Schlecht bis in die Ewigkeit - Tasmania Berlin

Tasmania Berlin ist der schlechteste Fußball-Bundesligist aller Zeiten. Torwart Heinz Rohloff blickt auf die legendäre Saison 1965/66 zurück.

Tasmania-Torwart Heinz Rohloff holt den Ball aus dem Tor

Tasmania Berlin ist der schlechteste Bundesligist aller Zeiten. In der Saison 1965/66 stellt der Klub zahlreiche bis heute gültige Negativrekorde auf. Zum Beispiel: 108 Gegentore in einer Saison. Torwart Heinz "Jumbo" Rohloff steht in 18 der 34 Saisonspiele im Tor und sagt 45 Jahre später: "Ich hatte damals ein wunderschönes Jahr." Für sportschau.de blickt er eine Bundesliga-Saison zurück, in der er wie auf dem Bild einige Bälle aus dem Netz holen musste.

Tasmania Berlin ist der schlechteste Bundesligist aller Zeiten. In der Saison 1965/66 stellt der Klub zahlreiche bis heute gültige Negativrekorde auf. Zum Beispiel: 108 Gegentore in einer Saison. Torwart Heinz "Jumbo" Rohloff steht in 18 der 34 Saisonspiele im Tor und sagt 45 Jahre später: "Ich hatte damals ein wunderschönes Jahr." Für sportschau.de blickt er eine Bundesliga-Saison zurück, in der er wie auf dem Bild einige Bälle aus dem Netz holen musste.

Es ist ein Politikum, das Tasmania in die Bundesliga verhilft. Hertha BSC wird aus der Liga ausgeschlossen, da der Verein unerlaubte Prämien an seine Spieler zahlt. Doch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wünscht sich eine West-Berliner Mannschaft in der Bundesliga und adelt die Tasmania zum Bundesligisten. So trifft Tasmania-Kapitän Hans-Günter Becker (im Bild rechts) auf Gladbachs Spielführer Heinz Lowin. "Die haben uns mit vollgefressenen Bäuchen aus dem Urlaub geholt", sagt Rohloff lachend, "es war ein völliges Chaos, das konnte nicht gutgehen."

Danach sieht es zum Start allerdings gar nicht aus. Denn die Tasmania schlägt den Karlsruher SC vor der beeindruckenden Kulisse von 81.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 2:0 und steht am Ende des ersten Spieltags auf dem zweiten Tabellenplatz. "Nach dem Sieg waren wir natürlich euphorisch und haben schon gehofft", erzählt Rohloff: "Aber nach einigen Spielen hat man schon gesehen, dass es nicht reichen wird." In den folgenden 16 Spielen bis zur Winterpause wird seine Mannschaft noch genau einen Punkt holen - bei einem 0:0 in Kaiserslautern.

Die Spieler sind zum größten Teil älter als 30 und stehen komplett auf verlorenem Posten, Torwart Rohloff hechtet vielen Schüssen vergeblich hinterher. "Vier, fünf Jahre zuvor in der Regionalliga, da hatten wir eine richtig starke Mannschaft", sagt Rohloff, der in Tasmanias Bundesliga-Saison 26 Jahre alt wird und damit einer der Jüngeren ist. "Aber in der Saison, da konnten uns die anderen praktisch ausgucken. Die haben uns in jeder Hinsicht an die Wand gespielt."

Schnell ist das rettende Ufer in unerreichbare Ferne gerückt. "Wir haben dann auch nicht mehr so solide gelebt, das Training sind wir immer lockerer angegangen", sagt Rohloff: "Und hinterher gab’s meistens Bier und Frikadellen. Wir haben uns gesagt: Wenn wir schon absteigen, machen wir uns wenigstens ein schönes Jahr." Über ein unschönes Treffen mit Eintracht Frankfurts Jürgen Grabowski (Bild) lacht Rohloff heute herzhaft. "Als Grabowski mit einem Elfmeter unser 100. Gegentor schoss, stellten sich die Fans hinter meinem Tor als Trauergemeinde auf."

Und so steigt die Tasmania am Ende aus der Bundesliga ab wie niemand vor und nach ihr. Von den 81.000 Zuschauern im ersten Heimspiel bleiben beim zweiten Saisonsieg am vorletzten Spieltag gegen Borussia Neunkirchen nur 2000 übrig. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach ist in den Almanachen eine Zuschauerzahl von 827 aufgeführt - es ist bis heute die kleinste Kulisse für ein Bundesligaspiel. 31 Spiele bleibt Tasmania am Stück ohne Sieg, die Mannschaft erringt nur zwei Heimsiege, keinen einzigen Auswärtssieg, erzielt die wenigsten Tore (15), holt nur zehn Punkte nach Drei-Punkte-Regel und kassiert die höchste Bundesliga-Heimniederlage beim 0:9 gegen den Meidericher SV.

Heinz Rohloff spielt nach der geschichtsträchtigen Saison noch vier Jahre bei Tasmania in der Regionalliga. "Ein Transfer zu Ajax Amsterdam scheiterte am Geld, zuvor hatte ich Angebote aus Karlsruhe und Schalke", erzählt er. Sein Jahr in Berlin bereut er nicht: "Ich habe in der Bundesliga gespielt und mir damit einen Traum erfüllt." Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitet er als EDV-Fachmann und lebt heute mit 72 Jahren in Bad Münstereifel. Fans erinnern sich noch heute an ihn: "Ich bekomme jetzt noch Autogrammpost."

Und die Tasmania? Die scheitert in der Folge drei Mal in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga und geht 1973 bankrott. Der im Berliner Stadtteil Neukölln beheimatete Verein wird neu gegründet und heißt heute nach einem Sponsor SV Tasmania Gropiusstadt 1973. Hier und da gibt es noch einmal Bundesliga-Luft wie im Bild von 2003, als Hertha BSC zum Testspiel vorbeischaut. 2009 steigt die Tasmania aus der Landesliga in die Bezirksliga ab - diesmal allerdings ohne irgendwelche Negativrekorde, an die in 45 Jahren jemand denken wird.

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