Shaun White - der geläuterte Snowboard-Star

Shaun White - der geläuterte Snowboard-Star

Von Lysander Kempe

In Pyeongchang will Shaun White seine dritte Goldmedaille in der Halfpipe gewinnen. Der 31-Jährige ist der Superstar im Snowboard-Zirkus, doch der US-Amerikaner wird deswegen nicht nur geliebt. Allerdings hat er mittlerweile auch eine private Kehrtwende vollzogen.

Für Shaun White ist wieder die Zeit seines Lebens angebrochen. Bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang will 31-Jährige erneut triumphieren. So wie es ihm in der Vergangenheit bei diesem Wettbewerb schon zweimal gelungen war. Shaun White will der Welt zeigen, dass er immer noch zu den besten Sportlern auf dem Snowboard gehört. Umso bemerkenswerter ist es, welch kuriosen Verlauf die Karriere des US-Amerikaners genommen hat.

Denn White ist nicht der typische Snowboarder, der im Schnee groß geworden ist und seine ersten Schritte gleich mit einer einer Rutschpartie auf dem Sportgerät verbunden hat: Während viele seiner Konkurrenten in den Bergen aufwuchsen, war White an der sonnigen Westküste Kaliforniens in San Diego zu Hause. Die Region ist vor allem für seine berühmten Skateboarder bekannt. Und so machte auch Shaun White seine ersten Erfahrungen auf dem Brett mit den Rollen.

Frühe Siege

White merkte jedoch früh, dass ihm ein Board nicht genügen würde. Und so wechselte er bereits im Alter von sieben Jahren auf die Schneepiste und verschaffte sich die Grundlagen für seinen späteren Erfolge.

Die Siege kamen schnell: White gewann als jüngster Fahrer die "US Open Snowboarding Championships" und galt seitdem als das größte Talent des Landes. Die Erwartungen an ihn waren danach hoch. Und ihm gelang es, diese zu erfüllen. Im Winter 2003 gewann White mit gerade einmal 16 Jahren die Winter-X-Games im Slopestyle und der Halfpipe, zudem sicherte er sich den Slopestyle-Titel, den er auch in den folgenden drei Jahren verteidigen konnte.

"The Flying Tomato" siegt in Turin

Wegen seiner langen roten Haare wurde Shaun White als "The Flying Tomato" bezeichnet. Die "fliegende Tomate" sollte bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin beweisen, dass der Respekt der Konkurrenz keineswegs unbegründet war.

Als 19-jähriger dominierte er das Finale der Halfpipe in Bardonecchia, dem Olympiaaustragungsort in der Provinz Turin. Obwohl er sich in der Qualifikation nur als Siebter über den zweiten Run für das Finale qualifizieren konnte, zeigte White im Finale sein gesamtes Können und sicherte sich gleich seine erste Goldmedaille.

Goldmedaille führte zu viel Neid

Als Olympiasieger lernte White aber auch die Kehrseite der Medaille kennen: In der Snowboard-Szene wurde dem exzentrischen Sportler viel Misstrauen und auch Missgunst ob seines manchmal distanzierten Verhaltens entgegen gebracht. Zudem entzog sich White im Training häufig den übrigen Snowboardern und trainierte alleine.

Shaun White

"The Flying Tomato" Shaun White beim Sieg in Turin.

Dass White scheinbar ganz nebenbei die besten Snowboard-Tricks der Welt zeigte, nahm dabei kaum noch jemand wahr. Selbst als er 2010 in Vancouver seine Goldmedaile verteidigte und er im zweiten Run als bereits feststehender Sieger einen bis dato nie gezeigten Double McTwist 1260 präsentierte, bewirkte dies kaum zusätzliche Beachtung. Dieses auch als "Tomahawk" betitelte Element besteht aus zwei Überschlägen und dreieinhalb Drehungen.

Sotschi-Niederlage half ihm

2014 hatte sich der US-Amerikaner von seinen langen Haaren verabschiedet, der Snowboarder war erwachsen geworden - doch damit war ihm auch die Leichtigkeit abhanden gekommen. Bei den Spielen in Sotschi landete White nur auf dem vierten Platz. Doch die Niederlage sollte auch einen Wendepunkt in seinem Leben darstellen.

Zum einen nahmen die Zuschauer plötzlich wieder Anteil an der sportlichen Enttäuschung und die öffentliche Ablehnung wandelte sich in emotionalen Zuspruch. Zum anderen reifte auch White selbst an der Niederlage. Er veränderte sein Leben und widmete sich neben dem Sport ausgiebig seiner Gitarre, spielte in einer Band und wurde zudem Unternehmer.

In Pyeongchang soll es wieder Gold sein

Nun will er es in Südkorea noch einmal wissen und in der Halfpipe will er nochmal zu Edelmetall fliegen. Danach will er dann zurückkehren zu seinen Wurzeln. White hat angekündigt, auch bei den Sommerspielen 2020 in Tokio teilnehmen zu wollen. Dann allerdings auf dem Skateboard. Diese Sportart wird bei den Spielen in Japan erstmals olympisch sein.

Dass er auch dort mithalten kann, dürfte klar sein. Gemeinsam mit dem legendären Tony Hawk trainierte er schließlich bereits als Kind in der kalifornischen Sonne.

Stand: 13.02.2018, 13:12

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