Anna-Lena Forster – Mit dem Marienkäfer 8.800 Kilometer nach Korea

Para-Ski-Alpin

Anna-Lena Forster – Mit dem Marienkäfer 8.800 Kilometer nach Korea

"Ich bin Monoskifahrerin, weil es total cool ist, so schnell wie möglich die Pisten herunterzuheizen, über den Wolken zu schweben", beschreibt Anna-Lena Forster ihre Leidenschaft für den alpinen Skisport.

Als Sechsjährige haben ihre Eltern Sybille und Jürgen sie zu einem ersten Skikurs angemeldet. In Sotschi, bei ihrer ersten Paralympics-Teilnahme, erkämpfte sich die Athletin in der sitzenden Konkurrenz gleich drei Medaillen: Bronze im Riesenslalom, Silber im Slalom und der Superkombination.

Forster hätte niemals mit den drei Podiumsplätzen gerechnet. Rückblickend sagt sie: "Es war ein unglaubliches Erlebnis." Nun hat sie sich für Pyeongchang eine Goldmedaille als Ziel gesetzt. Die Sportlerin des BRSV Radolfzell setzt dabei auf einen bewährten Glücksbringer: "Zu meiner ersten WM habe ich von meinen Eltern einen Marienkäfer bekommen. Er hat ein Foto um den Hals, das die ganze Familie zeigt." Sie sagt: "Das war sehr süß. Der ist immer dabei, auf jeden Fall."

Anna-Lena Forster mit ihrem Glücksbringer für die Paralympics.

Anna-Lena Forster mit ihrem Glücksbringer für die Paralympics.

Training auf dem Trampolin und in der Tiefgarage

Aber auch ohne den Plüsch-Käfer kann Forster selbstbewusst an den Start gehen. Ihr fehlt zwar das rechte Bein, des Weiteren ist das linke Bein verkürzt, aber Forster hat extrem hart trainiert - nicht nur auf der Piste. In den sozialen Netzwerken sieht man, wie sie mit Trampolin-Sprüngen ihre Koordinationsfähigkeit steigert. Zudem zeigt sie, dass sie ihren Kollegen Georg Kreiter relativ problemlos mittels Thera-Band hinter sich herzieht. Anfeuerungsrufe aus dem Team sind ihr gewiss. Durch die Garage hallt es: "Komm' Leni, zieh'!"

Anna-Lena Forster mit ihren 1,18 m und 42 kg beim Sport und zwischen den Trainingstaschen (Archiv).

Anna-Lena Forster mit ihren 1,18 m und 42 kg beim Sport und zwischen den Trainingstaschen (Archiv).

Über die Gruppe von Bundestrainer Justus Wolf sagt sie: "Wir verstehen uns alle total gut. Wir haben immer riesig viel Spaß." Sie schiebt hinterher: "Wenn es mal nicht so gut läuft, ist der eine für den anderen da. Ohne dieses Team wäre es langweilig."

Auch wenn einmal kein Schnee liegt, gehen der Deutschen Ski-Alpin-Mannschaft die Ideen nicht aus. Basketball, Kraft- und Ausdauertraining sind die Alternativen. Über ihre Behinderung sagt Forster: "Viele Leute, die mich auf der Straße sehen, empfinden Mitleid. Ich kann das nicht nachvollziehen, weil ich ein normales Leben führe." Sie erklärt: "Die Leute denken, ich habe ein schlechteres Leben. Das ist einfach nicht so."

Anna-Lena Forster: Wettkämpfe gegen Rebensburg müssen nicht sein

Forster studiert in Freiburg Psychologie, wie viele andere Studenten auch. Mit Hund Teddy dreht sie Gassi-Runden. Und doch wird sie 2018 etwas Besonderes erleben. Sie kämpft um mindestens eine von insgesamt 80 Goldmedaillen, die vom 10. bis 18. März vergeben werden. Dabei kann Forster gut damit leben, dass es in Abfahrt, Slalom und Co. nicht gegen Viktoria Rebensburg und Mikaela Shiffrin geht: "Für Spaßwettkämpfe ist das in Ordnung, aber im Leistungssport kann das ruhig getrennt bleiben. Es sind einfach andere Umstände da."

Anna-Lena Forster hat 2014 Silber im Slalom und in der Super-Kombination gewonnen (Archiv).

Anna-Lena Forster hat 2014 Silber im Slalom und in der Super-Kombination gewonnen (Archiv).

Vor allem in Forsters Parade-Disziplin, dem Slalom, kann es bei den Paralympics zu einem spannenden Vergleich mit Anna Schaffelhuber, der Österreicherin Claudia Lösch und der Japanerin Momoka Muraoka kommen. Und auch für die Zeit nach den zwei bis drei Wochen in Pyeongchang hat die 22-jährige Forster noch Ziele: "Dann möchte ich mich wieder mehr auf mein Studium konzentrieren, um voraussichtlich 2020 meine Bachelorarbeit zu schreiben."

Bisherige Erfolge von Anna-Lena Forster

Paralympics:

  • Silber, Slalom, Super-Kombination, Sotschi (2014)
  • Bronze, Riesenslalom, Sotschi (2014)

Gesamtweltcup 2016/17:

  • 2. Platz, Slalom
  • 3. Platz, Riesenslalom
  • 3. Platz, Abfahrt
  • 4. Platz, Super-Kombination
  • 5. Platz, Super-G

Thema in: Das Erste, Sportschau, 28.12.2017, 14:30 Uhr

mkö | Stand: 20.12.2017, 12:37

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