Skifahrerin Ristau verlässt sich auf ihr Gespür

Noemi Ristau

Para-Ski-Alpin

Skifahrerin Ristau verlässt sich auf ihr Gespür

"Wenn ich sehen würde, wie steil es bergab geht, hätte ich vielleicht Angst", sagte Noemi Ristau einmal über ihre Sehkraft von gerade einmal zwei Prozent. Die Skifahrerin nimmt Umrisse noch verschwommen war.

Und doch ist es waghalsig, sich mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde im Slalom oder Riesenslalom den Berg hinabzustürzen. Die Marburgerin, die als Dreijährige ihre ersten Meter auf Skiern gefahren war, erklärte: "Ich muss mich komplett auf mein Gespür verlassen."

Guide Lucien Gerkau weist den Weg

Eine große Hilfe ist dabei ihr Guide Lucien Gerkau, der etwa zwei Meter vor ihr herfährt. Gerkau, der selbst zehn Jahre lang in Skirennen um Medaillen gekämpft hatte, trägt ein neongelbes Oberteil, damit die 26-Jährige ihn etwas erkennen kann. Der Guide selbst wagte auch schon mit verbundenen Augen einen Selbstversuch: "Das ist schon Wahnsinn." Beide kommunizieren mit einem Profi-Headset, das aber auch schon einmal ausgefallen ist.

Noemi Ristau (li.) und Guide Lucien Gerkau im Slalom bei der WM in Tarvisio.

Noemi Ristau (li.) und Guide Lucien Gerkau im Slalom bei der WM in Tarvisio.

Als Jugendliche verlor Ristau ihr Augenlicht, wurde dadurch depressiv. Nach und nach gewöhnte sie sich aber an ihr Handicap. Sie sagte: "Menschen, die noch weniger oder eben gar nichts mehr sehen konnten, haben trotzdem gelächelt. Das war meine Motivation." In einem sozialen Jahr in Indien unterrichtete sie sehbehinderte Mädchen. Zurück in Deutschland wurde aus dem Skifahren "Just for fun" Leistungssport. Inzwischen kann Ristau stolz behaupten: "National gibt es kein weiteres Pärchen auf dem Niveau."

Noemi Ristau (re.) und Guide Lucien Gerkau strahlen um die Wette (Archiv).

Noemi Ristau (re.) und Guide Lucien Gerkau strahlen um die Wette (Archiv).

Noemi Ristau erfüllt Qualifikationsnorm am ersten Weltcup-Tag

Bei ihrer WM-Premiere in Tarvisio (Italien) im Januar 2017 wurde sie Dritte im Slalom. Damit verschaffte sie sich einen Platz im Nationalteam. Die Qualifikationsnorm für ihre ersten Paralympics erfüllte sie direkt am ersten Weltcup-Tag in Kühtai (Österreich), mit Platz drei im Riesenslalom. In Pyeongchang geht es dann im März gegen Henrieta Farkasova (Slowakei), Millie Knight und Menna Fitzpatrick (beide Großbritannien) um Medaillen.

Dabei sehen ihre Konkurrentinnen teilweise mehr als Ristau: "Ich bin B2 und sehe zwei Prozent, andere sind B2 und sehen halt zehn Prozent. Das muss man hinnehmen und kämpfen." Sie ergänzte: "Ganz fair sind die Richtlinien nie. Es wird auch schwierig sie ganz fair zu machen." Ristaus Sehkraft reicht noch, um Gold, Silber und Bronze zu unterscheiden.

Thema in: Das Erste, Sportschau, 28.12.2017, 14.30 Uhr

mkö | Stand: 22.12.2017, 13:12

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