Russlands Team von Paralympics ausgeschlossen

Entscheidung des IPC

Russlands Team von Paralympics ausgeschlossen

Die Würfel sind gefallen: Das Russische Paralympische Komitee (RPC) bleibt aufgrund des staatlich gelenkten Dopingsystems in Russland suspendiert. Zwischen 30 und 35 ausgewählte Athleten dürfen aber unter neutraler Flagge an den Spielen in Südkorea teilnehmen.

Wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) am Montag (29.01.2018) in Bonn bekannt gab, bleibt die Suspendierung der russischen Sportler bestehen. Die Aufhebung der Sperre war an die Erfüllung eines Kriterienkatalogs gekoppelt. Das IPC hatte das RPC aufgefordert, eine Liste von Kriterien zu erfüllen. Dazu gehörte die Anerkennung und Akzeptanz des McLaren-Berichts, in dem Russland ein flächendeckendes Dopingsystem bescheinigt wird. Beides ist bislang noch nicht passiert.

"Neue Situation"

Russische Politiker und Mitglieder des RPC werden nicht akkreditiert, auch russische Mannschaften dürfen nicht teilnehmen. Die ausgewählten Einzelsportler müssen bestimmte Bedingungen erfüllen, unter anderem müssen sie sich in den vergangenen sechs Monaten mindestens zwei offiziellen Doping-Tests unterzogen haben.

Vor den Sommer-Paralympics 2016 in Rio de Janeiro waren die russischen Athleten noch komplett ausgeschlossen worden.  "Die Entscheidung vor Rio war die richtige. Es handelte sich bei den positiven Proben nicht um Zufall und nicht um Einzelfälle, sondern um eine organisierte Aktion, die den Sport, wie wir ihn kennen, bedroht", sagte der neue IPC-Präsident Andrew Parsons: "Aber nun, 17 Monate später, haben wir eine neue Situation. Wir haben jetzt großes Vertrauen, dass das System in Russland nicht mehr korrupt ist und wollen jenen Athleten, die sauber sind, die Teilnahme unter neutraler Flagge ermöglichen."

"Ein Schlag ins Gesicht der sauberen Sportler"

Anna Schaffelhuber (Archiv)

Anna Schaffelhuber (Archiv)

Der Deutsche Behindertensportverband kritisierte die Entscheidung: "Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Es ist schade, dass das IPC von seiner konsequenten Anti-Doping Politik abgerückt ist. Leider hat sich das IPC nun irgendeinem Druck gebeugt. Ein Start von Athleten aus Russland nach dem Sündenfall von Sotschi ist aus unserer Sicht ein Schlag ins Gesicht der sauberen Sportler und der manipulationsfreien Sportstrukturen", erklärten DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher und DBS-Vizepräsident Dr. Karl Quade.

Deutschlands Behindertensportlerin des Jahres, Anna Schaffelhuber, sieht das anders: "Ich habe aber ein Problem mit einem Generalverdacht von Sportlern und einer Generalstrafe, ohne einzelnen Personen etwas nachgewiesen zu haben. Daher finde ich diese Entscheidung in Ordnung."

Russische Athleten in den Weltcup-Listen ganz vorn

Die Namen der russsichen Sportler, die starten dürfen, sind noch nicht bekannt. Deshalb ist unklar, ob Medaillenkandidaten in Pyeongchang dabei sein werden. Im aktuellen Weltcup-Ranking belegen zum Beispiel die Langläufer Michalina Lysowa, Jekaterina Rumyantsewa, Stanislaw Chochlaew, Wladislaw Lekomtsew und Iwan Golubkow in ihren Klassen jeweils den ersten Platz. Im Biathlon sieht es genauso aus. Fünf der sechs Erstplatzierten sind Russen. Im Ski alpin stehen zum Beispiel im Slalom die Russen Iwan Frantsew und Aleksej Bugaew ganz oben.

Staffeln denken über Boykott nach

Ralf Rombach, Bundestrainer Paraski-Team Deutschland

Ralf Rombach, Bundestrainer Paraski-Team Deutschland.

Ralf Rombach, Bundestrainer Para-Nordisch, hatte vor der Entscheidung angekündigt: "Wir haben keinen Einfluss auf die Entscheidung, aber es ist unter den Teams eine Diskussion im Gange, ob sie die Staffeln boykottieren, wenn neutrale Athleten aus Russland zugelassen werden. Einzelne Athleten sind sicher sauber, aber auch sie sind Teil eines Systems, von dem sie profitieren. Das System ist der Fehler. Wenn das außen vor gelassen wird, bekommen wir das Doping-Problem nie in den Griff."

Die Paralympischen Winterspiele beginnen am 9. März 2018.

Thema in: MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio, 29.01.2018, 14:40 Uhr

dpa/sid/mkö/sp | Stand: 29.01.2018, 10:51

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