Rodlerin Hüfner geht ohne Sonnenschein

Tatjana Hüfner ist enttäuscht

Trauriges Olympia-Ende mit Platz vier

Rodlerin Hüfner geht ohne Sonnenschein

Von Christian Hornung

Die berühmte "Trainingsgruppe Sonnenschein" hat Tatjana Hüfner in ihrer großen Rodel-Karriere oft die Stimmung verhagelt. Auch in ihrem letzten Olympia-Rennen feierte die Berchtesgadener Crew um Natalie Geisenberger gleich nebenan, während die Oberhoferin Hüfner über Platz vier und einen möglichen Rücktritt sprechen musste.

Gold für Geisenberger, Silber für Dajana Eitberger. Hüfner hingegen, die vor dem letzten der vier Läufe im Damen-Einsitzer auf Platz zwei gelegen hatte, war nicht nur zurück-, sondern auch noch aus den Medaillenrängen gefallen. Bronze ging an die Kanadierin Alex Dough, Hüfner blieb Blech. Sonnenschein war also wieder einmal bei den anderen.

Schmetterlinge und Herzchen in der Butter

Die beiden Zimmergenossinnen Geisenberger und Eitberger, die zusammen mit dem "Hackl Schorsch" sowie Felix Loch und den beiden Doppelrodlern Tobias Arlt und Tobias Wendl in der Berchtesgadener "Trainingsgruppe Sonnenschein" arbeiten und ihre Leidenschaft für die "Backstreet Boys" teilen, gaben ausgelassen Interviews. Sie jauchzten und lachten in die Kameras, sprachen über das Gefühl des Verliebtseins mit "Schmetterlingen im Bauch" und forderten von ARD-Moderator Gerhard Delling persönlich geschmierte Brötchen mit "Herzchen in der Butter".

In Butter war bei Tatjana Hüfner derweil wenig. Sie sagte dem Ersten mit versteinerter Miene, dass dies nicht nur wie geplant ihr letztes olympisches Rennen war. Sondern sie sogar darüber nachdenke, ihre Laufbahn sofort zu beenden. Bundestrainer Norbert Loch war wie schon bei den Herren wieder in der Situation, auf der einen Seite zu trösten und mitzufühlen - und auf der anderen mitzujubeln.

"Geht mir sehr nahe"

Loch sagte: "Das ist natürlich bitter, in so einem harten Kampf am Ende Vierte zu werden. Ich habe eine sehr lange Geschichte mit Tatjana, deshalb geht mir das sehr nahe." In dieser sehr langen Geschichte gab es für die Thüringerin olympisches Gold 2010 in Vancouver, acht Welt- und zwei Europameistertitel. Aber auch Ärger, Neid und das Gefühl, benachteiligt zu werden - gegenüber dieser vor bayerischem Frohsinn strotzenden Sonnenschein-Fraktion. Ganz besonders frostig war es 2014 in Sotschi, als Hüfner Zweite hinter Geisenberger geworden war und den Zeitpunkt für eine Abrechnung gekommen sah.

Sie warf dem Verband, der in der Olympiavorbereitung ihren Heimtrainer André Florschütz gefeuert hatte, vor, "ihr viele Steine in den Weg gelegt" und es ihr "immer wieder schwer gemacht" zu haben. Sie sagte sogar deutlich: "Ich habe den Eindruck, dass eine Natalie Geisenberger viel mehr Unterstützung bekommt." Der "Zickenkrieg der Rodlerinnen" war offen ausgebrochen und ein großes Thema in den Medien, Hüfner galt als schlechte Verliererin, auch wenn sie nachschob: "Ich gönne der Natalie den Erfolg, sie war definitiv die Beste. Die Kritik richtete sich gegen den Verband, da ist Verbesserungsbedarf da."

"Mit manchen mehr, mit manchen weniger"

Geisenberger begleitete die Debatte ziemlich kühl und erklärte: "Es ist halt in jedem Beruf so, mit manchen hat man mehr zu tun, mit anderen weniger." In welche Gruppe sie Hüfner einordnete, das konnte in dieser Pressekonferenz in Sotschi jeder Anwesende spüren. Und sehen: Obwohl Geisenberger und Hüfner einen Doppelsieg für Deutschland eingefahren hatten, saßen sie auf dem Podium nicht nebeneinander, die Sechstplatzierte Anke Wischnewski sorgte für Sicherheitsabstand.

Vor Pyeongchang hatte der Verband gegengesteuert. Es gab gemeinsame Unternehmungen der Oberhofer und der Sonnenscheiner, es ging in Kletterparks, es wurden Schießwettbewerbe mit Pfeil und Bogen, einem Gewehr, einer Magnum und einer Polizeipistole ausgetragen, und alle schossen in die gleiche Richtung. Geisenberger sagte in Südkorea, dass niemand die Absicht habe, "an der guten Stimmung etwas zu ändern." Und auch Hüfner äußerte sich vergleichweise humorvoll: "Wenn die Trainer uns gemeinsame Schießübungen zutrauen, kann die Stimmung nicht so verkehrt sein."

Keine gemeinsame Jubeltraube

Es hätte also fast noch ein sonniges Ende werden können. Mit einem Dreifacherfolg in der finalen Karrierephase von Tatjana Hüfner, die sich dieses Mal auch über Bronze gefreut hätte, wie sie sagte: "Aber so ist es einfach nur bitter. Ich hatte das Gefühl, einen anständigen letzten Lauf runtergebracht zu haben. Das muss ich jetzt erstmal alles sacken lassen und dann schauen, ob ich noch weiterfahre. Bei Olympia sieht man mich jedenfalls nicht mehr."

Tatjana Hüfner (links) gratuliert Natalie Geisenberger

Versöhnliche Geste: Tatjana Hüfner (l.) gratuliert Natalie Geisenberger.

Sie gratulierte Geisenberger fair, legte ihr den Arm auf die Schulter, erkannte an, dass "drei andere besser waren". In einer gemeinsamen Jubeltraube wird man die beiden aber nicht mehr sehen. Für Rang drei und das Podest fehlten Hüfner nach vier Läufen im Olympic Sliding Center 69 Tausendstelsekunden.

Stand: 13.02.2018, 18:33

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