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Südafrika - Land und Leute
Künftige Nutzung der WM-Stadien ist völlig unklar
Es drohen "weiße Elefanten"
Von Olaf Jansen
Bestürzt stellten die Stadt-Oberhäupter in Rustenburg kürzlich fest, dass ihr neues WM-Stadion etwas zu klein für Cricket geraten ist. Derzeit wissen sie nicht, was sie mit der Arena künftig anstellen sollen. Ähnlich geht es ihren Kollegen in den anderen WM-Austragungsorten.
Fünf Meter zu kurz - Stadion in Rustenburg
Als die Stadträte von Rustenburg kürzlich zusammentrafen, um noch einmal über die künftige Nutzung des schönen neuen Stadions in ihrer Gemeinde zu beraten, hörten sie Unschönes. "Fünf Meter zu kurz" sei die prunkvolle WM-Arena, um dort künftig Cricket spielen zu können, berichtete ein örtlicher Sachverständiger. Es sei ärgerlich, dass dies im Vorfeld des Stadionbaus nicht bedacht worden sei – nun sei es nicht mehr zu ändern. Kein Cricket in Rustenburg, damit steigt die Gefahr, dass auch das Royal Bafokeng-Stadion inmitten der afrikanischen Savanne rund 130 Kilometer nordwestlich von Johannesburg zu einem "weißen Elefanten" verkommen wird.
Es ist viel gesprochen worden in den letzten Wochen über "weiße Elefanten", mit denen im englischen Sprachgebrauch teure Bauwerke bezeichnet werden, die nutzlos in der Gegend herumstehen. Und es besteht kein Zweifel: Südafrikas WM-Stadien, in deren Neu- bzw. Umbau offiziell 1,36 Milliarden Euro gesteckt wurden, droht eben jenes Schicksal. In Rustenburg, Heimat des ehrwürdigen Bafokeng-Königreichs, wird so gut wie kein Rugby gespielt, überhaupt ist es mit Spitzensport in dieser Provinz nicht weit her. Bisher trugen im Bafokeng-Stadium die Erstligafußballer der Platinum Stars ihre Spiele aus. Bei durchschnittlich 1.500 Zuschauern pro Partie konnten sie jedoch schon das alte Stadion nicht annähernd füllen. Und es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum in die für viel Geld modernisierte Arena nun mehr Fans kommen sollten.
Örtlicher Fußballklub ist pleite
Alarm meldete vergangene Woche auch Port Elizabeth, wo für rund 120 Millionen Euro das rund 42.000 Fans fassende Nelson Mandela Bay Stadium errichtet worden ist. Der örtliche Fußballklub "Bay United" ist pleite gegangen und an neue Investoren verkauft worden. Die allerdings stammen nicht aus Port Elizabeth und waren in erster Linie an der Erstligalizenz des Klubs interessiert. Kaum vorstellbar, dass die neuen Eigner in den sauren Apfel beißen und die Heimspiele des Klubs ausgerechnet im neuen Stadion am Indischen Ozean ausrichten, wo die Miete sündhaft teuer sein wird. Auch zu Bay United kamen im vergangenen Jahr schließlich selten mehr als 2.000 Zuschauer pro Heimspiel.
Die hohen Unterhaltskosten sind das Kernproblem beinahe aller neu entstandenen Stadien. In Polokwane etwa rechnet der städtische WM-Direktor Ndhave Ramakuela mit laufenden Kosten zwischen ein und sieben Millionen Euro jährlich. Wer dort spielen soll, ist gegenwärtig ebenso unklar wie in Nelspruit. Dort, rund 60 Kilometer südlich des Krüger Parks, gibt es überhaupt keinen professionellen Sport – kein Rugby, kein Cricket, kein Fußball. Rund 120 Kilometer entfernt, in Witbank, residiert der nächste kleine Profi-Fußballverein. Derzeit steht man in Verhandlungen, ob der Klub nach Nelspruit umgesiedelt werden soll. Um das WM-Stadion in Nelspruit, in dem letztlich vier Vorrundenspiele der WM stattfanden, hatte es schon jahrelang im Vorfeld der WM riesigen Streit gegeben, weil die Stadt kurzerhand Landbesitzer enteignet hatten, um den Bau zu realisieren.
Rugby im Ellis Park
Einzig ein klein wenig besser ist die Prognose für die Arenen in Johannesburg. Sowohl Soccer City als auch der Ellis Park werden auch in der Zukunft Profisport beheimaten. Während der Ellis Park schon seit vielen Jahren gut besuchte Heimstätte verschiedener Rugby-Klubs ist, soll in Soccer City vor allem Fußball stattfinden. In unmittelbarer Nähe, in Soweto, sind die beiden größten Vereine des Landes, die Orlando Pirates und die Kaizer Chiefs beheimatet. Zumindest die Derbys dieser beiden Klubs, die regelmäßig bis zu 80.000 fußballbegeisterte Schwarze anziehen, sollen hier ausgetragen werden. Außerdem soll das südafrikanische Nationalteam hier sämtliche Heimspiele austragen.
Dennoch wird nun auch Soccer City keinesfalls Woche für Woche seine Tore öffnen können. Die Orlando Pirates verfügen mit dem Orlando Stadium rund sechs Kilometer entfernt über eine Arena, die mit ihren 35.000 Plätzen für die meisten Heimspiele völlig ausreichend ist. Und die Kaizer Chiefs, bei denen im Schnitt rund 20.000 Fans zu den Heimspielen kommen, werden den Großteil ihrer Begegnungen im ebenfalls für die WM frisch renovierten Rand-Stadium austragen. Dort, rund zehn Kilometer vom Vereinssitz entfernt, finden knapp 30.000 Fans Platz. Und die Mietkosten betragen nur einen Bruchteil derer von Soccer City.
Stand: 09.07.2010, 13:05
Samstag, 04.02.2012
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Übertragung aus Kiel
- Reporter: Tom Bartels
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Reporter: Tobias Barnerssoi
Zusammenfassung aus Soldeu
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