Rennrodeln: Regeln und Wissenswertes

Rennrodlerin Natalie Geisenberger

Mit Hochgeschwindigkeit durch die Röhre

Rennrodeln: Regeln und Wissenswertes

  • Gewinner des ersten internationalen Rennens kam aus Australien
  • Rodeln lange im Schatten des Bobs
  • Mit "Paddelschlägen" in den Eiskanal

Ein Australier auf dem Rodel-Thron, das kann man sich in Zeiten der deutschsprachigen Vorherrschaft im Eiskanal kaum vorstellen. Doch beim ersten internationalen Rodelrennen am 12. Februar 1883 in Davos siegte der australische Student George Robertson, allerdings gemeinsam mit dem Schweizer Postboten Peter Minsch. Für eine vier Kilometer lange Abfahrt bis in den Ort Klosters brauchten die beiden Rodel-Pioniere 9:15 Minuten und feierten damit den ersten internationalen Sieg in der Geschichte.

Langes warten bis zur Olympiapremiere

Bis die Schlittenfahrer das erste Mal bei Olympischen Spielen an den Start gehen sollten, vergingen noch fast 80 Jahre. Bis zu den ersten Europameisterschaften mussten die Rodelpiloten nur bis 1913 warten. Im heutigen Liberec  (Tschechische Republik) fanden die ersten organisierten europäischen Ein- und Doppelsitzerwettbewerbe statt. Nur die Damen mussten zuschauen. Das änderte sich bereits 1928, als die ersten Frauen die Eisbahn herunterfuhren.

Im Schatten des Bobs

1935 schloss sich der "Internationale Schlittensportverband", der noch vor den ersten Europameisterschaften von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Dresden gegründet worden war, dem internationalen Bob-Verband als Sektion "Luge" an.  Luge ist das französische Wort für Rodeln. Erst 1957 erlangte der Rodelsport wieder seine Unabhängigkeit. Mit der "Fédération Internationale de Luge de Course" (FIL) traten die Rodler aus dem Schatten der Bobs. Nur zwei Jahre später beschloss das Internationale Olympische Komitee, dass bei den IX. Winterspielen in Innsbruck Rodeln erstmalig zum Programm gehören sollte. Ausgetragen wurden die Einer- und Doppelsitzerkonkurrenz der Männer sowie das Einerrennen der Frauen. Zwei Goldmedaillen gingen an die DDR und eine an die Gastgeber aus Österreich.

Die Regeln und Disziplinen

Bei den olympischen Einerkonkurrenzen der Männer und Frauen werden je vier Läufe ausgetragen, die zu einer Gesamtzeit addiert werden. Gemessen wird dabei inzwischen bis auf die Tausendstelsekunde. Der Schlitten darf ein Gewicht von 23 Kilogramm nicht überschreiten. Bei den Doppelsitzern werden nur zwei Läufe gefahren, wobei der Schlitten maximal 27 Kilogramm wiegen darf. Für Einer- und Doppelkonkurrenz gilt: Ein Lauf wird gewertet, wenn der oder die Sportler gemeinsam mit dem Schlitten über die Ziellinie kommen. Seit der Saison 2014/2015 gibt es zudem einen Teamstaffel-Wettbewerb, bestehend aus zwei Einzelsitzern (Mann und Frau) und einem Doppelsitzer.

Während die Normen in der Eisbahn relativ einfach sind, umfassen die meisten Punkte im internationalen Regelwerk die Ausrüstung. In den Statuten der FIL werden nicht nur millimetergenau die Maße des Schlittens vorgeschrieben, sondern auch die Kleidung und der Helm sind strengen Vorschriften unterworfen. So darf z.B. die Kleidung nicht mit Plastikschichten und Lacken für bessere aerodynamische Eigenschaften bezogen sein, und die Rodelschuhe müssen Mindestmaße erfüllen. Die Spikes an den Handschuhen, die beim Start mit so genannten "Paddelschlägen" zur Beschleunigung genutzt werden, dürfen maximal zwei Millimeter lang sein. Der Start selbst erfolgt von einer Startrampe. Von zwei Griffen in der Eisbahnwand kann der Athlet (bzw. die Athleten beim Doppelsitzer) Schwung holen und wenn er seine Hände von den Griffen löst, beginnt die Zeitmessung. Dann darf er sich beliebig lange mit den Paddelschlägen beschleunigen. Die meisten Piloten nehmen aber nach rund fünf Abdrücken von der Eisbahn die Rennposition ein.     

Thema in: Wintersport im Ersten, ab 09.02.2018

red | Stand: 29.01.2018, 15:34

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