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Das Duo Delling/Netzer hört auf
"Ein 'Du' für Delling wäre albern"
Günter Netzer hat beim Spiel um den dritten Platz seinen letzten Auftritt als ARD-Fußballexperte. Im sportschau.de-Interview spricht er über den Anfang, das Ende und warum es beim "Sie" zwischen ihm und Gerhard Delling bleibt.
Herr Netzer, Sie sind ja gemeinsam mit Gerhard Delling für Ihre Auftritte mit viel Lob überschüttet worden, haben sogar den begehrten Grimme-Preis gewonnen. Warum machen Sie jetzt Schluss?
Günter Netzer: Das ist eine Entscheidung, die schon länger feststeht. Es war mein persönliches Gefühl, dass ich das nach einer so langen Zeit jetzt beenden musste. Umso schöner ist es, dass das so ausgegangen ist, dass wir wirklich eine gute Leistung erbracht haben. Natürlich hat uns auch die deutsche Mannschaft dabei geholfen, das verkennen wir keineswegs. Es ist einfach eine runde Sache gewesen und wir sind damit sehr zufrieden.
Was macht Günter Netzer jetzt danach?
Netzer: Nun, es ist ja Gott sei Dank schon sehr vieles dagewesen in meinem Leben, dass ich sagen kann, ich falle in kein tiefes Loch. Ich will nicht ausschließen, das mir die Auftritte das eine oder andere Mal fehlen werden. Aber ich habe meine ganzen Karrieren, wenn ich das so sagen darf, beendet, wenn es am besten war und so ist das hier auch der richtige Zeitpunkt.
Das Schönste wäre ja wohl gewesen, wenn Sie ein Finale mit deutscher Beteiligung hätten moderieren können. Wenn Sie mal einen Blick nach vorne versuchen: Ist das eine Mannschaft, der die Zukunft gehört, wie viele Experten glauben?
Netzer: Ja, da kann ich mich nur anschließen. Sie hat uns hier mit ihrem Auftreten überrascht und verwöhnt. Das Potenzial dieser Mannschaft ist noch nicht ausgeschöpft, von einzelnen Spielern auch nicht. Es ist bewundernswert, wie sich einige Spieler entwickelt haben während dieser WM. Schweinsteiger ist überragend gewesen, er hat seine Rolle perfekt ausgefüllt. Das gibt viel Hoffnung. Jetzt muss nur der Trainer bleiben.
Glauben Sie, dass Jogi Löw bleibt?
Netzer: Ich habe keine Ahnung. Aber es wäre auch von seiner Seite klug, das weiterzuführen. Er hat diese Mannschaft ins Leben gerufen, er sollte jetzt auch dabeisein, wenn sie sich weiterentwickelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er irgendwo eine bessere Arbeit findet. Das sollte er sich dreimal überlegen, das aufzugeben.
Am Anfang stand ein Spiel gegen Israel
Springen wir mal 13 Jahre zurück zu den Anfängen von Günther Netzer und Gerhard Delling. Wie kamen Sie zu ihrem Job als ARD-Fußballexperte?
Netzer: Gerhard Delling sagt immer, Israel war der entscheidende Moment. Da habe ich ein Interview gemacht über die deutsche Mannschaft, die da wirklich furchtbar gespielt hat und ich habe das dementsprechend auch so gesagt. Da waren Einige der Überzeugung, dass ich das wirklich machen könnte und dann wurde verhandelt wegen der WM 1998. Da ich beim Schweizer Fernsehen war und mir das auch viele Spaß gemacht hat, Fernsehen zu machen, habe ich zugestimmt.
Sticheleien sind keine Strategie
Sie haben mit Gerhard Delling im Duo ja einen ganz eigenen Stil entwicket. Diese kleinen Frotzeleien und Sticheleien. Viele Zuschauer denken ja, Sie könnten sich untereinander überhaupt nicht leiden.
Netzer: Wir werden das auch immer sehr oft gefragt. Das ist keine Strategie, die dahinter steckt, keine erfundene Kommunikation. Wir sprechen genauso miteinander im privaten Leben wie vor der Kamera - da gibt es keine Unterschiede. Das ist unser Stil, miteinander zu reden. Da ist immer ein wenig Flachs dabei. Gefeilt haben wir da noch nie daran.
Zum Stil gehört ja auch das distanzierte "Sie" gegenüber Delling. Gibt es zum letzten Auftritt am Samstag beim kleinen Finale ein Angebot fürs "Du"?
Netzer: Nein, das wäre allzu albern glaube ich - und zu konstruiert. Das werden wir natürlich nicht tun.
Sie analysieren die Spiele ja immer sehr eingehend, gab es auch mal ein Spiel, dass Sie sprachlos gemacht hat?
Netzer: Nein. Das ist die Verpflichtung, dass man nicht sprachlos bleiben kann, egal was wir da erleben. Man kann dann nur sein Entsetzen artikulieren.
Obwohl Sie über sich selbst sagen, Sie seien "kein Mann für die Show", haben Sie jetzt 13 Jahre als Fernseh-Fußballexperte hinter sich. Was sagen Ihre Frau und Tochter zu ihren Auftritten?
Netzer: Die sind natürlich interessiert. Die Tochter weniger als die Frau, die nun auch für mein Outfit verantwortlich zeichnet und dieses mit Argusaugen beobachtet. Sie versteht überhaupt nichts von dem, was ich sage über Fußball. Aber das Gesamterscheinungsbild, da haben Frauen einen guten Sensor für. Darüber sprechen wir, nicht über Fußballtaktik. Da hat sie sich immer zurückgehalten. Das wäre auch ziemlich schlimm für mich.
Die Fragen stellte Martin Heuser
Stand: 09.07.2010, 16:17
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