, wie Bundestrainer Joachim Löw das bezeichnet.

Konkret: Gekonnte Stafetten garantieren einen hohen Prozentsatz an Ballbesitz. Man lässt lieber Ball und Gegner laufen, um eigene Kräfte zu schonen, ist aber trotzdem ständig in Bewegung: Dem Ballführenden bieten sich immer mindestens zwei Kollegen an. Jeder kann theoretisch jede Position. Entgegen ihres Spitznames "Furia roja'" (rote Furie) spielen die Spanier nicht entfesselt, sondern extrem kontrolliert. Die "Frankurter Allgemeine Zeitung" verglich sie gar mit "Großinquisitoren", die den Gegner unendlich lange mürbe arbeiten, bis er "ein Tor gesteht". Auch Portugal wurde auf diese Weise "vollstreckt". David Villa wartete bis zur 63. Minute, bis er den 1:0-Endstand herstellte.

Spanier durch raue Gangart zu beeindrucken

Mehr zum Team

Taktik-Freaks brechen angesichts des spanischen Prinzips in Begeisterungsstürme aus, "Otto-Normal-Zuschauer" findet diese Art von Fußball dagegen zuweilen weniger schön. Ungeheuer effektiv ist sie allemal. Der Beweis: das Viertelfinale gegen Paraguay. Wieder Villa, wieder ein spätes Tor (83. Minute), wieder ein 1:0-Sieg. Dennoch deuteten die Südamerikaner in diesem Spiel an, wie das rot-gelb-rote System zu knacken wäre. Mit aggressivem Pressing gelang es ihnen, die Spanier mit ihrem "tiqui-taca" (englisch: one-touch-soccer) doch ab und zu in Verlegenheit zu bringen. Teilweise zu dritt und zu viert attackierten sie den ballführenden Gegner. Und wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn Oscar Cardozo seinen Elfmeter nicht verschossen, sondern Paraguay in Führung gebracht hätte?

Beste Vorstellung gegen die Deutschen

Etwas von Paraguays "Gegengift" hätte man auch dem deutschen Team im Halbfinale verabreichen sollen. Löws Elf trat viel zu zaghaft gegen das Vorbild Spanien auf. Für die Iberer muss die Partie gegen Deutschland fast wie eine Erholung gewirkt haben. Allerdings erwischten sie auch eine Sternstunde ihrer WM-Geschichte und brachten ihr System ausgerechnet gegen Schweinsteiger und Co. zur Vollendung. Und blieben ihrer Tradition treu: Das 1:0-Endergebnis stellten sie in der 73. Minute her.

K.o.-Sieger gegen überharte Niederländer

Holland lernte daraus. Im Finale machten die Spanier zwar zunächst da weiter, wo sie gegen Deutschland aufgehört hatten. Doch nach einer Viertelstunde schaltete "Oranje" auf eine harte Gangart um. Die Niederländer gingen konsequent auf die jeweils ballführenden Spanier, was deren sonst so sicheres Pass-Spiel für lange Zeit deutlich aus dem Tritt brachte. Sneijder, van Bommel und Co. zwangen die Iberer auf diese Weise gar zu völlig ungewohnten Schnitzern in der Abwehr. Alleine für Arjen Robben ergaben sich dadurch zwei Großchancen, den Titel erstmals nach Holland zu holen. Doch "Oranje" übertrieb es mit der Härte. So gehörte Nigel de Jongs Attacke in der 30. Minute gegen Xabi Alonso nicht mehr in die Kategorie Zweikampf, sondern Kung-Fu. Die Rote Karte blieb dem Ex-Hamburger aus unerfindlichen Gründen erspart. Spätestens in der Verlängerung fand die "Selección" aber wieder zur gewohnten Dominanz zurück. Am Ende setzte sich doch nicht die rustikale Gangart durch, sondern weltmeisterliches Kombinationsspiel - nach bekanntem Muster: Iniesta, Xavi und Co. gewannen 1:0 durch ein spätes Tor, diesmal fiel es in der 116. Minute. Spanien ist verdienter Champion.

Stand: 12.07.2010, 11:45

 
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