Akwasi Frimpong - "Black Star" in der Eisrinne

Skeleton

Akwasi Frimpong - "Black Star" in der Eisrinne

Seit 15 Jahren träumt er von den Olympischen Spielen - in Pyeongchang ist er endlich dabei: Akwasi Frimpong wirft sich wagemutig beim Skeleton in die Eisrinne. Für Ghana.

Als Akwasi Frimpong am Samstag (11.02.2018) erstmals seinen flachen Skeleton-Schlitten in den Eiskanal von Pyeonchang setzte, um sich zu seinem ersten Trainingslauf in die steile Rinne zu stürzen, da war für den gebürtigen Ghanaer ein Traum in Erfüllung gegangen. "Seit 15 Jahren habe ich die Sehnsucht, einmal bei Olympischen Spielen zu starten. Jetzt habe ich es geschafft", strahlte der 31-Jährige aus dem Land der "Black Stars".

In Ashanti-Land mit neun Geschwistern aufgewachsen

Frimpong wurde im zentral-ghanaischen Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti-Region, geboren. Er wuchs dort mit neun Geschwistern im Haushalt seiner Großmutter auf. Mit acht Jahren folgte er seiner Mutter Esther, die in den Niederlanden als Gospel-Sängerin Fuß gefasst hatte.

Helm von Skeletonpilot Akwasi Frimpong

Kurioses Helm-Motiv bei Skeletonpilot Akwasi Frimpong aus Ghana

Zu jener Zeit hatte er den Status als illegaler Einwanderer, in seinem Wohnort Amsterdam wurde er lediglich geduldet. Als er mit 15 den Sprint in der Leichtathletik als seine Leidenschaft entdeckte, zeigte sich rasch: Hier ist ein Talent. Frimpong gelang die Qualifikation für die niederländischen Meisterschaften, wo er sich 2003 den niederländischen Jugendmeister-Titel über 200 Meter sicherte.

Wenig später aber passierte es: Frimpong erlitt eine schwere Knöchelverletzung, die beinahe sein Karriereende bedeutet hätte. Aufgrund seines ungeklärten Aufenthalts-Status konnte er keine professionelle medizinische Behandlung in Anspruch nehmen. Er blieb unbehandelt, bis ein niederländischer Physiotherapeut auf Frimpongs Geschichte aufmerksam wurde und den jungen Ghanaer für einen symbolischen Preis von einem Euro behandelte.

Drei Jahre Verletzungspause

Nach drei Jahren war Frimpong wieder soweit hergestellt, dass er auf die Leichtathletik-Bahn zurückkehren konnte. Über Bekannte bekam er Kontakt zu einer Universität in Utah, wo er als Student intensiv seine Sprint-Leidenschaft ausleben konnte. Er verbesserte sich stetig und verpasste dennoch sein großes Ziel: 2012 für die Niederlande bei den Olympischen Spielen in London zu starten.

Frimpon reagierte und sattelte um auf die Bobbahn. Tatsächlich trainierte er mit dem niederländischen Bob-Team, wurde dort als Bremser eingesetzt. Doch kurz vor den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 der Tiefschlag: Ein Konkurrent war besser, nahm Frimpong den Platz weg. Wieder war es nichts mit den Olympischen Spielen.

Über den Bobsport zum Skeleton

Doch Frimpong ist ein Kämpfer. Und er ist flexibel. Also versuchte er es im Skeleton. Und ging aufs Ganze: Nahm Kontakt zu seinem Geburtsland auf und konnte nun also für Ghana im Eiskanal starten. Und als ihn im Januar 2018 die Weltcup-Rangliste tatsächlich unter den besten 60 führte, war der Weg nach Pyeongchang frei. Frimpong trug als Trainer, Funktionär und einziger Athlet Ghanas Fahne bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion.

Sein Traum ist wahr geworden. Und auch, wenn die anderen im Training um einiges schneller waren als der Wintersport-Exot aus Afrika, will Frimpong vor allem eines: ernst genommen werden. "Ich bin nicht als Tourist hergekommen", sagt er. Und will seine Leistung ordentlich eingeordnet wissen: "Ich bin ja erst seit zwei Jahren auf dem Schlitten. Normalerweise braucht man mindestens vier Jahre, um das zu erlernen. Also bin ich schon ganz gut dabei." Und vor allem: Überhaupt dabei!

oja | Stand: 13.02.2018, 11:17

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