Thomas Nolte - Schönwetter-Skifahrer mit Ehrgeiz

Thomas Nolte bei den Paralympischen Spielen in Vancouver

Para-Ski-Alpin

Thomas Nolte - Schönwetter-Skifahrer mit Ehrgeiz

Wenn Thomas Nolte im März in Pyeongchang an den Start geht, ist das alles andere als selbstverständlich. Denn hinter dem 33-Jährigen Monoski-Fahrer liegt eine lange Zeit von Verletzungen. Aber pünktlich zum Saisonhöhepunkt meldet er sich fit, um sich seinen Traum von der Medaille bei den Paralympischen Spielen zu erfüllen.

In der Saison 2004/2005 hat sich Nolte beim Autofahren an der Sitzheizung verbrannt. Diese Verbrennung hat sich kurz vor den Paralympischen Spielen 2006 in Turin schwer entzündet, sodass er in der Nacht vor der Eröffnungsfeier abreisen musste und operiert wurde. Aus den Verbrennungen hat sich ein Dekubitus gebildet, der immer wieder aufbrechen kann. „Nach der frühen Abreise war ich vom Ehrgeiz gepackt und habe im Sommer 2007 direkt wieder mit der Vorbereitung auf die nächste Saison angefangen“, so Nolte im Gespräch mit sportschau.de.

Thomas Nolte

Thomas Nolte hat die Spiele in Pyeongchang fest im Blick.

Schönwetter-Skifahrer mit professioneller Einstellung

Und dass obwohl er sich selbst als „Schönwetter-Skifahrer“ bezeichnet und Training nicht zu seiner Leidenschaft zählt. „Aber es muss halt gemacht werden, damit ich im Winter Spaß haben kann. Mittlerweile habe ich da eine sehr professionelle Einstellung zu“,  sagte Nolte, der seit einem Autounfall 1993 querschnittsgelähmt ist.

Thomas Nolte beim Weltcup in St. Leonhard 2011

Thomas Nolte auf der Jagt nach Weltcup-Punkte in St. Leonhard.

In einem Winter mit Paralympischen Spielen ist die Motivation noch einmal höher. „Das ist eine ganz andere Hausnummer als ein Weltcuprennen. Man steht oben am Start und hört bereits die Leute unten im Ziel jubeln“, schwärmt Nolte. „Bei der Eröffnungsfeier in Vancouver warteten wir drei Stunden in den Katakomben und sind dann einmal durchgelaufen. Aber allein der Einlauf vor 60.000 Zuschauern und das Blitzlichtgewitter – das war ein Erlebnis, das hängen bleibt.

Langweiliger Winterurlaub als Karrierestart

Zum Skisport ist Nolte nach einem, aus seiner Sicht missglückten, Winterurlaub gekommen, da er sich zwei Wochen nur gelangweilt und anderen beim Skifahren zugesehen hat. Sich als Rollstuhlfahrer im Schnee zu bewegen ist oft auch eher mühselig als spaßig und so hat er zu seiner Mutter gesagt, dass er im nächsten Jahr auf jeden Fall Monoski ausprobieren möchte. Gesagt, getan. Seine Leidenschaft zum Skifahren wurde geweckt.

Thomas Nolte

In Pyeongchang soll es für Thomas Nolte mit einer Medaille endlich klappen.

1997 wurde er dann zum ersten Sichtungslehrgang eingeladen und sein Talent wurde entdeckt. Parallel spielte er aber auch erfolgreich Rollstuhl-Tennis und war sogar in der Jugendnationalmannschaft. 2004 wurde dann ein Nachwuchsteam für die Para-Skifahrer gegründet und Nolte stand vor der Entscheidung: Tennis oder Skifahren. Da er auf dem Monoski die größere Perspektive für sich gesehen hat, fiel seine Entscheidung zugunsten des Wintersports aus.

Entscheidung für Ski Alpin und gegen Tennis

Und so kann er mittlerweile auf eine recht erfolgreiche Karriere zurückblicken: Eine Medaille bei den Paralympischen Spielen fehlt ihm aber noch. Pünktlich zum Saisonhöhepunkt meldet er sich fit, nachdem er in der letzten Saison komplett ausfiel und von September 2016 bis Juni 2017 nur liegen konnte – Der Dekubitus ist wieder aufgebrochen. „Das wird auch immer meine Achillesferse sein“, ist sich der Skifahrer vom MTV Braunschweig bewusst, der deswegen schon etwa 15 Operationen über sich ergehen lassen musste.

Aber vor Sotschi 2014 war die Ausgangsposition ähnlich. Auch dort meldete er sich erst im Januar wieder fit und verpasst mit Platz fünf die Medaille knapp. Das soll in Pyeongchang anders werden.

Bisherige Erfolge von Thomas Nolte

Paralympics:

  • 4. Platz Abfahrt, Vancouver (2010)
  • 5. Platz Super Kombination, Sotschi (2014)

Weltmeisterschaften

  • 1. Platz, Teamwettbewerb (2009)
  • 2. Platz, Teamwettbewerb (2011)
  • 3. Platz, Slalom (2011)
  • 3. Platz, Slalom (2015)

jbr | Stand: 17.01.2018, 11:31

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