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Behindertensport
Langstreckenläuferin Michaela Kummer
"Laufen ist meine kleine Freiheit"
Laufen kann entspannen: Bei Michaela Kummer läuft die Aufregung immer mit. Denn die Langstrecken-Spezialistin sieht so gut wie nichts und muss immer damit rechnen, mit anderen Menschen zusammen zu stoßen. Von Bestleistungen hält sie das aber nicht ab.
Michaela Kummer
Die Anspannung ist immer da bei Michaela Kummer. "Beim Laufen stehe ich immer unter Strom", sagt die 44 Jahre alte Läuferin aus Calw nahe Stuttgart. Denn mit ihren zwei Prozent Sehkraft sieht sie gut wie nichts. Michaela Kummer leidet seit ihrem siebten Lebensjahr an Zapfen-Stäbchen-Dystrophie, einer Netzhauterkrankung, die zur Erblindung führt. "Ich sehe mein Gegenüber nicht", beschreibt sie ihre Einschränkung.
"Es ist wie ein Puzzle, bei dem man nur ein paar Teile hat und nur Umrisse erkennt." In einem bestimmten Blickwinkel nimmt sie Dinge wahr. Sie kann aber beispielsweise keine Gesichter von Personen erkennen. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr besuchte sie eine Regelschule - doch ihr Blickfeld wurde Stück für Stück kleiner. "Ich bin mit der Erkrankung groß geworden und habe mich damit arrangiert", sagt sie.
Weltrekord oder nicht?
Michaela Kummer betrachtet die Krankheit als Herausforderung. Im Laufen hat sie eine Möglichkeit gefunden, sich über die Sehschwäche hinweg zu setzen. "Laufen ist meine kleine Freiheit", sagt die zweifache Mutter. 1993 fing sie mit dem Joggen an und lernte ihren Mann Oliver kennen. "Würde er nicht so mitziehen, könnte ich das nicht machen. Ich bin ja doch abhängig von ihm, weil er immer mit zu den Wettkämpfen muss."
Sie läuft in der Klasse T12, in der Athleten mit einer Sehkraft von maximal vier Prozent starten. Den Weltrekord von 3:49 Stunden über die gut 42 Kilometer hätte die Calwerin schon bei ihren ersten drei Starts geknackt (3:22; 3:19; 3:18). Aber erst beim Frankfurt-Marathon im Oktober, bei dem sie nach 3:20 Stunden durchs Ziel lief, war alles offiziell angemeldet beim Deutschen Behindertensportverband - inklusive Dopingkontrolle.
Europameister an der Schnur
Ob ihr Rekord anerkannt wird, weiß Michaela Kummer aber immer noch nicht. Sie nimmt das gelassen: "Es würde mich nicht direkt frustrieren. Sonst versuch' ich es halt noch mal." Begleitet wurde sie unter anderem vom zweimaligen Ironman-Europameister Timo Bracht. Verbunden sind die beiden Sportler durch eine Schnur am Arm, durch die der Begleitläufer je nach Kurvenlage Druck ausüben kann und so die Richtung weist.
"Nicht mehr ohne fremde Hilfe joggen zu können, ist sehr schwer für mich", sagt Michaela Kummer. Stets versucht sie, so wenig wie möglich durch ihre Sehbehinderung aufzufallen, was aber nicht immer möglich ist: Sobald es dunkel wird, muss sie den Blindenstock zu Hilfe nehmen.
dpa | Stand: 26.12.2009, 08:00
Samstag, 13.03.2010
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