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12.03.2010 | 22.21 Uhr

Eishockey

Kölner führt bundesweite Rangliste der Eishockey-Fans an

Deutschlands erfolgreichste Icehopper

Von Stefan Kaufmann

Ein Kölner und ein Düsseldorfer haben rund 5.000 Spiele in 290 Stadien der Welt gesehen. Eishockey ist für sie mehr als eine Leidenschaft. Auch im Sommer sind sie unterwegs, sammeln Icehopper-Punkte und machen sich Gedanken über die Zukunft des Sports in Deutschland.

Zum 51. Geburtstag wollte sich Rolf-Peter Hang-Stockenschneider selbst beschenken - mit Eishockey. Das ist im Juni während der Sommerpause kein einfaches Unterfangen. Also studierte der Düsseldorfer vor der Bescherung die Spielpläne im Internet und fand sein nächstes Ziel in der Türkei, die Endrunde der Ersten Liga, Istanbul Buz Kartallari gegen Istanbul Bogazici Paten. Außerdem erstand er Tickets für weitere fünf Partien türkischer Nachwuchsteams im Stadion von Ankara. Das war sein Geburtstags-Urlaub.

Damit rückte Hang-Stockenschneider - Ankara sei Dank - bis auf einen Stadionpunkt an seinen Freund und Rivalen Hans-Hubert Keßler heran. Der 60-Jährige ist Deutschlands Icehopper Nummer eins. An die 5.000 Eishockey-Spiele hat er gesehen und in den vergangenen drei Jahrzehnten 290 Eisflächen kennengelernt. Noch führt Keßler die bundesweite Rangliste der Eishockey-Fans an, die über ihre Stadienbesuche in der ganzen Welt genau Buch führen. Jedes Spiel auf einer neuen Eisfläche, einem neuen "Ground", bringt einen Punkt.

Köln-Düsseldorfer Begegnung in Moskau 1982

Hans-Hubert Keßler; Rechte: WDR / Stefan Kaufmann

Deutschlands bester Icehopper: Hans-Hubert Keßler

Der eiserne Vorhang ist noch zugezogen, als sich der Düsseldorfer Hang-Stockenschneider und der Kölner Keßler, Spitzname Haie-Wolf, in Moskau das erste Mal begegnen. 1982 darf die deutsche Nationalmannschaft am Iswestija-Cup, dem traditionsreichen Einladungsturnier in der russischen Hauptstadt, teilnehmen. "Wenn zwei aufeinander treffen, die so eine verrückte Reise aus dem gleichen Grund machen, die müssen sich verstehen", sagt Keßler über den ersten Kontakt auf einem Stehplatz in der bitterkalten Moskauer Eishalle. Künftig sehen sie sich häufiger. "Wir haben manchmal bis zu 200 Partien im Jahr besucht, darunter viele Jugendspiele in unserer Region, da bleibt es nicht aus, dass es zu Überschneidungen kommt", sagt Keßler, der später Patenonkel von Hang-Stockenschneiders ältestem Sohn wird.

Die Faszination Eishockey verbindet die beiden Männer. "Es ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis, wenn ich ein Stadion betrete, mich umschaue, die Mannschaften einlaufen und die Fans singen", erzählt der zweifache Familienvater Hang-Stockenschneider. Dieses Paket gepaart mit der Neugierde auf Städte und Länder machen für ihn das Spektakel aus. Und dieses Gefühl stellt sich bei ihm in der amerikanischen Profi-Liga NHL genauso ein wie bei der offenen Eisfläche im Hafen von Monte Carlo oder bei einem Spiel der Thüringen-Liga. "Moderne Riesenhallen sind beeindruckend und sie sichern die Zukunft des höherklassigen Eishockeys", sagt Hang-Stockenschneider. "Aber ich freue mich auch, wenn ich auf der Tribüne noch Handschuhe und Mütze anziehen muss."

"Vielerorts stimmt die Basisarbeit nicht"

Bei Hang-Stockenschneider, der als Jugendlicher an der Brehmstraße der Düsseldorfer EG zujubelte, ist aus der Liebe zum Verein längst eine Liebe zum Eishockey-Sport geworden. Keßler hängt bis heute an seinen Haien. Früher, als der aktuelle Nationaltrainer Uwe Krupp noch für die Kölner Junioren über das Eis flitzte, sammelte Keßler als Jugendobmann bereits unbewusst Icehopper-Punkte. Heute sitzt er im Vorstand des Nachwuchsvereins "Die Haie" e.V. Und so sieht er die Probleme des deutschen Eishockeys aus nächster Nähe. "Vielerorts stimmt die Basisarbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht, es fehlen Eiszeiten wie Trainer", sagt Keßler. "Und später funktioniert der Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich kaum." Die Nachwuchsarbeit endet in Deutschland mit 17 - zu früh. "Körperlich sind die meisten dann aber noch nicht weit genug für die Profi-Ligen."

Bis zur Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land sind diese strukturellen Defizite nicht aufzuholen. "Wir sollten nicht zu viel erwarten und auch nicht übersehen, dass die deutsche Nationalmannschaft immer zweitklassig gewesen ist", sagt Keßler. Neu sei, dass ihr jetzt auch Nationen wie Österreich, Frankreich oder Dänemark sportlich Probleme bereiteten. Auf ein großartiges Turnier hoffen die Icehopper trotzdem. Ihre Eintrittskarten für das Auftaktspiel gegen die USA in der Arena auf Schalke, das mehr als 70.000 Fans sehen wollen, haben sie bereits bestellt.

Für das Jubiläum der beiden Icehopper kommt der neue Ground in Gelsenkirchen aber zu spät. Ihren 300. Punkt wollen sie gemeinsam holen. Zurzeit denken sie über eine Fahrt nach Barcelona nach - die brächte sogar noch einen Länderpunkt.

Stand: 30.06.2009, 08:30

 

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