Anna Schaffelhuber - Powerfrau mit Ehrgeiz

Anna Schaffelhuber

Para-Ski-Alpin

Anna Schaffelhuber - Powerfrau mit Ehrgeiz

Fünf Starts, fünf Goldmedaillen – Was nach einem Sport-Märchen klingt, ist für Anna Schaffelhuber in Sotschi Wirklichkeit geworden. Die Monoskifahrerin aus Regensburg hat auch bei den Paralympics in Pyeongchang einiges vor.

Die fünfmalige Paralympics-Siegerin im alpinen Skisport sagt: "Ich verstehe mich absolut als Leistungssportlerin. Pyeongchang wird eine große Aufgabe werden, definitiv. Es wird nicht leicht werden." Bei der Weltmeisterschaft 2017 im italienischen Tarvisio lieferten sich die Athletinnen der sitzenden Konkurrenz packende Wettbewerbe. In der Abfahrt, im Slalom und in der Super-Kombination ließ sich Schaffelhuber nicht den Schneid abkaufen. Im Super-G und Riesenslalom musste sie aber jeweils der Österreicherin Claudia Lösch den Vortritt lassen.

Ihr Siegeswille ist nicht zu bändigen

Schaffelhuber weiß: "Meine größte Stärke und Schwäche ist der Ehrgeiz. Auf der einen Seite habe ich ihn gebraucht, um so weit zu kommen. Auf der anderen Seite stehe ich mir oft selber im Weg." Sie will unbedingt gewinnen, egal worum es geht. Selbst bei einem internen Klimmzug-Wettkampf mit Teamkollegin Anna-Lena Forster beißt sie die Zähne zusammen und setzt sich mit dem 16. Klimmzug ohne abzusetzen durch.

Die Weltbehindertensportlerin ist ohne Frage eine Powerfrau. Ihre Botschaft während einer ARD-Themenwoche lautete: "Ich möchte gern zwei Stufen auf einmal nehmen." Und dass ihr keine Grenzen gesetzt sind, zeigte sie im Dezember in der Reportage "Grenzenlos" von Peter Schlickenrieder. Erstmals fliegt sie bei einer sechstägigen Alpenüberquerung mit einem Gleitschirm. Über ihre Querschnittslähmung, die sie seit der Geburt hat, sagt Schaffelhuber: "Ich denke da gar nicht drüber nach. Ich kann alles, was die anderen auch können, nur auf eine andere Weise. Ich fahre auf einem Ski und die anderen eben auf zweien."

Tagesschau, Titelseiten, Talkshows

Und wie jeder Star der Olympischen Spiele absolvierte auch sie den plötzlichen Medienrummel. Nach dem Triumph 2014 war sie in der Tagesschau, auf Titelseiten und in Talkshows zu sehen. Zwei bis drei Monate dauerte es, ehe sie ihren normalen Alltag zurück hatte. Rückblickend sagt Schaffelhuber über ihren Erfolg: "Realisiert habe ich das ein halbes Jahr später. Dass ich wirklich die fünf gewinne, ist schon etwas ganz Besonderes."

Die fünfmalige Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber bei sich zu Hause (Archiv)

Die fünfmalige Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber bei sich zu Hause (Archiv)

Lehrgänge, Weltcups, Paralympics – seitdem aus ihrem Hobby ein Beruf geworden ist, reist die Monoskifahrerin um die Welt. Zeit, um sich neben den Wettkampfstätten etwas anzuschauen, bleibt aber kaum: "Ich kenne verdammt viele Flughäfen und verdammt viele Skigebiete." Bis Weihnachten verbrachte sie allerdings viel Zeit am Schreibtisch. Über ihr Lehramtsstudium sagt Schaffelhuber: "Es ist teilweise sehr belastend, aber es funktioniert. Das ist das, was mir wichtig ist."

Studium und Skipiste, wahrscheinlich ist das sogar die perfekte Mischung. Vor allem mit der Hüfte drückt sie ihren Ski in die Kurven, nun schon seit fast zwanzig Jahren. Als Fünfjährige fuhr sie erstmals Monoski. Ihr Vater war auf Kurse aufmerksam geworden und meldete sie an. Mit 14 ließ sie sich dann zum Rennsport überreden. Schon beim ersten Sichtungslehrgang stellte Schaffelhuber fest, dass sie im Vergleich zu den anderen gar nicht so langsam ist. Und wenn es mal nicht so klappt, sagt sie sich: "Nach einem Misserfolg muss es wieder nach oben gehen. Es ist Gott sei Dank immer ganz gut gelaufen."

Anna Schaffelhuber mit ihren drei Gold- und zwei Silbermedaillen von der WM 2017 im italienischen Tarvisio.

Anna Schaffelhuber mit ihren drei Gold- und zwei Silbermedaillen von der WM 2017 im italienischen Tarvisio.

Selbst das WM-Gold in der Abfahrt, das ihr bei ihren ersten drei Weltmeisterschaften verwehrt geblieben war, sicherte sie sich in Tarvisio. Mit der eisigen Piste kam Schaffelhuber hervorragend zurecht. Egal welche Bedingungen im koreanischen Jeongseon-Alpine-Centre vorherrschen werden, eine glänzende Erinnerung zum Umhängen wird sicherlich für sie herausspringen.

Bisherige Erfolge von Anna Schaffelhuber

Paralympics:

  • Gold, Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom, Super-Kombination, Sotschi (2014)
  • Bronze, Super-G, Sotschi (2014)

Gesamtweltcup 2016/17:

  • 1. Platz, Abfahrt
  • 1. Platz, Super-G
  • 1. Platz, Riesenslalom
  • 1. Platz, Slalom
  • 5. Platz, Super-Kombination

Thema in: Das Erste | Grenzenlos - Alpenüberquerung mit Paralympics-Star Anna Schaffelhuber | 29.12.2017 | 12.45 Uhr

mkö | Stand: 10.01.2018, 18:55

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