Für Alexander Ehler schließt sich in Pyeongchang ein Kreis

Paralympics

Für Alexander Ehler schließt sich in Pyeongchang ein Kreis

Mit Alexander Ehler geht in Pyeongchang der älteste Athlet aus dem deutschen Team der Nordischen Para-Skifahrer an den Start. Bereits mit der Teilnahme erfüllt sich der 48-Jährige einen Traum.

Alexander Ehler wurde in Kasachstan geboren und hat den Biathlonsport im Blut. Ende der 80er Jahre sagten ihm die Trainer in seiner Heimat, dem heutigen Ridder, eine glänzende Zukunft voraus. Er zählte zum Nationalkader und hatte sein Ziel, die Olympischen Spiele 1992 in Albertville, fest vor Augen.

Doch ein Motoradunfall machte Ehler einen Strich durch die Rechnung. Während seine Teamkollegen um Medaillen kämpften, lag er im Krankenhaus. Lange war unklar, ob sein komplettes rechtes Bein amputiert werden muss. Aber Ehler hatte Glück im Unglück. Die Ärzte entfernten "nur" neun Zentimeter aus seinem rechten Oberschenkel. Die Folge sind ein um knapp zehn Zentimeter kürzeres rechtes Bein und ein Beckenschiefstand. Seine Karriere im Leistungssport war damit vorbei, denn Behindertensport gab es damals nicht in Kasachstan.

Alexander Ehler

Alexander Ehler in seinem Element.

Im Jahr 2000 zog er mit seiner Familie nach Emmendingen im Breisgau. Seine beiden Töchter sind selbst sportlich aktiv im Fechten und wurden lange Zeit von ihrem Vater trainiert, der sich so selbst fit gehalten hat. Ehler wusste bis vor Kurzem nicht, wo und wie er sich in Deutschland im Para-Sport einbringen kann. Vor etwas mehr als einem Jahr fragte er dann im Nordic-Center Notschrei im Schwarzwald nach, ob er mittrainieren könnte.

Nur drei Monate zwischen Weltcup-Debüt und Paralympics-Teilnahme

Michael Huhn, Trainer des deutschen Nachwuchses im Para-Skilanglauf, war aufgrund des hohen Alters zunächst skeptisch. Doch nach den ersten Runden wurde ihm klar, dass er das Zeug zu mehr hat. So gab Ehler erst in dieser Saison in Canmore sein Weltcup-Debüt und wird auch in Pyeongchang an den Start gehen.

Alexander Ehler

Am Schießstand ist Ehler sehr schnell. Bleibt er auch fehlerfrei, könnte in Pyeongchang eine gute Platzierung drin sein.

Kampfgeist ersetzt Erfahrung

"Ihm fehlt nach so einer langen Pause noch die Wettkampferfahrung und der Feinschliff", sagte Bundestrainer Rolf Rombach zum Oldie in seinem Team. "Aber er ist eine Kämpfernatur und kann mit seinem Willen viel kompensieren. Ein Platz unter den besten Sechs wäre eine tolle Leistung", blickt Rombach auf die Paralympischen Spiele.

Allein mit der Teilnahme an den Paralympics hat sich Ehler einen Traum erfüllt, der nach seinem Motorradunfall bereits geplatzt zu sein schien. Alles Weitere wäre für ihn Zusatz.

Thema in: Das Erste, Sportschau, 27.01.2018

jbr | Stand: 07.02.2018, 18:59

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