Ein Trio macht Rebensburg das Edelmetall streitig

Viktoria Rebensburg, Federica Brignone, Mikaela Shiffrin (v.l.)

Riesenslalom der Damen

Ein Trio macht Rebensburg das Edelmetall streitig

Von Wolfram Porr

Als Führende im Riesenslalom-Weltcup geht Viktoria Rebensburg als Topfavoritin in das Rennen am Donnerstag. Eine Medaille ist aber keinesfalls sicher.

In fünf von sieben Riesenslaloms stand die 28-Jährige aus Kreuth am Tegernsee in diesem Winter auf dem Podest. Drei Rennen (in Sölden, Killington und am Kronplatz) konnte die Olympiasiegerin von Vancouver sogar gewinnen. Das macht Rebensburg zur Topfavoritin im olympischen Riesenslalom am Donnerstag (15.02.18).

Keine Selbstverständlichkeit

Doch eine Medaille im Yongpyong Alpine Centre ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Nicht weil Rebensburg schlecht drauf wäre. Nein. Einfach, weil die Konkurrenz groß und die Leistungsdichte in der Weltspitze inzwischen extrem hoch ist.

Anders als bei den Männern, wo Marcel Hirscher die Konkurrenz regelmäßig in Grund und Boden fährt und sich im Kampf um Edelmetall eigentlich fast nur selbst schlagen kann, gibt es bei den Frauen eine ganze Reihe von Medaillenkandidatinnen. Die aussichtsreichsten Konkurrentinnen stellen wir hier kurz vor:

Federica Brignone - die personifizierte gute Laune

Federica Brignone

Vollgas ist ihr Motto: Federica Brignone

Die gute Laune im alpinen Damen-Skisport hat einen Namen: Federica Brignone. Die 27-Jährige aus Mailand macht immer den Eindruck, als habe sie richtig Bock. In diesem Winter gewann sie schon den Weltcup-Riesenslalom in Lienz und stand am Kronplatz als Drittplatzierte auf dem Treppchen. Allerdings fährt die Vize-Weltmeisterin von 2011 in dieser Saison nicht wirklich konstant. Dennoch: Brignone gibt immer Vollgas und wird ganz vorne mit dabei sein, wenn sie sich keine groben Fehler leistet.

Mikaela Shiffrin - die ehrgeizige Ausnahmekönnerin

Mikaela Shiffrin

Mikaela Shiffrin inspiziert die Riesenslalomstrecke

Das gilt auch für die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin mit dem Zusatz: Selbst wenn die 22-Jährige aus Vail Fehler gemacht, kann sie noch ganz vorne reinfahren. Zwar ist die Allrounderin im Riesenslalom nicht so dominant wie im Slalom - in diesem Winter stehen die Weltcupsiege in Courchevel, Kranjska Gora sowie bei den beiden City-Events zu Buche. Mit ihr ist aber defintiv zu rechnen. Zuletzt hat sie sich rar gemacht, einige Speedwettbewerbe ausgelassen und sich stattdessen intensiv auf Olympia vorbereitet. Dass die designierte Gewinnerin des Gesamtweltcups zuletzt schwächelte, in Lenzerheide nur Siebte wurde und am Kronplatz gar ausschied, wird ihren Ehrgeiz nur noch mehr angestachelt haben.

Tessa Worley - das Energiebündel mit Nachholbedarf

Tessa Worley

Eine Olympiamedaille fehlt ihr noch: Weltmeisterin Tessa Worley

Ehrgeiz ist auch das Stichwort für Tessa Worley. Der zweifachen Riesenslalom-Weltmeisterin, die die Olympischen Spiele vor vier Jahren wegen einer Knieverletzung verpasste, fehlt noch eine Olympiamedaille in der Sammlung - und die soll nun unbedingt her. Das Zeug dazu hat sie. In diesem Winter hat die nur 1,57 Meter große Französin konstant Topleistungen abgeliefert. Die Olympia-Generalprobe in Lenzerheide gewann die 28-Jährige, zuvor hatte sie bereits drei zweite Plätze vorzuweisen. Worley, die den vielleicht schnellsten Carvingschwung im Weltcup fährt, ist ein Energiebündel auf Brettern.

Mowinckel und Brunner im erweiterten Favoritenkreis

Vielleicht macht aber auch eine Läuferin das Rennen, die noch nicht ganz oben auf der Expertenrechnung steht. Ragnhild Mowinckel (Norwegen) zum Beispiel präsentierte sich zuletzt in Topform. Am Kronplatz war sie nur drei Hundertstelsekunden langsamer als Siegerin Rebensburg. Brignones Teamkollegin Sofia Goggia ist ebenfalls für eine Topplatzierung gut, wenn der Kurs nicht zu rund gesteckt ist. Für die Schweiz könnte Wendy Holdener an einem guten Tag weit nach vorne fahren. Mit ihrer Routine ist zudem die Italienerin Manuela Mölgg ein Geheimtipp.

Und was ist von den Österreicherinnen zu erwarten? Eva-Maria Brem, die in der Saison 2015/16 den Riesenslalom-Weltcup gewann, wurde nach einem Beinbruch nicht rechtzeitig fit und ist am Donnerstag gar nicht dabei. Anna Veith, vor vier Jahren noch mit Silber im Riesenslalom dekoriert, ist ebenfalls noch nicht in der Form, die nötig wäre, um in den Medaillenkampf einzugreifen. Lediglich Stephanie Brunner. die sich mit drei vierten und drei fünften Plätzen in diesem Winter an die Besten angenähert hat, ist ein Toprang zuzutrauen. Allerdings: Für den ÖSV ist der Damen-Riesenslalom die einzige Alpin-Disziplin, in der es noch nie olympisches Gold gab.

Stand: 13.02.2018, 17:00

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