Marco Maier bangt um seine Karriere

Marco Maier beim Training

Wegen Klassifizierung

Marco Maier bangt um seine Karriere

Für Para-Skilangläufer und -Biathlet Marco Maier steht in dieser Woche eine ganz besondere Entscheidung an. Es geht darum, ob seine Karriere beendet ist, bevor sie überhaupt angefangen hat. Die Klassifizierungs-Kommission entscheidet am 18. Januar darüber, ob seine Einschränkung schwerwiegend genug ist, um nach Richtlinien des IPC eingeteilt zu werden.

Marco Maier (18) gilt als eine der Nachwuchshoffnungen des deutschen Teams im Para-Skilanglauf und -Biathlon. Doch vor etwas mehr als einem Jahr hat die Klassifizierungs-Kommission des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) seiner aufstrebenden Karriere einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diese hat nämlich entschieden, dass seine Art und sein Grad der Behinderung nicht mehr genügen, um an IPC-Wettkämpfen teilzunehmen. Daraufhin wurde ihm die Starterlaubnis entzogen.

IPC-Entscheidung sorgte für Überraschung im deutschen Lager

Maier hat eine angeborene Symbrachydaktylie, wodurch ihm an drei Fingern der linken Hand die vorderen Glieder fehlen. Im Dezember 2014 wurde er damit auch zweifelsfrei vom IPC klassifiziert. Bei einer erneuten Überprüfung, zwei Jahre später, kam die Klassifizierungs-Kommission zu einem anderen Ergebnis, zur großen Überraschung der Verantwortlichen der deutschen Para-Ski-Nordisch-Nationalmannschaft. Die Verantwortlichen vom IPC begründeten diese Entscheidung mit einer Regeländerung: Wenn Sportler Skistöcke beidseitig halten und einsetzen können, dann ist ihr Handicap nicht schwerwiegend genug, um klassifiziert zu werden.

Entscheidung völlig offen

"Das ist im Prinzip Auslegungssache", äußerte sich Cheftrainer Ralf Rombach im Vorfeld der Entscheidung. Es geht darum, wie man die Formulierung "To grip and use" im Bezug auf die Skistöcke auslegt. Zwar sei es Maier über einen kurzen Zeitraum möglich, Skistöcke zu greifen und zu nutzen, aber über längere Zeit - und darauf kommt es bei einem Ausdauersport an - nicht. "Die Entscheidung ist völlig offen", so Rombach.

Für Maier geht es um seine Karriere - nicht um Pyeongchang

Sollte Marco Maier die Startberechtigung erhalten, dann wäre theoretisch sogar noch eine Teilnahme bei den Paralympics in Pyeongchang möglich. "Die Tür ist offen. Aber wir nehmen nur Leute mit, die auch sportlich eine Perspektive haben", so Rombach. Dazu zählt Maier langfristig sicherlich, aber er müsste dann in den verbleibenden Wochen noch die Qualifikationsnorm erfüllen. Der Sportler selbst rechnet laut Bundestrainer auch gar nicht mit einer Nominierung für Pyeongchang.

Denn für den Athleten und das gesamte deutsche Team steht die Klassifizierung des Athleten im Vordergrund und dass er überhaupt wieder an Wettkämpfen teilnehmen darf. "Seine Zeit wird in den nächsten vier Jahren kommen", ist sich Rombach sicher. Vorausgesetzt, er erhält am 18. Januar seine Startberechtigung zurück.

Thema in: Das Erste, Sportschau, 20.01.2018, 13.00 Uhr

jbr/pm | Stand: 15.01.2018, 14:36

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