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09.02.2010 | 04.34 Uhr

Nationalmannschaft

Nach Triumph über Russland winkt die EM-Zwischenrunde

DBB-Team gelingt Überraschungssieg

Die jungen deutschen Basketballer haben bei der EM in Polen Titelverteidiger Russland entzaubert und stehen kurz vor dem Einzug in die Zwischenrunde.

Einen Tag nach der unglücklichen 65:70-Niederlage gegen Frankreich legte die verjüngte Mannschaft von Bundestrainer Dirk Bauermann auf dem Parkett in Danzig erneut einen beherzten Auftritt hin und feierte nach einer hochdramatischen Schlussphase einen überraschenden 76:73 (45:31)-Sieg gegen den Favoriten. Den Grundstein für den Erfolg über den 15-maligen Europameister legte die neu formierte deutsche Nationalmannschaft, der neben Superstar Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks auch NBA-Profi Chris Kaman abgesagt hatte, mit einer sensationellen ersten Halbzeit.

Vor 2.800 Zuschauern in der alten Olivia-Halle knüpften die deutschen "Riesen" sofort an die konzentrierte Leistung gegen Frankreich an. Zwei Blocks der Routiniers Patrick Femerling und Jan-Hendrik Jagla untermauerten die aggressive Verteidigung der Deutschen, die im ersten Viertel keinen erfolgreichen Zwei-Punkte-Wurf der Russen zuließen. Ein 12:0-Lauf und ein Dreier aus großer Distanz vom Braunschweiger Heiko Schaffartzik zur Schlusssirene beendeten ein bärenstarkes Auftaktviertel (26:12).

Russland zur Halbzeit geschockt

Im zweiten Abschnitt vergrößerte das DBB-Team, bei dem der leicht angeschlagene Konrad Wysocki bis auf seinen Einsatz in der letzten Minuten nur auf der Bank saß, sogar den Vorsprung: Erst stopfte Tim Ohlbrecht einen spektakulären Alley-Oop-Pass von Spielmacher Steffen Hamann in den Korb, ehe Hamann selbst per Drei-Punkt-Spiel zur 44:25-Führung (18.) erhöhte. Die nur mit drei Spielern vom Titelgewinn 2007 angetretenen Russen wirkten zur Halbzeit sichtlich geschockt.

Den Deutschen bereiteten hingegen vor allem die extrem kleinlich pfeifenden Unparteiischen Probleme. Nach den ersten beiden Vierteln waren sowohl Femerling, Sven Schultze und Elias Harris als auch Tim Ohlbrecht bereits mit drei Fouls belastet. Auf der Center-Position feierte deshalb der erst 19 Jahre alte Tibor Pleiß sein EM-Debüt. Den Start in den zweiten Durchgang verschliefen die DBB-Korbjäger dann aber. Russland, das unter anderem auf NBA-Star Andrej Kirilenko von Utah Jazz sowie Spielmacher J.R. Holden von ZSKA Moskau verzichten musste, verkürzten schnell auf acht Punkte (37:45).

Bauermann lobt seine Youngster

Dann aber schlug die große Stunde von Jagla, der die nächsten sieben Zähler für das deutsche Team erzielte und wieder einen beruhigenden Zehn-Punkte-Vorsprung herstellte. Doch in der Folge leisteten sich die "Bauermänner" einige Ballverluste. Das russische Team nutzte dies aus und kam bis auf fünf Punkte (55:50/29.) heran. Im Schlussabschnitt bewahrten die unerfahrenen deutschen Youngster, fünf Spieler sind 21 Jahre oder jünger, im Gegensatz zum Frankreich-Spiel die Nerven, auch wenn individuelle Fehler die Russen immer wieder zurück ins Spiel brachten.

Angeführt vom Oldie Sven Schultze und dem gut aufgelegten Jagla, die in der Schlussphase wie auch Hamann, Ohlbrecht und Sven Schultze nach ihren jeweils fünften Fouls vom Feld mussten, ließen sie sich den Sieg nicht mehr nehmen. Schaffartzik zum 71:67 und Robin Benzing zum 74:69 sorgten mit ihren Dreiern für die Entscheidung. "Das war ein toller Sieg für diese junge Mannschaft. Wir müssen nun sehen, was daraus wird. Aber die Leistungen heute und gestern waren schon großer Sport", lobte Trainer Bauermann sein Team.

Herausragender Jagla mit Double-Double

Vor allem Jagla, gegen die Franzosen mit fünf Zählern noch weit unter seinen Möglichkeiten, trumpfte bis zu seinem fünften Foul 2:25 Minuten vor Schluss gegen die starken Russen ganz groß auf. Als bester deutscher Werfer erzielte der 28-Jährige 19 Punkten, holte zudem noch elf Rebounds und war mit diesem Double-Double der Garant für den erst achten deutschen Sieg im 30. Duell mit der "Sbornaja", bei der Kelly McCarty und Anton Ponkraschow mit jeweils zwölf Punkten die erfolgreichsten Korbjäger waren.

Bei einem weiteren Sieg im letzten Vorrundenspiel am Mittwoch (09.09.2009) gegen Lettland, hätte die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) die Runde der besten 12 Teams sicher erreicht. Das deutsche Mannschaft könnte sich sogar eine Niederlage mit acht Punkten Differenz leisten, sollte Geheimfavorit Frankreich zuvor Russland schlagen. Die Franzosen gewannen am Dienstag (08.09.2009) gegen Lettland 60:51 (16:21) und machten damit bereits vorzeitig den Einzug in die Zwischenrunde perfekt. Auch Russland steht trotz der Niederlage gegen Deutschland in der nächsten Runde.

Jagla: Wollen auf jeden Fall Dritter werden

Matchwinner Jagla ließ keinen Zweifel daran, dass das Team gegen Lettland seinen zweiten Turnier-Sieg nachlegen will: "Wir wollen auf jeden Fall Dritter werden. Dafür werden wir kämpfen." Trainer Bauermann warnte sein Team vor dem letzten Vorrundengegner: "Ich erwarte gegen die Letten einen harten Straßenkampf", sagte der Bundestrainer.

sid/dpa | Stand: 08.09.2009, 16:03

 

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