Juryfehler mit gravierenden Folgen
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Silbernes Happy End
Juryfehler mit gravierenden Folgen
Von Sanny Stephan, Predazzo
Kein Wind, weite Sprünge, akrobatische Landungen und tolle Stimmung: Das WM-Mannschaftsspringen von der großen Schanze in Predazzo war beste Werbung für das Skispringen. Wenn da nicht ein Rechenfehler mit fatalen Folgen gewesen wäre. Dieser sorgte für ein WM-Novum. Auf dem Siegertreppchen posierte nur der Goldmedaillen-Gewinner Österreich. Die Plätze zwei und drei blieben leer. Warum? Weil plötzlich keiner wusste, wer wirklich Silber und Bronze gewonnen hatte.
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Zunächst galten Norwegen (Zweiter) und Deutschland (Bronze) als "Treppchen-Besteiger". Die Teams ließen sich feiern, gaben glückselig Interviews. Deutschland feierte den 3. Platz euphorisch. Schließlich waren es nur 0,8 Punkte Vorsprung auf den vermeintlich Vierten - Polen. Doch dann kippte die Stimmung. Plötzlich wurde es hektisch im Auslauf. Norwegische Springer und Trainer schauten ungläubig auf den Ergebnismonitor. Der zeigte viele Minuten nach dem Wettbewerb ein völlig neues Ergebnis. Ein herrliches aus deutscher Sicht. Denn die DSV-Adler tauchten im Ranking plötzlich auf dem zweiten Platz auf. Polen auf Rang drei. Und Norwegen? Die waren nur noch Vierte.
"Ich weiß auch nicht, was los ist. Angeblich haben wir Silber", war auch Severin Freund verwirrt. DSV-Bundestrainer Werner Schuster starrte minutenlang auf einen Punktzettel und sah es schwarz auf weiß: Der Norweger Anders Bardal hatte für seinen Sprung 6,5 Bonuspunkte zu viel bekommen. Die Jury glaubte, Bardal sei aus Luke 20 gesprungen. Er war aber aus der höheren Luke 22 gestartet. Bemerkt haben soll der Fauxpax der Österreicher Thomas Morgenstern, der nach Bardal gesprungen war und sich über die vielen Bonuspunkte für seinen Kontrahenten wunderte. Daraufhin soll es einen Protest gegeben haben, der aber erst nach dem Ende des Springens via Fernsehbilder noch einmal überprüft wurde. Die TV-Bilder bewiesen: Bardal war tatsächlich aus der höheren Luke gestartet, der Protest also berechtigt. Nun sind 6,5 Punkte eine Winzigkeit, doch in diesem extrem engen Klassement hatten sie gravierende Folgen. Norwegen verlor Silber und bekam Blech.
Silbernes Happy End
Da steht es drauf: Deutschland ist Zweiter. Werner Schuster glaubts kaum.
Andreas Wank, Severin Freund, Michael Neumayer und Richard Freitag schwebten im siebten Skisprung-Himmel und nahmen die verpasste Flowers Ceremony gelassen: "Die Medaillen gibt’s ja erst Abends auf dem Medals Plaza. Das ist ohnehin schöner", sagte Freund. Im eigenen Jubel dachte Richard Freitag, der überragend gesprungen war, auch an Norwegen: "Wir nehmen die Silberne natürlich super gern. Für Norwegen tut es mir leid. Es ist bitter, wenn man sich erst über Silber freut und dann keine Medaille bekommt. Aber so ist das Reglement." Norwegen wird es verschmerzen. Die haben mit Anders Bardal (Gold von der Normalschanze) und Anders Jacobsen (Bronze von der Großschanze) zwei WM-Einzelmedaillen-Gewinner und damit Deutschland in dieser Bilanz etwas voraus. Am nächsten dran an Einzel-Edelmetall war Richard Freitag, der zwei Mal Sechster wurde und einschätzte: "Bei meinen Sprüngen im Einzel hat immer irgendetwas gefehlt, heute hat es zwei Mal sehr gut gepasst. Ich reise am Sonntag zufrieden nach Hause."
Und mit einem dicken Lob des Bundestrainers im Gepäck. Der lobte den Schlussspringer nach dem Teamspringen in höchsten Tönen und sprach von "einer Reifeprüfung, die der Richard hingelegt hat". Rundum glücklich war der gebürtige Österreicher aber nicht. Nur zugern würde er seine Landsleute auch mal besiegen, doch zu "Gold fehlt uns noch ein ganzes Stück", so sein prägnantes Schlusswort.
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Bilder vom packenden Teamspringen
Bilder vom packenden Teamspringen
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Stand: 02.03.2013, 21:54