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Abend der kurzen Kämpfe in Neubrandenburg
Helenius knockt Brewster aus - Murat auf Kurs
Ex-Schwergewichts-Weltmeister Lamon Brewster hat in Neubrandenburg sein "Nordic Nightmare" erlebt. Der US-Boxer, der Wladimir Klitschko 2004 geschlagen hatte, verlor am Samstag (30.01.2010) gegen den Finnen Robert Helenius. Ebenfalls einen tollen Auftritt im Jahnsportforum hatte Intercontinental-Champion Karo Murat. Auch weitere Sauerland-Hoffnungen überzeugten.
Starker Auftritt von Helenius (re.): Der Finne siegte in Neubrandenburg gegen Lamon Brewster.
Schwergewichtler Robert Helenius hat den schwersten Kampf seiner Karriere gewonnen. Der Finne aus dem Sauerland-Boxstall besiegte am Samstag (30.01.2010) in Neubrandenburg Ex-Weltmeister Lamon Brewster durch TKO. Der Schweizer Ringrichter Fabian Guggenheim brach den Fight nach 2:31 Minuten in der achten Runde ab - Brewster war nach zwei starken Rechten des "Nordic Nightmare" verteidigungsunfähig.
Elfter Sieg für Helenius - sechste Niederlage für Brewster
Lamon Brewster (li.) fand gegen Robert Helenius kein Rezept: Nach Punkten lag er deutlich hinten, ehe der Kampf in der achten Runde vom Ringrichter abgebrochen wurde.
Kurz nach dem Kampf lobte Brewster seinen Kontrahenten: "Du warst okay. Arbeite weiter hart." Helenius musste sich in dem Duell zweier Sauerland-Boxer in der ersten Runde zwar noch gegen einen stürmisch angreifenden US-Boxer erwehren, hatte das Duell ab der zweiten Runde aber im Griff. Mit seiner Führhand setzte er dem in 40 Kämpfen gestählten 36-jährigen Brewster zu. Mit einer trockenen Rechten schickte Helenius den Ex-Weltmeister bereits in der zweiten Runde auf den Boden. "Wie ein Fuchs musst Du auf der Lauer sein", gab Helenius-Trainer Ulli Wegner seinem Schützling in der Ringpause mit auf den Weg. Der in Schweden geborene Finne hielt sich daran und zermürbte Brewster mit seinem Jab.
Brewsters Coach Shadee Saluki sah seinen Mann auf verlorenem Posten und ermahnte ihn vor der achten Runde: "Du musst ihn ausknocken. Sonst wird das nichts." Kurz darauf schlug es aber beim US-Boxer folgenschwer ein. Brewster kassierte seine sechste Niederlage im 41. Kampf. Eine Entscheidung zum eventuellen Ende seiner Karriere wollte Brewster kurz nach dem Fight noch nicht fällen: "Mal sehen, wie es mit mir weitergeht. Ich bin natürlich sehr enttäuscht." Eine Zukunft im Sauerland-Boxstall dürfte Brewster nicht haben: Nach seiner zweiten Niederlage in Serie löst sich sein Vertrag automatisch auf.
Gerber siegt gegen Dettweiler vorzeitig
René Dettweiler (li.) wird nach einem Volltreffer von Gerber von Ringrichter Ingo Barrabas aus dem Kampf genommen.
Im ersten Sauerland-internen Stallduell des Abends hatte kurz zuvor auch Edmund Gerber wenig Respekt vor seinem erfahrenen Gegner gezeigt: Der Schweriner bekam es in seinem zehnten Profikampf mit René Dettweiler zu tun. Dettweiler, einst von Weltmeister-Trainer Manfred Wolke und aktuell von Otto Ramin betreut, stand vor dem Duell bereits 27 Mal im Ring und feierte 25 Siege. Gegen Gerber half ihm seine Erfahrung jedoch wenig. Nach ausgeglichener erster Runde ließ Rechtsausleger Dettweiler in der zweiten Runde seine Deckung einen Moment lang zu lässig hängen – sofort schlug eine Rechte bei ihm ein, von der sich Dettweiler nicht mehr erholte. Zwar konnte der Frankfurter den Kampf fortsetzen, doch nur kurz: Nach dem nächsten Gerber-Schlag brach Ringrichter Ingo Barrabas das Duell der früheren Trainingspartner ab. Ein Triumph für Gerber, den der Schützling von Trainer Karsten Röwer vorausgesehen hatte: "Ich hatte tatsächlich davon geträumt, ihn k.o. zu schlagen", so der 21-Jährige, der selbstbewusst hinzufügte. "Ich will Weltmeister werden. Und ich weiß, dass ich boxen kann. Da darf ich nicht zu viel Respekt vor meinen Gegnern haben." Dettweilers Zukunft im Sauerland-Boxstall dürfte nach seiner dritten Niederlage dagegen eher düster aussehen.
Murat: "Will in diesem Jahr um WM boxen"
Anders bei Karo Murat, der sogar auf einen baldigen WM-Kampf hoffen kann. Der von Weltmeister-Coach Ulli Wegner betreute Bayer verteidigte in Neubrandenburg den WBO-Intercontinental-Titel in beeindruckender Manier. In seinem erst zweiten Kampf im Halbschwergewicht feierte der frühere Supermittelgewichtler Murat seinen 21. Sieg im 21. Kampf. Den Herausforderer Sean Corbin aus Guyana schlug er bereits in der zweiten Runde k.o.. Mit drei linken Haken schickte der 27-jährige Murat seinen acht Jahre älteren Gegner drei Mal zu Boden, bevor Ringrichter Micky Vann aus Großbritannien den Kampf abbrach. "Der Trainer hat mir gesagt, dass ich erst mal abwarten soll und in der zweiten Runde dann zulegen. Das habe ich gemacht", so Murat, der nun endlich einen "richtigen" Titel will: "Ich hoffe, dass ich bereits in diesem Jahr um eine WM boxen kann." Im Sauerland-Boxstall blickt man dabei Richtung Schwerin: Falls der dort wohnende WBO-Weltmeister Jürgen Brähmer nach seiner Verurteilung wegen Körperverletzung und Beleidigung erneut ins Gefängnis muss, könnte Murat bald um den vakant werdenden Titel boxen.
Pulev schickt Skelton vorzeitig nach Hause
Seinen Ruf als große Box-Hoffnung bestätigte zuvor der Bulgare Kubrat Pulev. Der Schwergewichts-Amateur-Europameister musste sich in seinem fünften Profikampf mit dem Briten Matt Skelton auseinandersetzen, sein bislang schwerster Gegner. Der frühere Thai-Box-Weltmeister Skelton bestritt bereits 26 Profikämpfe und stand mit starken Leuten wie Ruslan Chagaev, Paolo Vidoz oder Francesco Pianeta im Ring. Im Kampf der Generationen – der 28-jährige Pulev hatte den 43-jährigen Skelton vor den Fäusten – machte Pulev letztlich kurzen Prozess. Der Bulgare ging verhalten aber konzentriert in den Kampf und bestimmte ab der zweiten Runde das Duell. Mit seiner Führhand setzte er Skelton entscheidend zu. Die Linke des von Trainer Otto Ramin betreuten Pulev beendete den Fight schließlich auch: Nach einem Körpertreffer in der vierten Runde stand Skelton nicht mehr auf.
Starker Auftritt von Dirks
Den Kampfabend eröffnet hatte ebenfalls ein Ramin-Schützling: Der Berliner Halbschwergewichtler Dustin Dirks feierte dabei einen überzeugenden Sieg. Gegen den Argentinier Juan Manual Garay, nicht zu verwechseln mit Ex-Weltmeister Hugo Hernan Garay, hatte Dirks nur in der ersten Runde leichte Probleme. Anders als sein Sauerland-Boxkollege Martin Kempf, der sich im Juni 2009 von den wilden Schwingern Garays beeindrucken ließ, konterte Dirks klug. Bereits nach der zweiten Runde blutete Garay schwer aus der Nase, nach zwei weiteren deutlichen Runden für den Deutschen beendete der Ringrichter den zunehmend ungleichen Kampf. Dirks feierte seinen 13. Sieg im 13. Kampf. Garay verließ den Ring zum neunten Mal als Verlierer.
Zu einem weiteren vorzeitigen Sieg kam der Fürstenwalder Halb-Mittelgewichtler Nick Klappert. Gegen den kurzfristig eingesprungenen Ungarn Janos Petrovics, der den verletzten Marco Schulze ersetzte, siegte Klappert durch TKO in der dritten Runde. Den einzigen Kampf über die volle Distanz hatte Mittelgewichtler Jürgen Doberstein. Der erst vor kurzem zu Trainer Karsten Röwer gewechselte Saarländer und Wahl-Berliner hatte mit dem Marokkaner Abdelouahed Ben Lelly so seine Probleme - siegte letztlich aber klar nach Punkten. Die Einschätzung des Trainers war nach dem Kampf eher verhalten optimistisch: "Wir haben noch viel zu tun, mein Dicker."
Stand: 27.01.2010, 20:06
Samstag, 13.03.2010
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