Edelmanns Tränen über Edelmetall

Toni Edelmann

Pech bleibt Kombinierer auch zum Finale treu

Edelmanns Tränen über Edelmetall

Von Dirk Hofmeister, Val di Fiemme

Beim etwa zehnten Interview nach dem Teamsprint der Nordischen Kombinierer hatte Tino Edelmann dann seinen Humor doch wieder gefunden. Mit einem leichten und sarkastischen Grinsen sagte er: "Ich werde nachher einfach noch ein bisschen heulen. Und dann freue ich mich vielleicht doch über Bronze."

Hinter ihm lag ein Rennen, das bezeichnend für Edelmanns bisherigen WM-Verlauf mit Pech und Pannen war. Der Thüringer war zusammen mit Eric Frenzel im Teamsprint zwar zu Bronze gelaufen. Der dritte Platz fühlte sich dennoch wie eine Niederlage an. Nach zwei starken Sprüngen am Morgen ging das deutsche Duo als Erste in die wegen hoher Temperaturen weiche Loipe. Frenzel und Edelmann führten etwa bis zur Hälfte des Rennens, in dem die Athleten abwechselnd fünf 1,5-Kilometer-Runden laufen müssen. Dann bildete sich ein Spitzenquartett, das deutsche Duo konnte weiter auf Gold hoffen. Bis zur achten Runde. Edelmann stolperte über einen Eisbrocken, der auf der Strecke lag, stürzte, und verlor den Anschluss an das Führungsduo Österreich und Frankreich, das nun davonzog. Edelmann berappelte sich, nahm mit dem Japaner Taihei Kato die Verfolgung auf. Gold war mit diesem Sturz aber verloren, Bronze sicherte schließlich Einzel-Weltmeister Frenzel im direkten Duell gegen Akito Watabe.

"Wie blöd ist der denn?"

Toni Edelmann

Edelmann (li.) und Frenzel bei der Siegerehrung

"Das sieht verdammt ungeschickt aus. Wenn ich es mir jetzt auf der Leinwand anschaue, denke ich: Wie blöd ist der denn? Und dann passiert es mir", haderte der 28-Jährige mit seinem Missgeschick: "Ich war nicht konzentriert genug und habe den Eisbrocken mitgenommen. Zehn Zentimeter weiter links wäre nichts passiert, fünf Zentimeter weiter rechts wäre auch nichts passiert. Aber ausgerechnet da liegt das Ding. Bei 5.000 Laufkilometern passiert das gerade ein Mal. Und ausgerechnet heute", ärgerte sich der sechsfache WM-Silbermedaillengewinner.

Saison voller Rückschläge für Edelmann

Toni Edelmann

Edelmann: "Ich werde nachher einfach noch ein bisschen heulen."

Edelmann ist in Sachen Sturz ein gebranntes Kind. Zuletzt erwischte es den fünffachen Weltcupsieger bei den Olympischen Spielen 2010, ebenfalls in der Staffel, die wie am Sonntag in Val di Fiemme am Ende aber dennoch Bronze gewann. Und auch in diesem Winter war Edelmann vom Pech verfolgt. Kurz vor der Saison warf ihn ein doppelter Bänderriss zurück, Edelmann kämpfte sich zurück und feierte im Januar in Chaux-Neuve sogar seinen ersten Weltcupsieg der Saison. Kurz vor der WM der nächste Rückschlag. Wegen einer schweren Erkältung mit Fieber musste er zwei Wochen ins Bett: "Da war meine WM eigentlich schon gelaufen", so der gebürtige Annaberger. Er kam erneut zurück, doch auch bei der WM blieb ihm das Pech mit Rücken- oder Aufwind beim Skispringen treu. Und nun der Eisbrocken. "Ich kann mir keinen Vorwurf machen. Es ist einfach blöd gelaufen."

Die dramatische Entscheidung im Teamsprint

Die dramatische Entscheidung im Teamsprint

Eric Frenzel

Die deutschen Kombinierer gingen mit einem Vorsprung in das Langlauf-Rennen. 2x7,5 Kilometer standen auf dem Programm. Tino Edelmann und Eric Frenzel mussten je fünf Mal auf die 1,5 Kilometer lange Schleife.

Die deutschen Kombinierer gingen mit einem Vorsprung in das Langlauf-Rennen. 2x7,5 Kilometer standen auf dem Programm. Tino Edelmann und Eric Frenzel mussten je fünf Mal auf die 1,5 Kilometer lange Schleife.

Doch die Konkurrenz aus Frankreich, Österreich und Japan kam aber immer näher. Besonders die Franzosen um Jason Lamy Chappuis liefen wie der Teufel und hatten dazu auch noch ein unglaublich gutes Brett.

Noch ist Tino Edelmann vorn, doch schon vor der Hälfte des Rennens bildete sich dann ein Quartett. Dann mussten die Japaner abreißen lassen. Kurz vor dem letzten Wechsel der Schock: Tino Edelmann stürzte und sah den Österreicher und den Franzosen davonfahren.

Letzter Wechsel auf Erik Frenzel. Der musste sich mit den Japanern um den dritten Platz streiten.

Vorn machte Jason Lamy Chappuis den Titelgewinn für Frankreich perfekt.

Dahinter sicherte Frenzel mit einem tollen Zielsprint den dritten Rang.

Noch konnte sich der Einzelweltmeister nicht so recht über Bronze freuen.

Dann aber die faire Gratulation an den überragenden Jason Lamy Chappuis.

Und irgendwann kam auch die Freude über Edelmetall.

An die der beiden Franzosen reichte sie aber nicht heran. Sebastien Lacroix und Jason Lamy Chappui jubeln über die Goldmedaille. Bundestrainer Hermann Weinbuch gestand: "Die hätten wir nicht geholt."

Große Freude auch bei den Österreichern, die sich die Silbermedaille sicherten.

Weinbuch: "Franzosen hatten Über-Gerät"

Hermann Weinbuch

Weinbuch: "Da muss man erst mal eine Medaille machen."

Während Edelmann im Ziel haderte, verwies Bundestrainer Herrmann Weinbuch auf die starke Leistung des Weltmeisters: "Die Gold-Medaille hätten wir auch ohne Sturz nicht gemacht. Die Franzosen haben heute ein Über-Gerät gehabt", sagte der Bayer zu den schnellen Ski und der starken Laufleistung von Jason Lamy Chappuis und Sebastien Lacroix. "In so einem harten Rennen muss man erst einmal eine Medaille machen. So ein Allerweltssturz passiert halt mal. Tino hat mich überhaupt nicht enttäuscht." Auch Sprung-Trainer Ronny Ackermann lobte: "Das ist ein schöner Abschluss der WM." Und Team-Kollege Eric Frenzel sagte: "Ich freue mich über Bronze. Wir haben gezeigt, dass wir zur absoluten Weltspitze gehören." Nur Pechvogel Edelmann war schwer zu besänftigen und blickte schon sorgenvoll in die Zukunft: "Ich denke gerade: Hoffentlich passiert das nicht in Sotschi."

Eric Frenzel (li.) und Tino Edelmann Play-Icon

Der Kombinations-Teamsprint | 38:28 min | 02.03.2013 | Sportschau live | Das Erste

Bilder vom Springen der Kombinierer

Bilder vom Springen der Kombinierer

Skistadion Predazzo

Die Schanzen von Predazzo. Gesprungen wurde im Teamsprint der Kombinierer von der Großschanze.

Die Schanzen von Predazzo. Gesprungen wurde im Teamsprint der Kombinierer von der Großschanze.

Bernhard Gruber aus Österreich hatte vor dem Teamsprint eine echte Kampfansage an die beiden Deutschen gesendet. Dann reichte es aber nur zu 123 Metern.

Entsprechend unzufrieden war Gruber.

Wilhelm Denifl schaffte 122 Meter und ließ damit die Österreich im Rennen um die Medaille. Österreich lag damit am Ende 25 Sekunden hinter dem deutschen Team.

Akito Watabe brachte die sprungstarken Japaner mit einem Sprung auf 123,5 Meter auf den zweiten Platz. Die Bedingungen waren diesmal für alle gleich - es herrschte ein leichter Rückenwind.

Auch Taihei Kato überzeugte mit 126 Metern. Der Lohn - Japan geht zwölf Sekunden hinter dem deutschen Team ins Langlaufrennen.

Jason Lamy Chappuis aus Frankreich rechnet sich trotz der 43 Sekunden Rückstand auf das deutsche Team noch etwas aus.

Die Freundinnen von Edelmann und Frenzel, Christin Anschütz und Laura Schwanitz, drückten kräftig die Daumen.

Tino Edelmann war nach seinem Sprung auf 124,5 Meter froh. "Ich sollte in das letzte Drittel nicht so aggressiv gehen, das habe ich beherzigt."

Das müsste doch mit einer Medaille klappen.

Eric Frenzel hatte nach seinem Satz auf 127 Meter gut lachen. Der Oberwiesenthaler verteidigte den ersten Platz. Damit gingen die Deutschen mit einem recht komfortablen Vorsprung in die Langlaufloipe.

Das Teamspringen Play-Icon

Das Kombinations-Teamspringen | 32:08 min | 02.03.2013 | Sportschau live | Das Erste

Stand: 02.03.2013, 19:22

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