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18.03.2010 | 22.06 Uhr

Boxen

Boxabend in Ludwigsburg

Povetkin und Britsch bringen sich in Stellung

Beim Boxabend in Ludwigsburg hat sich der russische Schwergewichtler Alexander Povetkin ein Stück Selbstvertrauen für ein Duell mit IBF-Weltmeister Wladimir Klitschko geholt. Ebenso erfolgreich waren die Lokalmatadoren Dominik Britsch und Artur Hein. Francesco Pianeta konnte im Schwergewicht dagegen nicht glänzen. Insgesamt gab es vor dem WM-Kampf Huck gegen Afolabi drei Knockouts in acht Fights.

"Lokalheld" Dominik Britsch konnte sich zurecht feiern lassen. ; Rechte: Photowende

Schwergewichtler Alexander Povetkin hat sich gegen den US-Amerikaner Leo NolanSelbstvertrauen für einen WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko geholt. Beim Boxabend in Ludwigsburg bezwang er den 37-jährigen Nolan durch K.o. in der 3. Runde. Nach einem linken Seithaken war Schluss.

Povetkin war immer Herr der Lage

Bis dahin ließ sich der Amerikaner regelrecht vorführen. Nach einer schönen Kombination hatte Povetkin in der 2. Runde seinen Gegner soweit, dass der nur noch in die Ringecke wanken konnte. Nach einem Haken war Nolan dann in Runde drei bereits am Boden, machte in dieser Situation aber zunächst weiter. Povetkin wirkte zwar besser als bei seinem letzten Sieg gegen Jason Estrada (USA), aber dennoch bleibt hinter seinem Potenzial ein Fragezeichen. Dazu war Nolan einfach zu schlecht. Der neue Povetkin-Trainer Teddy Atlas (USA) sagte: "Wir versuchen, ihm einen neuen Stil zu verpassen. Wir müssen die Verteidigung hochhalten." Zu einem Gegner "Klitschko" meinte er: "Je mehr Tage ich bekomme, um ihn perfekt zu machen, umso besser wird mir das gelingen." Povetkin ist beim Verband IBF der Pflichtherausforderer von Champion Wladimir Klitschko.

Das Interessanteste beim 3:0-Punktsieg von Schwergewichtler Francesco Pianeta gegen den Russen Evgeny Orlov passierte in den Ringpausen. Die Sprüche von Pianeta-Trainer Ulli Wegner hatten mehr Format als die sportliche Auseinandersetzung: "Du bist ja wie eine Flasche, gegen so eine Pfeife kannst Du doch glänzen, der ist ja noch langsamer als Valuev", meinte der Coach zu seinem Schützling. Der Gelsenkirchener Pianeta tat sich schwer gegen den 2,06-Meter-Riesen Orlov. Sein 20. Sieg im 21. Kampf war kein Glanzstück. In Gefahr geriet der Erfolg zwar nicht, aber der 25-Jährige ließ die ganz große Schlagstärke vermissen. Nach dem Fight meinte Pianeta: "Er war sehr unangenehm zu boxen, es gibt noch viel zu tun für mich."Zu den Wegner-Sprüchen sagte er: "Mein Trainer hat eine sympathische Art, dem kann man nicht lange böse sein."

Starkes Heimspiel von Dominik Britsch

"Lokalheld" Dominik Britsch konnte sich zurecht feiern lassen. ; Rechte: Photowende Lupe groß

"Lokalheld" Dominik Britsch konnte sich zu Recht feiern lassen.

Im ersten Titelkampf des Abends hatte IBF-Juniorenweltmeister Dominik Britsch (22) den Brasilianer Cleber Argente Alves "zu Gast". Britsch lebt nur 40 Kilometer von Ludwigsburg entfernt. Unterstützt von Familie und Heimfans feierte er einen überlegenen Erfolg durch technischen K.o. nach 2:54 Minuten in der 5. Runde. Zuvor hatte er jede Runde klar für sich entschieden. Vom angekündigten Kampfgeist von Alves war nicht viel zu sehen. Bislang hatte er zwar nur zweimal verloren, aber auch nur in seiner Heimatstadt Curitiba geboxt. Nachdem er von Britsch einen Leberhaken kassierte, wurde er angezählt. Mit viel Mühe hielt er sich zunächst noch im Kampf. Doch ein Schlaghagel des nachsetzenden Lokalmatadors führte dann zum Knockout. Fast gleichzeitig hatte auch die Ringecke von Alves das Handtuch geworden. Für Britsch war es der 17. Sieg im 17. Fight. Der Musterschüler von Trainer-Fuchs Ulli Wegner sagte: "Das Publikum war das beste, was ich je erlebt habe. Die ersten zwei Runde hatte ich etwas abgewartet, weil ich meinen Gegner nicht kannte. Ich werde nach dem Sieg auf keinen Fall abheben, denn ich weiß, dass es nach einem Schlag vorbei sein kann."

Schrecksekunde für Rohdiamant Schulz

Als erste „Warm-Upper“ des Boxabends von Ludwigsburg durften sich Lukas Schulz und Marcel Erler betätigen. Favorit Schulz gewann einstimmig nach Punkten 3:0. Dabei musste der Hamburger aber einige Schrecksekunden überstehen. Nachdem er seinen Gegner zunächst immer wieder in die Ecken drängen konnte, konterte Erler in der 3. Runde und traf Schulz mehrmals hart. Der Deutsche Meister von 2008 wurde angezählt und holte sich danach einen Rüffel von Trainer Carsten Röwer ab: "Was träumst Du denn?"Nach einer "Durchatmungsrunde" brachte Schulz den Sieg in der 5. Runde dann endlich unter Dach und Fach. Nach einer harten Rechten wurde Erler bis Acht angezählt. Das war die Entscheidung auf den Punktzetteln. Rohdiamant Schulz siegte 3:0 nach Punkten. Für Schulz war es im 4. Kampf der 4. Sieg, Erler kassierte die 8. Niederlage im 16. Fight.

Kempf: Zukunft bei Sauerland in den Sternen

Der junge Deutsche Martin Kempf (li.) kassierte gegen den US-Amerikaner Michael Simms eine bittere Niederlage. ; Rechte: Photowende Lupe groß

Der junge Martin Kempf (li.) kassierte gegen den US-Amerikaner Michael Simms eine bittere Niederlage.

In der schon früh gut gefüllten Arena in Ludwigsburg boxten danach, ebenfalls im Cruisergewicht, Martin Kempf und Michael Simms (USA) gegeneinander. Der 21-jährige Kempf stand nach zuletzt einer Niederlage und einem Unentschieden am Scheideweg, ihm drohte das Aus im Sauerland-Boxstall. Simms hat mit 35 Jahren schon allerhand erlebt. Als Amateur brachte er es zum WM-Titel und konnte unter anderem den heutigen Schwergewichts-Weltmeister David Haye (England) besiegen. Auch gegen die beiden Hauptkämpfer von Ludwigsburg, Huck und Afolabi, stand er schon im Ring – und verlor. Wie so oft in seiner Profikarriere. Von den vergangenen zehn Kämpfen verlor er gleich neun. Weder Kempf noch Simms rissendas Publikum von den Sitzen, oft sah es nach Schattenboxen aus. In der Schlussphase drückte der US-Amerikaner seinem jungen Kontrahenten seinen Stil, auf traf an den Körper. Kempfs verzweifelte Versuche landeten zu oft im Nirgendwo. Das Urteil auf den Punktzetteln: 3:0 für Simms. Alle drei Richter votierten 77:75 für den US-Mann.

Pulev schaukelte Siegesserie über die Runden

Im Schwergewicht hieß es wieder Routine gegen Unerfahrenheit. Zack Page (36/USA) stand schon 46 Mal im Ring, Routine gesammelt hat er dabei vor allem im Einstecken von Niederlagen. Der Bulgare Pulev (28), Amateur-Weltmeister 2008, ist eine Sauerland-Option für die Zukunft. Sein vierter Kampf galt als Etappe auf dem Weg zu mehr. Schon gleich zu Beginn kam Page gehörig in die Bredouille: Bei einem Luftschlag katapultierte er sich selbst fast aus dem Ring. Ansonsten war Pulev aber im Oberkörper beweglicher,obwohl er schwerer als sein Gegner ist. Nach einer schönen rechten Gerade taumelte Page zum ersten Mal. In der fünften Runde kam der Bulgare zweimal schön durch die Deckung des 36-Jährigen. Ein überflüssiger Pulev-Treffer auf den Hinterkopf von Page kommentierte das Publikum mit Pfiffen. In der letzten Runde schaukelte der Osteuropäer seinen Vorsprung über die Zeit. Er gewann 3:0 nach Punkten, in einem Duell, das keinen vom Hocker riss.

Erster K.o. in Ludwigsburg von Hein

Artur Hein (re.) war gegen Mile Nicolic ür den ersten K.o. in Ludwigsburg zuständig. ; Rechte: Photowende Artur Hein (re.) war gegen Mile Nicolic für den ersten K.o. in Ludwigsburg zuständig.

„Artur Hein macht alle klein“ – nach diesem Fanmotto verlief das vierte Duell in Ludwigsburg. Der in Stuttgart wohnende „Local Hero“ Artur Hein gewann im Halbschwergewicht gegen den Serben Mile Nicolic durch K.o. in der fünften Runde. Nach 2:58 Minuten und zwei Körpertreffern sowie einem Haken zählte Ringrichter Temml den Serben aus. Zuvor hatte er beachtliche Nehmerqualitäten an den Tag gelegt. Bereits zum Ende der zweiten und dritten Runde war er schwer getroffen worden. Bei Hein, der zuletzt noch etwas lethargisch gekämpft hatte, war diesmal der Wille auf ein schnelles Ende und auf Attacke spürbar. Für den 24-Jährigen war es der 11. Sieg im 11. Kampf. Nicolic kassierte die 4. Niederlage im 7. Ringauftritt als Profi. Hein meinte: „Es war gigantisch, vor dem Heimpublikum zu boxen. An meiner Deckung im Nahkampf muss ich noch arbeiten.“

Stand: 30.11.2009, 07:58

 

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