IPC entscheidet über Teilnahme russischer Athleten

Symbolbild Paralympics

Start unter neutraler Flagge möglich?

IPC entscheidet über Teilnahme russischer Athleten

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Am Montag (29.01.2018) teilt das Internationale Paralympische Komitee (IPC) seine Entscheidung mit, wie es während der Paralympics mit russischen Sportlern umgehen will.

Im Vorfeld der Paralympischen Sommerspiele 2016 in Rio hatte der damalige IPC-Präsident Philip Craven ein flammendes Plädoyer gegen Doping gehalten und konsequent alle russischen Athleten ausgeschlossen. Das könnte auch dieses Mal der Fall sein. Oder doch nicht? Das IPC wird darüber informieren, inwiefern das Russische Paralympische Komitee (RPC) die notwendigen Kriterien erfüllt hat, damit der Ausschluss der Russen noch vor den Wettbewerben in Pyeongchang aufgehoben werden kann. Dürfen russische Athleten womöglich unter neutraler Flagge starten?

Beucher: "Ein bisschen 'schwanger' gibt es nicht"

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, sagte Sportschau.de im Rahmen des Para-Biathlon-Weltcups in Oberried: "Wir sind voll auf einer Linie – Ausschluss wie in Rio 2016, ohne Wenn und Aber, keine Kompromiss-Lösung, denn ein bisschen 'schwanger' gibt es nicht." Im Weltcup dürfen Russen 2017/18 im Snowboard, Ski alpin, Langlauf und Biathlon unter neutraler Flagge starten, um die Qualifikations-Kriterien für den Fall des Startrechtes als neutraler Athlet erfüllen zu können.

Anja Wicker

2014 führte Russland den Medaillenspiegel an. Deutschland (u. a. mit Anja Wicker) belegte Platz zwei.

Im März geht es aber um den sportlichen Höhepunkt, auf den viele hinarbeiten. Der deutsche Teamchef Dr. Karl Quade erklärte: "Es gab zwar keine positiven Nachtests von 2014, aber im McLaren-Report waren Zahlen zu russischen Athleten zu lesen. Das sollte erst aufgeklärt und dann neu entschieden werden. Alles andere ist für mich zu früh." Er ergänzte: "Man stelle sich den Medaillenspiegel vor, wenn dort 2018 die neutralen Athleten aus Russland führen, das wäre für den Sport keine gute Sache."

Russische Athleten in den Weltcup-Listen ganz vorn

Bei einer Aufhebung der Suspendierung wären zahlreiche russische Medaillenkandidaten in Pyeongchang dabei. Im aktuellen Weltcup-Ranking belegen zum Beispiel die Langläufer Michalina Lysowa, Jekaterina Rumyantsewa, Stanislaw Chochlaew, Wladislaw Lekomtsew und Iwan Golubkow in ihren Klassen jeweils den ersten Platz. Im Biathlon sieht es genauso aus. Fünf der sechs Erstplatzierten sind Russen. Im Ski alpin stehen zum Beispiel im Slalom die Russen Iwan Frantsew und Aleksej Bugaew ganz oben.

Martin Fleig

Para-Langläufer und -Biathlet Martin Fleig.

Im deutschen Team gibt es ein einheitliches Meinungsbild: Anja Wicker, die in Sotschi über zehn Kilometer sitzend Gold gewonnen hatte, sagte: "Die russischen Athleten sind alle Teil eines Systems, es muss ein klares Zeichen gesetzt werden." Para-Biathlet Martin Fleig pflichtete ihr bei: "Ich hoffe, es wird richtig entschieden. Wie es mir als Athlet dabei gehen würde, darüber möchte ich gar nicht nachdenken."

IPC-Vorgaben bisher nicht erfüllt

Das IPC hatte das RPC aufgefordert, eine Liste von Kriterien zu erfüllen. Dazu gehörte die Anerkennung und Akzeptanz des McLaren-Berichts, in dem Russland ein flächendeckendes Dopingsystem bescheinigt wird. Zudem müsse die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die Suspendierung der Anti-Doping-Agentur RUSADA aufheben, so das IPC.

Staffeln denken über Boykott nach

Ralf Rombach, Bundestrainer Paraski-Team Deutschland

Ralf Rombach, Bundestrainer Paraski-Team Deutschland.

Ralf Rombach, Bundestrainer Para-Nordisch, erklärte: "Wir haben keinen Einfluss auf die Entscheidung, aber es ist unter den Teams eine Diskussion im Gange, ob sie die Staffeln boykottieren, wenn neutrale Athleten aus Russland zugelassen werden. Einzelne Athleten sind sicher sauber, aber auch sie sind Teil eines Systems, von dem sie profitieren. Das System ist der Fehler. Wenn das außen vor gelassen wird, bekommen wir das Doping-Problem nie in den Griff." Er sagte: "Unsere Athleten sind im Doping-Test-Pool und müssen viel über sich ergehen lassen. Da muss Gleichstand zwischen allen Athleten hergestellt werden, durch Druck, sonst ändert sich nie etwas."

Entscheidung des IPC zieht sich hin

IPC-Präsident Andrew Parsons

IPC-Präsident Andrew Parsons (Archiv)

Eine Entscheidung war schon im Dezember erwartet worden. Da gab der neue IPC-Präsident Andrew Parsons dem Russischen Paralympischen Komitee aber Aufschub. Para-Langläuferin und -Biathletin Clara Klug forderte: "Es muss vor allem endlich eine Entscheidung her. Seit Oktober wird diese aufgeschoben, das ist für alle unfair."

Bei den Olympischen Winterspielen im Februar dürfen teilweise russische Athleten starten. Unter strengen Auflagen erlaubt das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Teilnahme unter der olympischen Flagge.

Thema in: MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio, 29.01.2018, 14:40 Uhr

mkö/sp | Stand: 28.01.2018, 10:54

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